Versicherer Talanx hebt Gewinnprognose früher an als sonst

Reuters · Uhr

München, 14. ⁠Aug (Reuters) - Steigende Gewinne und geringe Schadenlasten sorgen beim Versicherungskonzern Talanx in diesem Jahr frühzeitig für mehr Zuversicht. "Wir erwarten nun, unsere Jahresprognose zu übertreffen und ein Konzernergebnis von deutlich über 2,7 Milliarden Euro zu erzielen", sagte Vorstandschef Torsten Leue am Freitag. "Damit würden wir unser Jahresergebnis zweistellig und ein ‌weiteres Mal stärker als den Umsatz steigern." Normalerweise warte Talanx das dritte Quartal vor einer Anhebung ab, ergänzte Finanzvorstand Jan Wicke. "Aber wir hatten ein wirklich herausragendes erstes Halbjahr." Das ⁠trieb die ⁠im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie um fünf Prozent nach oben.

2025 hatte Talanx einen Nettogewinn von 2,48 Milliarden Euro erwirtschaftet, für 2026 rechneten Analysten bislang im Schnitt mit 2,76 Milliarden Euro. Auf eine genauere Prognose wollte sich Wicke nicht festlegen: "Wir haben nicht 2,8 Milliarden gesagt", betonte er nur. Man werde sich die Prognose aber im Herbst noch einmal anschauen.

Im ersten ‌Halbjahr steigerte der in Hannover ansässige Versicherer den Nettogewinn ‌um neun Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Der Versicherungsumsatz stieg währungsbereinigt um drei Prozent auf 24,3 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr peilt Talanx weiterhin ein Plus von etwa fünf Prozent an. Alle Sparten ⁠hätten Rekordgewinne erzielt, sagte Vorstandschef Leue. "Das zeigt einmal mehr, dass sich unsere Strategie der Diversifizierung ‌und Kostenführerschaft auszahlt." Damit habe man auch den ⁠weicher werdenden Markt in der Industrieversicherung wettgemacht, ergänzte Wicke. In der Erstversicherung erwirtschaftete Talanx 52 Prozent des Gewinns, die einst dominierende Tochter Hannover Rück trug 48 Prozent bei.

SCHADEN DURCH ERDBEBEN IN KOLUMBIEN

Angetrieben wurde das Geschäft von den Privatkunden-Töchtern im Ausland, ‌von Polen über die Türkei bis Brasilien. ⁠Das mit zahlreichen Zukäufen gestärkte ausländische Privatkundengeschäft ⁠dürfte in diesem Jahr erstmals mehr als zehn Milliarden Euro umsetzen, sagte Wicke. Begünstigt wurden Talanx und Hannover Rück von einem Halbjahr mit vergleichsweise geringen Schäden durch Naturkatastrophen. Die Großschäden lagen mit 0,94 (2025: 1,13) Milliarden Euro unter Vorjahr, im Budget ist noch fast eine halbe Milliarde Euro Luft.

Im dritten Quartal wird allerdings das Erdbeben in Kolumbien zu Buche schlagen, wo Talanx auch ein bedeutender Erstversicherer ist. Nach ersten Schätzungen rechnet Talanx laut Wicke mit einem versicherten Schaden von rund 60 Millionen Euro. Zusammen mit der Hannover ⁠Rück sei von einem dreistelligen Millionenschaden auszugehen.

(Bericht von Alexander Hübner. Redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)

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