
Der Ölpreisanstieg und zunehmende Inflationssorgen haben auch zum Start in den neuen Börsenmonat September den deutschen Aktienmarkt belastet. Der Dax verlor am Dienstag weitere 1,1 Prozent und schloss bei 25.970,11 Punkte. Zwischenzeitlich war er erstmals seit gut einer Woche unter die Marke von 26.000 Zählern gefallen. Der September gilt historisch betrachtet als ein schwacher Börsenmonat.
Damit setzt sich die bereits zu Wochenanfang begonnene Korrektur fort, und der Dax-Rekord vom Freitag bei 26.618 Zählern rückte noch ein Stück weiter in die Ferne.
"Nach der jüngsten Rekordjagd sind die Anleger zwischen hohen Bewertungen und veränderten Zinsperspektiven auf der Suche nach einem neuen Gleichgewicht", umschrieb Marktanalyst Timo Emden von Captrader das Marktgeschehen. Eine Mischung aus geopolitischen Risiken, geldpolitischen Fragezeichen und neuen Ölpreisspitzen "zwingt Investoren zum Abstieg, um wieder festen Tritt zu fassen."
Hohe Kursverluste insbesondere von Rüstungswerten wie Renk, TKMS und Hensoldt drückten den MDax noch stärker ins Minus als der Dax. Der Index der mittelgroßen Unternehmen büßte 1,7 Prozent auf 32.173 Punkte ein.
Zinsen steigen und steigen
Vor allem die Entwicklungen am Bondmarkt bereitet Investoren Sorge. Die Kurse deutscher Staatsanleihen sind am Dienstag weiter gefallen. Der richtungweisende Euro-Bund-Future sank um 0,12 Prozent auf 123 Punkte.
Im Gegenzug legten die Renditen deutlich zu. Sie erreichte in der zehnjährigen Laufzeit mit 3,34 Prozent erneut ein mehrjähriges Hoch. Die Renditen sind damit an fünf Tagen in Folge deutlich gestiegen.
Erneut gestiegene Ölpreise belasten die Anleihen. Gegenseitige Angriffe der USA und des Irans verunsichern die Märkte. Eine dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus ist weiterhin nicht in Sicht. Inflationserwartungen werden so geschürt.
Diese Erwartungen wurden durch die Inflationszahlen für die Eurozone im August bestätigt. Die Jahresinflationsrate stieg von 2,9 Prozent im Vormonat auf 3,3 Prozent. Die EZB strebt mittelfristig eine Jahresteuerung von zwei Prozent an. Im August hat sich der Anstieg der Energiepreise erneut beschleunigt. Hier meldet Eurostat ein Plus von 14,3 Prozent im Jahresvergleich.
Goldpreis deutlich im Minus
Neben Aktien belasten die steigenden Anleiherenditen vor allem den Goldpreis. An der Börse in London ist der Kurs einer Feinunze (etwa 31,1 Gramm) um gut anderthalb Prozent auf 4.371 US-Dollar gefallen. Seit Beginn der Woche steht der Goldpreis mehr oder weniger stark unter Verkaufsdruck. In dieser Zeit hat sich das Edelmetall um etwa fünf Prozent verbilligt.
Der Zinsanstieg macht Bonds gegenüber Gold attraktiver. Investoren machen derzeit eher einen Bogen um Anlagen in Gold, die keine Marktzinsen abwerfen.
(mit Material von dpa-AFX)
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