Trotz Fußball-WM: US-Einzelhandel mit Umsatzrückgang im Juli
Washington, 14. Aug (Reuters) - Die US-Einzelhändler sind überraschend schwach in die zweite Jahreshälfte gestartet. Ihre Umsatz schrumpfte im Juli trotz der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Handelsministerium am Freitag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent gerechnet. Im Juni waren die Einnahmen noch um 0,2 Prozent gestiegen.
"König Fußball kann den Monat für den US-Einzelhandel also nicht retten", sagte der Ökonom der Landesbank NordLB, Tobias Basse. Das Turnier hatte viele ausländische Fans ins Land gelockt. Viele Händler lockten mit Fanartikeln.
Dass der Umsatz trotzdem sank, ist Experten zufolge auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Die großzügigen Steuerrückerstattungen, die den Konsum im zweiten Quartal gestützt hatten, sind Ökonomen zufolge nun aufgebraucht. Zudem machte sich ein Sondereffekt bemerkbar: Der Online-Händler Amazon hatte seine Rabattaktion "Prime Day" von Juli auf Juni vorgezogen, was die Umsätze im Vormonat gestützt hatte. "Die ungewöhnlich frühen Prime Days bei Amazon werden nun fast schon zum Boomerang", sagte Basse. Gleichzeitig drückten gesunkene Benzinpreise die Einnahmen an den Tankstellen. Auch die Autohersteller meldeten schwächere Verkaufszahlen.
Ein genauerer Blick auf die Daten belegt die Schwäche im Juli: Die um schwankungsanfällige Posten wie Autoverkäufe und Benzin bereinigten Kernumsätze, ein wichtiger Indikator für das Bruttoinlandsprodukt, sanken um 0,4 Prozent. Der private Konsum ist der wichtigste Wachstumstreiber für die US-Wirtschaft und macht mehr als zwei Drittel der Wirtschaftsleistung aus.
Volkswirte gehen jedoch davon aus, dass die Schwäche nur vorübergehend ist. Sie verweisen auf die anhaltende Rally am Aktienmarkt, die das Vermögen der Haushalte steigert und den Konsum stützen dürfte. Es gebe zunehmend Hinweise darauf, dass vor allem einkommensstarke und ältere Haushalte ihre Vermögensgewinne für den Konsum nutzen, hieß es in einer Analyse der Bank PNC Financial.
(Bericht von Lucia Mutikani, geschrieben von Rene Wagner, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)



