Emre Cakmak

Die Aktie der Google-Mutter Alphabet hat eine viermonatige Verluststrecke hinter sich, die längste seit elf Jahren. Die Veröffentlichung eines neuen KI-Modells könnte aber nun wieder Schwung in die Aktie bringen.
Der Konzern spürte in diesem Jahr das Sommerloch besonders. Die Verunsicherung über die hohen Investitionen in den Ausbau von KI-Infrastruktur, Sorge vor KI-Konkurrenz sowie der erste negative freie Cashflow seit dem Börsengang 2004 lasteten auf der Aktie. Lange glänzte Alphabet mit starken Barmitteleinnahmen, welche die Kapitalinvestitionen stets überstiegen. Aufgrund des Ausbaus an KI-Rechenkraft drehte jedoch diese wichtige Kennzahl erstmals in den negativen Bereich.
Daher sank die Aktie in den vergangenen Monaten deutlich ab. Noch im Mai hatte die Aktie bei 408 Dollar rangiert. Seitdem ging es um über 16 Prozent bergab. Einen derart langen Abwärtstrend hatte die Aktie zuletzt 2014 durchlebt. Die Veröffentlichung von Gemini 3.8 könnte nun wieder einen positiven Impuls setzen.
Worum es bei Alphabets neuem Modell geht
Am Mittwoch enthüllte das Unternehmen sein neuestes KI-Modell. Dabei pries Google vor allem Fortschritte gegenüber Gemini 3.7 an, vor allem in den Bereichen Coding und bei mehrstufigen Aufgaben. Hier will Google zur Konkurrenz aufschließen. Mit derartigen Modellen für Geschäftskunden versuchen KI-Firmen nämlich vermehrt, den technologischen Fortschritt in konkrete Umsätze zu verwandeln.
Google setzt dabei auf ein schlankeres und besonders preisgünstiges Modell. Ein Analyst blieb aber skeptisch. "Aus einer Produktperspektive bleibt Google mit diesem Modell im Rennen, auch wenn der Konzern dadurch ein abgehängter Dritter im Markt für Unternehmens-KI bleibt", erklärte Gil Luria von der Investmentgesellschaft D.A. Davidson bei "CNBC" mit Verweis auf die Anbieter OpenAI und Anthropic.
Der Preis ist derselbe wie beim letzten Flash Modell, 75 Cent pro Million Input-Tokens, was etwa 500.000 bis 650.000 deutschen Worten entspricht. Eine Million Output-Tokens kosten wiederum 3,75 Dollar. Unter Input-Token versteht man die Zeichen, die Nutzer im Gespräch mit den Modellen für ihre Eingabebefehle nutzen, die Output-Token dagegen sind die ausformulierten Antworten der KI.
Zum Vergleich: Bei Anthropic bezahlt man je Million für Claude Fable 5.1 zehn Dollar für Input-Token und 50 Dollar für Output-Token. OpenAI verlangt für ChatGPT Sol, das leistungsstärkste Modell, vier Dollar auf eine Millionen Input-Tokens und 20 Dollar auf eine Million Output-Token.
Alphabet investiert gigantische Summen in KI
Alphabet steckt immense Summen in den KI-Ausbau. Der Kapitalmittelabfluss für Investments hat sich im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr sind um das Dreifache gestiegen. Die langfristigen Schulden des Konzerns haben sich unterdessen in den sechs Monaten bis Ende Juni auf 98 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt.
Daher muss Alphabet beweisen, dass sich die Investments in KI langfristig rentieren, um so auch das Vertrauen der Anleger wieder zurückzugewinnen. Immerhin: Neben skeptischen Stimmen wie von Investmentexperte Luria gab es zuletzt auch prominente Fürsprecher: Greg Abel, der im Januar Warren Buffett als CEO von Berkshire Hathaway beerbte, sprach Alphabet eine führende Position als KI-Anbieter aus.
Berkshire selbst stieg vor rund 15 Monaten erstmals bei dem Konzern ein und kaufte damals für zehn Milliarden Dollar Aktien direkt von Alphabet zu einem Vorzugspreis. Seitdem stockte die Investment-Holding den Anteil sukzessive auf.




