Schwache Wall Street bremst Dax aus - SDax-Neuling OHB gefragt

Der Dax hat am Montag dicht am Rekordhoch der Schwung für einen Anstieg gefehlt. Die Ungewissheit im Iran-Krieg und die schwächere Tendenz der US-Standardwerte im Dow Jones Industrial bremsten hierzulande den Willen der Anleger, den Höchststand von knapp 26.574 Punkten vom vergangenen Mittwoch nochmals anzutesten.
Der Dax beendete den ersten Handelstag der neuen Woche 0,38 Prozent tiefer bei 26.338 Punkten. Seit dem Zwischentief von Mitte Juli hat er allerdings auch um fast sieben Prozent zugelegt und sein Jahresplus wieder auf 7,6 Prozent gesteigert. In der zweiten deutschen Börsenreihe gab der MDax am Montag um 0,33 Prozent auf 32.356 Zähler nach.
Laut den Experten von Index-Radar lag der verhaltene Wochenauftakt neben dem sommerbedingt dünnen Volumen auch daran, dass die Nachrichtenlage derzeit keinen zwingenden Grund liefere, um "mit beiden Beinen noch stärker in den Markt zu springen". Die Berichtssaison sei so gut wie abgeschlossen und falle jetzt als Kaufanreiz weitgehend weg. Außerdem bleibe die Lage im Iran alles andere als eindeutig, zumal das Verhandlungsfenster des im Juni unterzeichneten Memorandums auslaufe.
Anlagestratege Mislav Matejka von der Bank JPMorgan bleibt derweil generell optimistisch für die Aktienmärkte. Grund dafür sind die steigenden Unternehmensgewinne. Trotz der Indexrekorde sei die Positionierung der Anleger weiter alles andere als extrem, schrieb er. Die Marktbreite nehme zu, was heißt, dass die Anstiege nicht nur von wenigen starken Werten getragen werden. Hinzu kommt, dass in den USA die jüngsten Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten die Sorgen vor steigenden Leitzinsen in den USA vorerst wieder in den Hintergrund haben treten lassen.
KI-nahe Aktien dank Anthropic-Zahlen gesucht
Unternehmensseitig blieb es am Montag ruhig. Im Dax erholte sich die Aktien mit KI-Bezug, wie etwa Siemens Energy und Infineon weiter und zählten mit plus 1,3 Prozent und plus 0,4 Prozent zu den Index-Favoriten. Dass der Umsatz des US-KI-Konzerns Anthropic im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um mindestens das Vierzehnfache gestiegen ist, sorgte für gute Stimmung.
Das Vonovia-Papier gab derweil um 1,8 Prozent nach und litt unter der Wiederaufnahme der Bewertung mit "Underperform" durch die französische Investmentbank Exane BNP.
SDax-Neuling OHB profitiert von Auftragsgerüchten
Im MDax profitierte der Anteilsschein von Salzgitter mit plus 3,4 Prozent von einer Empfehlung der Bank of America. Die US-Bank sieht angesichts von Handelsschutzmaßnahmen durch die EU ein Aufwärtspotenzial von 18 Prozent für die Konsensschätzung zum operativen Konzernergebnis 2027.
Im SDax zählte die erst seit Kurzem eingezogene Aktie von OHB mit plus 2,5 Prozent zu den Spitzenwerten. Neuigkeiten zum europäischen Satellitennetzwerk gaben Auftrieb.
Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen schreibt, hat sich das belgische Start-up Aerospacelab gegen Airbus durchgesetzt und den Auftrag für den Bau des Großteils der Satelliten für das geplante Netzwerk Iris2 erhalten. Aus Deutschland sei OHB mit an Bord und werde sogenannten MEO-Satelliten herstellen. Der Auftragswert hierfür liege wohl bei knapp einer Milliarde Euro, hieße es.
Gold und Euro fester
Der Kurs des Euro stieg zeitweise über 1,16 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit knapp zwei Monaten. Am Vormittag war die Gemeinschaftswährung in der Spitze bis auf 1,1614 Dollar nach oben geklettert. Dies ist der höchste Stand seit Mitte Juni. Am Nachmittag fiel der Euro etwas unter sein Tageshoch zurück und kostete 1,1598 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1593 (Freitag: 1,1567) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8625 (0,8645) Euro.
Der Anstieg des Euro in den vergangenen Wochen ist nach Einschätzung der Commerzbank vor allem auf die unterschiedlichen Zinsprognosen zurückzuführen. Vergleiche man die Markterwartungen an die US-Notenbank Fed mit denen an die anderen wichtigen Zentralbanken, zeige sich, dass diese seit der vergangenen Fed-Sitzung kontinuierlich zurückgenommen worden seien. Dies sei für andere wichtige Industrienationen nicht der Fall.
Parallel zum Euro stieg auch der Goldpreis, der üblicherweise von einem schwächeren US-Dollar profitiert. Bis zum Handelsschluss in Frankfurt legte der Kurs je Feinunze (31,1 Gramm) um 1,2 Prozent auf 4.421 US-Dollar zu. Bereits in der Vorwoche war der Preis kurzzeitig bis über 4.400 Dollar gestiegen, das höchste Niveau seit Anfang Juni.
(mit Material von dpa-AFX)


