Durchwachsene Daten aus China signalisieren verhaltenen Start ins dritte Quartal
Peking, 17. Aug (Reuters) - Neue Konjunkturdaten aus China signalisieren einen verhältnismäßig schwachen Start ins dritte Quartal. Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe wurde im Juli nur um 4,5 Prozent hochgefahren, wie aus staatlichen Daten vom Montag hervorgeht. Von Reuters befragte Experten hatten einen Zuwachs von 4,8 Prozent erwartet, nach einem Plus von 5,3 Prozent im Juni. Die Fertigung wurde im Juli allerdings durch ungewöhnlich heftige Extremwetterereignisse beeinträchtigt: Drei Taifune trafen auf Land, und in den Industriezentren im Osten und Süden Chinas mussten Wohngebiete mit Millionen von Menschen evakuiert werden.
Auch die Einzelhandelsumsätze, die im Juli normalerweise kräftig von den Ausgaben der Touristen profitieren, blieben hinter den Erwartungen der Experten zurück: Sie stiegen lediglich um 0,6 Prozent. Analysten hatten ein Wachstum von 1,5 Prozent prognostiziert, nach einem Plus von 1,0 Prozent im Juni.
Die Führung Chinas versucht, die Wirtschaft unter anderem mit einer Prämie für den Austausch von Altfahrzeugen und -geräten anzukurbeln. Doch ging der Autoabsatz im Juli nach den unlängst vorgelegten Daten den zehnten Monat in Folge zurück. Dies steht im Kontrast zum starken Exportgeschäft, mit dem die Hersteller die Schwäche auf ihrem Heimatmarkt auszugleichen versuchen.
SORGENKIND IMMOBILIENSEKTOR
Auch der heimische Immobiliensektor bleibt weiter ein Sorgenkind der chinesischen Wirtschaft. Angesichts weiterhin gedämpfter Nachfrage gingen die Preise für Neubauten gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent zurück, wie aus Reuters-Berechnungen auf Basis von Daten des Nationalen Statistikamtes hervorgeht. Im Jahresvergleich fielen die Preise um 3,2 Prozent. Damit verringerte sich der Rückgang gegenüber dem Minus von 3,3 Prozent im Juni nur leicht. Die anhaltende Krise am Immobilienmarkt trübt die Wachstumsaussichten, da maue Zahlen bei den Hausverkäufen und sinkende Vermögenswerte den Binnenkonsum und die Investitionen belasten.
Die Konjunkturdaten vom Juli lassen darauf schließen, dass Chinas Wirtschaft die im Frühjahr durchlaufene Schwächephase noch nicht überwunden hat. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hatte von April bis Juni nur um 4,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum zugelegt - das schwächste Wachstum seit mehr als drei Jahren. Die Führung in Peking hat als Wachstumsziel eine Spanne von 4,5 bis 5,0 Prozent ausgegeben. Grund für die Abkühlung war im Frühjahr vor allem eine schwache Inlandsnachfrage, während Industrieproduktion und Exporte weiter für Schwung sorgten.
(Bericht von Kevin Yao and Ethan Wang, Liangping Gao, Yukun Zhang and Ryan Woo; geschrieben von Reinhard Becker, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



