Steigende Anleihezinsen belasten Dax - Rücksetzer bei Gold

Nach seinem in der vergangenen Woche erreichten Rekordhoch orientiert sich der Dax in der neuen Woche weg von seinem Gipfel. Neben schwachen Vorgaben dämpften am Dienstag höhere Anleiherenditen und steigende Ölpreise das Interesse der Anleger an Aktien, während sich die sehnlichst erhoffte Lösung im Iran-Krieg weiterhin nicht abzeichnet.
Der deutsche Leitindex verstärkte seine Vortagsverluste mit einem Abschlag von 0,8 Prozent auf 26.128 Punkte. Damit entfernte er sich weiter von seiner am vergangenen Mittwoch erreichten Bestmarke von knapp 26.574 Punkten. Der MDax sank sogar noch deutlicher um 1,6 Prozent auf 31.839 Zähler. Der Index mit den mittelgroßen Werten erreichte damit den tiefsten Stand seit mehr als drei Wochen.
Experten begründeten die Talfahrt mit der größer werdenden Attraktivität von Anleihen als konkurrierende Anlagemöglichkeit. Marktanalystin Daniela Hathorn von Capital.com machte dies am starken Anstieg langfristiger Renditen von Staatsanleihen fest. Treiber dafür seien anhaltende Inflationsrisiken, die am Dienstag auch vom steigenden Ölpreis verstärkt wurden. Hinzu kämen eine hohe staatliche Kreditaufnahme und zusätzlicher Kapitalbedarf im Zusammenhang mit dem KI-Investitionsboom.
KI-Aktien unter Druck, Abstufung bei Lanxess
Unternehmensseitig ist es derzeit wieder ruhiger, nachdem die Berichtssaison so gut wie beendet ist. Bei den zuletzt erholten KI- und Chipwerten wurde Kasse gemacht. Unter den deutschen Einzelwerten fielen die Papiere von Siemens Energy um 5,2 Prozent zurück, nachdem sie in den vergangenen Tagen auf dem höchsten Niveau seit Anfang Juli gestanden hatten. Noch etwas stärker abverkauft wurden Chipwerte wie Infineon oder Branchenausrüster wie Aixtron oder Suss Microtec.
Aus dem SDax gab Einhell detaillierte Halbjahreszahlen bekannt, in deren Rahmen der Umsatzausblick auf das Gesamtjahr bestätigt wurde. Der Kurs des Werkzeugherstellers konnte davon mit einem Abschlag von 5,9 Prozent aber nicht profitieren.
Einige Aktien wurden stärker bewegt von Umstufungen durch Analysten. So hat Analyst David Dymonds von der französischen Investmentbank Exane BNP dem Spezialchemiekonzern Lanxess jetzt mit "Underperform" ein negatives Votum verpasst. Die Titel büßten daraufhin im MDax 3,7 Prozent ein.
Es gab aber auch bewegende, positive Analystenstimmen: Der Sixt-Kurs stieg um 1,2 Prozent nach einer Hochstufung durch die Privatbank Berenberg. Angesichts der schwachen Konsumstimmung spreche zwar das Bauchgefühl gegen die Kaufempfehlung, die Aussichten sprächen aber für die Münchner, schrieb sie und erwartet unter anderem ein starkes Sommer-Reisegeschäft in Europa.
Schott Pharma wurde von einer positiven Erwähnung der Barclays Bank um 2,5 Prozent hoch getrieben. Nach drei Jahren sinkender Gewinnprognosen erwartet Jonathon Unwin nun eine Trendwende bei dem Pharma-Verpackungsspezialisten. Als Impulsgeber sieht er neu verhandelte Verträge und das Wachstum im Bereich "Ready-to-use"-Primärverpackungen sowie Spezialfläschchen für instabile Medikamente.
Wenn du eine bestimmte Aktie oder anderes Wertpapier im Auge behalten willst: Füge sie zu deiner Watchlist hinzu und du kannst in der onvista-App automatisch Alarme erhalten, wenn sich der Kurs stark bewegt.
Gold mit Rücksetzer nach starken Vortagen
Der Euro bewegte sich nach einem stärkeren Wochenauftakt kaum. Am Nachmittag notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,1585 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1576 (Montag: 1,1593) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8638 (0,8625) Euro.
Damit legte der Aufwärtskurs des Euro zumindest vorerst eine Pause ein. Die europäische Gemeinschaftswährung blieb unter der Marke von 1,16 Dollar, die sie am Vortag zeitweise überschritten hatte. Dabei hatte der Euro unter anderem von unterschiedliche Zinserwartungen profitiert. Die Volkswirte der Landesbank Helaba sehen nun die 100-Tagelinie bei 1,1569 als erste Unterstützung. Unverändert freundlich sei die Lage der technischen Indikatoren, so die Experten.
Bei Gold gab es einen klaren Rücksetzer nach den gewinnreichen Vortagen. Der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) verlor bis zum Dienstagabend 1,6 Prozent auf 4.355 US-Dollar. Wie Aktien auch leidet Gold unter steigenden Zinsen, da das zinslose Edelmetall dann als Wertspeicher relativ an Attraktivität verliert. Allerdings hatte der Kurs zuletzt auch kräftig zugelegt und einen wochenlangen Seitwärtstrend an der 4.000-Dollar-Marke beendet. Womöglich nehmen Anleger hier also auch einen Teil der Gewinne mit.
(mit Material von dpa-AFX)




