Berkshire: Buffett ist weg, sein Stil bleibt
Warren Buffets 96. Geburtstag ist sein erster seit 55 Jahren, an dem er nicht an der Spitze von Berkshire steht. Sein Nachfolger Greg Abel folgt aber seinen Leitlinien.
Heiko Böhmer

Am 30. August wird Warren Buffett 96 Jahre alt. Es ist sein erster Geburtstag seit sechs Jahrzehnten, an dem er nicht mehr Chef von Berkshire Hathaway ist. Seit dem 1. Januar 2026 führt Greg Abel das Unternehmen als CEO, Buffett bleibt Chairman. Ganz klar: Ein neues Kapitel ist das schon für die bekannte Beteiligungsgesellschaft aus Omaha.
Dort fand im Mai die erste Hauptversammlung ohne Buffett am Mikrofon statt. Ich war wieder vor Ort und kann nur sagen: Die Halle war spürbar leerer als in den Jahren zuvor – Buffett selbst blieb dem Bühnenprogramm weitgehend fern.
Die Investoren, die kamen, äußerten sich trotzdem überwiegend zustimmend zu Abel. Kein Wunder: Man verabschiedet nicht einfach einen CEO. Man verabschiedet eine Ära.
Was sich bei Berkshire wirklich verändert hat
Die ersten beiden Quartale unter Abel liefern die Antwort, wie die Zukunft von Berkshire aussieht. Sie ist eindeutig: Der berühmte Cashberg schrumpft. Von knapp 400 Milliarden Dollar Ende März auf rund 365 Milliarden Dollar zum Ende des zweiten Quartals 2026. Klingt nach Kleinigkeit, ist aber ein Erdbeben. Es war das erste Quartal seit 15 Quartalen, in dem Berkshire per Saldo wieder Aktien gekauft statt verkauft hat. 15 Quartale, das sind fast vier Jahre und die waren gekennzeichnet von Zurückhaltung.
Allein rund 10 Milliarden Dollar flossen im zweiten Quartal in Alphabet. Dazu kommen Aktienrückkäufe von 4,5 Milliarden Dollar – nach einer Pause von über zwei Jahren. Abel hat außerdem für 6,8 Milliarden Dollar den Hausbauer Taylor Morrison übernommen - ein klares Bekenntnis zum US-Immobilienmarkt.
Und international treibt Abel voran, was Buffett 2019 begonnen hat: rund 43 Milliarden Dollar stecken inzwischen in den großen japanischen Handelshäusern Mitsubishi, Mitsui, Itochu, Sumitomo und Marubeni, dazu eine Beteiligung am Versicherer Tokio Marine.
Was heißt das im Klartext? Abel investiert entschlossener als der Buffett der letzten Jahre. Aber er handelt exakt nach denselben Regeln. Die sind lange bekannt: Erst die Unterbewertung suchen. Dann diese Substanz kaufen und einfach Geduld haben. Wir erleben also keinen Strategiewechsel, sondern einen Tempowechsel.
Was jeder Anleger von Buffett lernen kann
Genau darin liegt die eigentliche Geburtstagslektion. Buffetts größter Erfolg war nie eine einzelne geniale Aktienwahl. Es war die Konsequenz, mit der er wenige einfache Prinzipien über 60 Jahre durchgehalten hat.
“"Price is what you pay. Value is what you get."“
Wer diesen Satz verinnerlicht, hört auf, auf den Kurszettel zu starren, und fängt an, über den inneren Wert eines Unternehmens nachzudenken – über Cashflow, Wettbewerbsvorteil, Preissetzungs-Macht.
“"Our favorite holding period is forever."“
Berkshires Cash-Aufbau der vergangenen Jahre war kein Zeichen von Ängstlichkeit, sondern von Disziplin: lieber warten als überteuert kaufen. Und wenn die Gelegenheit kommt – wie jetzt bei Alphabet oder in Japan – dann zugreifen, und zwar entschlossen.
Und schließlich Temperament vor Intelligenz: Buffett hat nie behauptet, der klügste Kopf im Raum zu sein. Er hat behauptet, der geduldigste zu sein. Genau das unterscheidet erfolgreiche von erfolglosen Anlegern meistens mehr als der IQ.
“"Be fearful when others are greedy and greedy when others are fearful."“
Auch dieser Satz ist keine Börsenweisheit zum Abnicken, sondern eine echte Handlungsanweisung – und genau das tut Abel gerade: Während viele Anleger dem KI-Hype hinterherlaufen, kauft Berkshire dort ein, wo es günstig ist: In Japan oder auch bei Alphabet. Und durch Rückkäufe von Berkshire-Aktien übrigens auch beim eigenen Unternehmen.








