Dax-Gewinne reichen nicht für Rekord - SAP klettert weiter

Der Dax hat am Freitag eine durchwachsene Woche mit Gewinnen beendet. Diese schmolzen im Sog der schwächelnden US-Börsen allerdings etwas zusammen. Zum Handelsschluss notierte der deutsche Leitindex noch 0,53 Prozent fester bei 26.440 Punkten, womit er ein Wochenplus von knapp 0,5 Prozent verbuchte.
Zu seinem Rekord vom Mittwoch hatten ihm zeitweise nur gut 30 Punkte gefehlt. Neben den jüngst gesunkenen Inflations- und Zinssorgen stützten deutliche Kursgewinne von Schwergewicht SAP. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen stieg letztlich um 0,62 Prozent auf 32.464 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es hingegen um 0,1 Prozent nach unten.
"Der Dax schleicht sich ins Wochenende", kommentierte Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets das hiesige Handelsgeschehen. Bis auf den zaghaften Versuch am Nachmittag, das Rekordhoch noch einmal anzulaufen, "ist heute nicht viel in Frankfurt passiert". Insgesamt bleibe die Stimmung für deutsche Aktien aber positiv.
SAP und Rheinmetall im Dax vorne
Ein Treiber der jüngsten Dax-Rekorde ist auch SAP. Die Titel des Softwarekonzerns sind in den vergangenen vier Wochen der beste Dax-Wert und festigten dies am Freitag mit einem Kursplus von 2,7 Prozent. Treiber dafür ist Branchenfantasie wegen eines Berichts der Nachrichtenagentur Reuters, wonach der Finanzinvestor Silver Lake derzeit über den milliardenschweren Kauf des US-Unternehmens Workday verhandeln soll.
Um 3,2 Prozent steigen im Dax auch die Rheinmetall-Aktien. Die Branchenstimmung im Rüstungssektor bessert sich seit Mitte Juli schon und dies setzte sich zu Wochenschluss so fort.
Auf der Dax-Gegenseite tauchte Eon auf mit einem Abschlag von 4,4 Prozent. Der Entwurf der Bundesnetzagentur für die fünfte Regulierungsperiode galt hier als Enttäuschung. Versorgern für Gasnetze soll ab 2028 eine pauschalierte Kapitalverzinsung zugemessen werden, von der sich der Markt viel mehr erhofft habe, hieß es von Börsianern.
Unter den Nebenwerten wurden die Aktien der Norma Group mit 8,2 Prozent von einem Aktienrückkaufangebot angetrieben. Sie wurden erstmals seit mehr als drei Jahren wieder über der 20-Euro-Marke gehandelt. Der Preis, den der Verbindungstechnik-Spezialist für bis zu 9,3 Millionen Aktien bietet, liegt mehr als 16 Prozent über dem Vortags-Schlusskurs.
Hellofresh-Aktie sackt auf Rekordtief ab
Mit Quartalszahlen sorgte Talanx bei den eigenen Aktien für einen Anstieg um 3,5 Prozent. Der Kurs des Versicherers näherte sich damit dem gut ein Jahr alten Höchststand, weil das Unternehmen optimistischer für das laufende Jahr wird. Thorsten Wenzel von der DZ Bank lobte ein "starkes Ergebnis" mit einem Rekordgewinn im ersten Halbjahr.
Ein extremer Gegensatz ist Energiekontor, da sich der Kursrutsch vom Vortag bei dem Wind- und Solarparkbetreiber mit einem Einbruch um fast ein Fünftel nochmals drastisch verstärkt hat. Das Unternehmen schockte die Anleger am Vorabend nach Börsenschluss mit der Nachricht, dass das Stunden zuvor noch bestätigte Gewinnziel gesenkt werden musste. Als Grund wurde der verzögerte Netzanschluss mehrerer schottischer Windparkprojekte aufgeführt.
Außerdem wurden im SDax die Hellofresh-Aktien stark von einer Analystenstimme belastet. Mit einem Kursrutsch um 5,5 Prozent sackten die Titel des Kochboxenlieferanten auf ein erneutes Rekordtief ab, ihnen droht jetzt der Rutsch unter die Drei-Euro-Marke. Der Barclays-Experte Andrew Ross äußerte sich skeptisch zur Umsatzperspektive und zur Frage, ob sich dessen Investitionen auszahlten.
Gold festigt jüngste Gewinne
Der Euro legte zu. Schwache Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten belasteten die US-Währung. Am Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1581 US-Dollar gehandelt. Das war rund einen halben Cent mehr als am Morgen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1567 (Donnerstag: 1,1534) Dollar fest.
Die US-Einzelhandelsumsätze sind im Juli unerwartet und merklich gefallen. Vor allem die sinkenden Benzinpreise hätten das Umsatzergebnis im Juli belastet, kommentierte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. "Ein nennenswerter Effekt wegen der Fußball-WM in den USA ist nicht zu konstatieren." Die Erwartung auf eine Leitzinserhöhung durch die US-Notenbank Fed dürfte weiter gedämpft werden.
Der Goldpreis festigte seine jüngste Erholung. Am Freitag legte der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) um 0,61 Prozent auf 4.382 US-Dollar zu. Nach einem längeren Seitwärtstrend nah an der 4.000-Dollar-Marke führten sinkende Zinsanhebungschancen in den USA zuletzt zu einem Ausbruch nach oben. Binnen Tagen gewann der Preis mehrere Hundert Dollar hinzu. Auch der zuletzt etwas schwächere US-Dollar stützte den Preis.
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(mit Material von dpa-AFX)




