KI bei Großteil der Studenten bereits Alltag

Reuters · Uhr
Thema: KI

Berlin, 04. Sep (Reuters) - ⁠Die große Mehrheit der Studierenden in Deutschland setzt auf Künstliche Intelligenz (KI). 87 Prozent nutzen sie regelmäßig, wie die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY am Freitag zu ihrer Umfrage unter 2000 Studentinnen und Studenten mitteilte. Unter den Befragten, die KI mehermals pro Woche nutzen, sind die angehenden Wirtschaftswissenschaftler mit 93 Prozent Spitzenreiter. Hingegen ist die grundsätzliche Zustimmung, dass KI ‌im Studium erlaubt sein sollte, leicht rückläufig: Sie sank von 84 Prozent im Jahr 2024 auf nun 79 Prozent.

Zugleich gibt weniger als ein Drittel der Befragten (29 Prozent) an, die Inhalte und Antworten, die die Technologie ⁠für sie erstellt, ⁠grundsätzlich zu überprüfen. Frauen (32 Prozent) tun dies etwas häufiger als Männer (26 Prozent). Studierende, die sich selbst als "exzellent" einstufen (36 Prozent), überprüfen die KI-Informationen am häufigsten "immer". Die beiden Fachrichtungen, in denen KI am kritischsten gesehen wird – in den Kultur- (35 Prozent) sowie den Sprach- und Literaturwissenschaften (34 Prozent) – überprüfen die angehenden Akademiker am häufigsten grundsätzlich die Ergebnisse. Studierende der Wirtschaftswissenschaften (24 Prozent) und der Medizin (25 Prozent) belegen in dieser Kategorie dagegen die letzten Plätze.

"Die aktuelle Studierenden-Generation ‌hat Künstliche Intelligenz längst in ihr Leben integriert und sie nutzt diese ‌Technologie inzwischen als selbstverständliches Werkzeug", sagte EY-Experte Jan-Rainer Hinz. "Dies kann bei professionellem Einsatz ein starker Vorteil im akademischen Alltag und als Vorbereitung auf das Arbeitsleben sein." Zu denken geben sollte aber auch, dass diese Selbstverständlichkeit offenbar nicht immer und ⁠überall mit der nötigen kritischen Distanz einhergehe.

"Wer Ergebnisse – ob von einer Technologie, einer Person oder einer anderen Quelle – ungeprüft ‌übernimmt, lagert nicht nur essenzielle Aufgaben aus, sondern schleichend ⁠auch das eigene Urteilsvermögen", warnte EY-Partnerin Nicole Dietl. "Die Fähigkeit, KI-Ergebnisse zu hinterfragen, einzuordnen und zu verantworten, entscheidet künftig darüber, ob jemand die Technologie beherrscht – oder von ihr beherrscht wird."

Trotz der intensiven Nutzung ist die erwartete Relevanz für die eigene Zukunft überraschend gering: Die Mehrheit der Befragten (55 Prozent) rechnet ‌für das eigene Berufsleben mit keiner oder nur einer unbedeutenden ⁠Rolle der Technologie. Gleichzeitig blicken angehende Akademiker kritischer ⁠auf die möglichen Auswirkungen von KI für die eigene Karriere. 37 Prozent der Befragten sehen diese als Gefahr für ihren Job und ihre Karriere. Keinerlei Gefahr sieht dagegen jede und jeder fünfte Studierende (22 Prozent). Mit Blick auf den gesamten Arbeitsmarkt ist die Skepsis größer: Hier gehen 53 Prozent von einer Gefahr durch KI aus, während nur 27 Prozent glauben, dass die Technologie Arbeitsplätze schaffen wird.

"Dass viele Studierende Künstliche Intelligenz zunehmend auch als Karriererisiko wahrnehmen, ist nachvollziehbar", sagte EY-Experte Hinz. "Die Technologie verändert Berufsbilder bereits heute spürbar und übernimmt gerade jene Routinetätigkeiten, über die viele junge Menschen bislang den Einstieg in ihr Berufsleben gefunden haben." Die ⁠Sorge sei weniger das Resultat der Angst vor der Technologie als die Unsicherheit davor, wie stark sich die Spielregeln auf dem Arbeitsmarkt verändern.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Ralf Banser - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion ‌unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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