Dax dümpelt dahin - Öl- und Anleihemarkt belasten

Reuters · Uhr

Frankfurt, 21. Aug (Reuters) - Die ⁠Dax-Anleger haben sich zum Wochenschluss kaum aus der Deckung gewagt. Der deutsche Leitindex hielt sich mit 26.018 Zählern nur knapp im Plus. Auch der EuroStoxx50 rückte gerade einmal um 0,2 Prozent vor. Sorgen um ausufernde Staatsfinanzen, die anhaltend hohen Ölpreise und der Renditeanstieg am Anleihenmarkt dämpften ​die Kauflust vieler Anleger. Dem Markt ​fehle schlicht die nötige Kaufkraft, um den Dax gegen diesen fundamentalen Gegenwind in die Höhe zu treiben, sagte Frank Sohlleder von Activ Trades. Auf Wochensicht ist der ‌deutsche Leitindex um mehr als ein Prozent gefallen.

Das Nachsehen hat in dieser Woche auch die US-Währung. ​Der Dollar-Index notierte in Reichweite seines am Donnerstag markierten Drei-Monats-Tiefs von 98,557 Stellen. Vor allem der wachsende US-Schuldenberg, der zuletzt die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten hatte, belastete den ⁠Greenback. Darüber könne auch ⁠der Eingriff des amerikanischen Finanzministeriums zur Senkung langfristiger Renditen nicht hinwegtäuschen, sagte Jochen Stanzl von der Consorsbank.

BOND-INTERVENTION HILFT NUR KURZ

Die Ankündigung des Ministeriums, die Anleihe-Rückkäufe für bestimmte längerfristige US-Papiere zu verdoppeln, hatte nur kurzfristig für Erleichterung am Bondmarkt gesorgt. Am Freitag zog die Verzinsung der 30- und zehnjährigen US-Staatsanleihe

Auf der Suche nach Alternativen zum Dollar griffen Anleger bei Bitcoin und Gold zu. Die Kryptowährung kletterte zum Wochenschluss um bis zu 9,4 Prozent auf 79.455 Dollar, ‌den höchsten Stand seit fast drei Monaten. Auf Wochensicht beläuft sich das Plus auf mehr ‌als 20 Prozent. Der Goldpreis legte im selben Zeitraum um fünf Prozent auf 4601 Dollar je Feinunze ​zu. "Offenbar erodiert das Vertrauen in den US-Dollar als sicherer Hafen, da Investoren für den Kauf von US-Staatsanleihen höhere Renditen verlangen und das Finanzministerium in die Bresche springen muss", schreibt Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch mit Blick auf die Gold-Rally.

Nach oben ⁠ging es ebenfalls für den Euro - die Gemeinschaftswährung kletterte um bis zu 0,3 Prozent auf ein frisches Drei-Monats-Hoch von 1,1711 Dollar. Gestützt wurde der Aufwärtsstrend ‌durch positive Daten aus dem Euro-Raum. Die Wirtschaft in der Euro-Zone hat im ⁠August dank einer robusten Industriekonjunktur so stark zugelegt wie noch nie in diesem Jahr. Der Einkaufsmanagerindex - der die Geschäfte von Industrie und Dienstleistern zusammenfasst - stieg auf 52,1 von 52,0 Punkten im Vormonat.

HOHE ÖL- UND GASPREISE TREIBEN SORGENFALTEN AUF DIE STIRN

Am Ölmarkt blieb die Situation wegen des ungelösten Nahost-Konflikts angespannt: Die Preise für das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI notierten mit 93,88 beziehungsweise 87 Dollar je ‌Fass in Reichweite ihres zuletzt markierten Vier-Wochen-Hochs. Am Donnerstag fuhren laut Daten des Schiffsverfolgungsdienstes ⁠Kpler nur sieben Frachter durch die Straße von Hormus. Vor ⁠dem Krieg passierte fast ein Fünftel der weltweiten Öl- und LNG-Transporte die wichtige Meerenge. Auch die europäischen Gas-Preise stiegen zum Wochenschluss weiter an.

Auf der Unternehmensseite waren im Dax nur schwer eindeutige Gewinner und Verlierer auszumachen. Die Einzelwerte schwankten stark. Im MDax erholten sich Salzgitter und ThyssenKrupp von ihren jüngsten Verlusten und legten jeweils rund fünf Prozent zu. Für die Papiere von CTS Eventim ging es zeitweise um 9,5 Prozent bergab, sie grenzten ihre Verluste dann aber deutlich ein. Die operative Umsatzrendite bei dem Ticketvermarkter und Konzertveranstalter sank im ersten Halbjahr auf 14,9 von 15,5 Prozent in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres.

An der Mailänder Börse sorgte die italienische Banca Monte dei Paschi di Siena für Gesprächsstoff. Sie legte gleichzeitig Übernahmeangebote im Wert von zusammen 34 Milliarden Euro für Banco BPM und die Banca Generali vor. Vorstandschef Luigi Lovaglio will damit ​die als ⁠feindlich erachtete, 36 Milliarden Euro schwere Übernahme durch Intesa Sanpaolo verhindern. Anleger betrachteten den Schachzug eher skeptisch. ​Die Aktien von Banca Generali und Banco BPM verloren 3,4 beziehungsweise 1,2 Prozent.

(Bericht ​von Daniela Pegna, redigiert von Elke Ahlswede. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für ‌Unternehmen und Märkte).)

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