Familienunternehmen EBM-Papst wird für 5,1 Mrd Euro in die USA verkauft
- von Alexander Hübner
München, 17. Aug (Reuters) - Nach dem Heiztechnik-Spezialisten Viessmann wird ein weiteres deutsches Familienunternehmen in die USA verkauft. Der württembergische Ventilatoren- und Lüfter-Hersteller ebm-papst geht für 5,1 Milliarden Euro an die börsennotierte Madison Air aus Chicago, die bereits zu den Kunden des Unternehmens aus Mulfingen gehört. "Mit dem Zusammenschluss können wir aus eins plus eins drei machen", sagte EBM-Papst-Chef Klaus Geißdörfer der Nachrichtenagentur Reuters. EBM-Papst erhofft sich von Madison vor allem einen besseren und schnelleren Zugang zum US-Markt, wo das Geschäft mit Rechenzentren besonders boomt. Die Hochleistungsrechner und -chips für Künstliche Intelligenz müssen ständig zuverlässig gekühlt werden. Die hochprofitable Ausrüstung von Rechenzentren steht Branchenkreisen zufolge bereits für rund ein Drittel des Umsatzes von EBM-Papst.
Die drei Eigentümerfamilien bekommen 4,78 Milliarden Euro für ihre Anteile. Chloe McCracken, Jan Philippiak und Ralf Sturm sind die Nachfahren der Familien Sturm und Ziehl, die EBM-Papst 1963 gegründet hatten. Insgesamt werde das Unternehmen mit 5,1 Milliarden Euro bewertet. Knapp 400 Millionen Euro gehen im Zuge des Verkaufs an die kleine Gemeinde Mulfingen zwischen Heilbronn und Würzburg, die weniger Einwohner hat als EBM-Papst dort Mitarbeiter beschäftigt. Es ist der drittgrößte Verkauf eines deutschen Familienunternehmens ins Ausland nach der Heiztechnik-Sparte von Viessmann, die vor zwei Jahren für zwölf Milliarden Euro an den US-Rivalen Carrier ging, und der 1997 an Roche verkauften Boehringer Mannheim.
EBM-Papst bekomme mit Madison einen langfristig orientierten Eigentümer, der helfen könne, das Wachstum zu beschleunigen, erklärte das Unternehmen. Dazu gehöre auch ein schnellerer Aufbau der Produktion und des Servicenetzes in den USA. "Wir bekommen damit auch Zugang zum US-Kapitalmarkt, was uns bei strategischen Optionen helfen kann", sagte Geißdörfer Reuters. Madison Air erwirtschaftet 95 Prozent ihres Umsatzes von 3,5 Milliarden Dollar (2025) bisher in Nordamerika und kann mit EBM-Papst wiederum nach Europa und Asien expandieren. Madison Air, die zum Industriekonzern Madison Industries des Milliardärs Larry Gies gehört, ist auf die Qualität von Raumluft spezialisiert und produziert Lüftungsgeräte für Reinräume oder Rechenzentren, aber auch die klassischen Deckenventilatoren für Privatwohnungen.
EBM-Papst erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025/26 (per Ende März) einen Umsatz von 2,24 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2030 will Geißdörfer das Kerngeschäft auf 3,4 Milliarden Euro ausbauen. Im laufenden Jahr soll der Umsatz von EBM-Papst laut dem neuen Eigentümer auf 2,4 Milliarden Euro steigen, bei einem bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) von knapp 300 Millionen Euro. Das 1963 gegründete Familienunternehmen beschäftigt mehr als 13.000 Mitarbeiter, davon 5800 in Deutschland. "Mit Madison haben wir einen Partner gefunden, der genau versteht, was ebm-papst ausmacht und was wir brauchen, um unsere Marktführerschaft weiter auszubauen", sagte Geißdörfer.
MULFINGEN BLEIBT FIRMENZENTRALE
Madison sei dafür bekannt, ihre Beteiligungen an der langen Leine zu lassen, sagte der EBM-Papst-Chef Reuters. "Wir können eigenständig weiterarbeiten, profitieren aber von möglichen Skalierungseffekten mit anderen Madison-Gesellschaften." Die Firmenzentrale bleibe ebenso in Mulfingen wie die Produktion und Entwicklung. Er selbst habe seinen Vertrag kürzlich verlängert und werde an Bord bleiben. "Die Kultur und das Erbe, das die Gesellschafterfamilien in Mulfingen und darüber hinaus aufgebaut haben, gehören zu den größten Stärken der Gruppe, und wir werden beides bewahren", sagte Gies, der dem Verwaltungsrat von Madison Air vorsitzt.
Finanzieren will Madison Air die Übernahme mit Eigen- und Fremdkapital, UniCredit und Wells Fargo stellen Kredite dafür bereit. Wenn die Übernahme doch noch - etwa am Widerstand der Kartellbehörden - scheitern sollte, bekommen die EBM-Eigentümerfamilien 250 Millionen Euro Entschädigung, wie aus einer Mitteilung an die US-Wertpapieraufsicht SEC hervorgeht.
(Bericht von Alexander Hübner Redigiert von Scot W. StevensonBei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



