BASF drosselt wegen Rhein-Niedrigwasser erste Anlagen
Ludwigshafen, 17. Aug (Reuters) - Der Chemiekonzern BASF spürt die Folgen des extremen Niedrigwassers am Rhein und kann erste Produkte nicht mehr in vollem Umfang liefern. Zwar gebe es bislang keine signifikanten Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis in diesem Jahr, sagte Vorstandschef Markus Kamieth am Montag am Rande des ersten Spatenstichs für den Ausbau des Kombiverkehrsterminals am Stammsitz in Ludwigshafen. Mit jeder weiteren Woche der Dürre steige jedoch das Risiko von Produktionsunterbrechungen. BASF habe einzelne Produktionen schon zurückfahren müssen, aber noch nicht in einem außergewöhnlichen Umfang. "Und wir haben auch schon unsere Kunden informiert, dass wir bei einigen Produkten nicht mehr voll lieferfähig sind." Dennoch halte sich die Lage im Rahmen, da der Konzern deutlich besser auf Wetterextreme vorbereitet sei als im Dürrejahr 2018.
Ende Juli hatte Kamieth bereits größere Auswirkungen auf das Unternehmen ausgeschlossen, allerdings vor Störungen in den europäischen Lieferketten gewarnt. In der vergangenen Woche hatte der Konzern schon erste Lieferengpässe eingeräumt. Um die Versorgung des Stammwerks in Ludwigshafen aufrechtzuerhalten, das rund 40 Prozent seiner Rohstoffe über den Fluss bezieht, setzt das Unternehmen neben speziellen Niedrigwasser-Schiffen verstärkt auf Lastwagen und die Schiene.
Um die Logistik dauerhaft robuster aufzustellen, baut BASF das Kombiverkehrsterminal in Ludwigshafen aus. Für das bereits im Frühjahr angekündigte Projekt setzte Kamieth am Montag den symbolischen Spatenstich. Das Terminal gehört zu den größten Straße-Schiene-Umschlagplätzen Europas. Täglich werden dort mehr als 1000 Ladeeinheiten umgeschlagen, auch für externe Kunden. BASF investiert einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag in die Modernisierung, durch die laut Kamieth jährlich 200.000 Tonnen CO2 eingespart werden können. Der Bund fördert das Projekt mit knapp 51 Millionen Euro. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU), der ebenfalls an dem Termin teilnahm, bezeichnete den kombinierten Verkehr als aktiven Klimaschutz, durch den sich bundesweit jeden Tag 17.000 Lastwagen-Fahrten einsparen ließen. Die Fertigstellung ist für 2027 geplant.
Die Pegelstände des Rheins waren am Wochenende auf neue Rekordtiefs gesunken. Am wichtigen Engpass im rheinland-pfälzischen Kaub fiel der Wasserstand am Freitagabend auf nur noch sechs Zentimeter und lag damit deutlich unter dem bisherigen Tiefstwert von 25 Zentimetern aus dem Jahr 2018. Ein Großteil des Güterverkehrs auf der wichtigsten europäischen Wasserstraße wurde daher auf Lastwagen und Züge verlagert. Verkehrsminister Bilger rechnet frühestens Ende August mit einer Entspannung der Lage.
(Bericht von Reuters-TV, geschrieben von Patricia Weiß. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



