Frankfurt, 04. Sep (Reuters) - Das Rätselraten über die US-Geldpolitik in den kommenden Monaten hat die Dax-Anleger zum Wochenschluss vorsichtig gestimmt. Der deutsche Leitindex pendelte am Freitag vor der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten um seinen Vortagesschluss von 26.003 Zählern. Der EuroStoxx50 trat auf der Stelle. In Wallung gerieten die Investoren allerdings bei den Autowerten. Nach der Billigung des Sanierungsplans durch den VW-Aufsichtsrat schossen die Papiere des Wolfsburger Autobauers zeitweise um fast zehn Prozent in die Höhe. In einer Zeit großer Umbrüche auf den Automärkten sei das Konzept ein positiver Schritt zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von VW, erklärten die Analysten von JP Morgan.
Nach wochenlangem Ringen hatte sich der Aufsichtsrat von Volkswagen am Donnerstagabend einstimmig für einen Sanierungsplan ausgesprochen, mit dem der Vorstand die Rendite bis 2030 auf neun Prozent erhöhen will. Dabei fallen rund 50.000 Arbeitsplätze weg, die Zahl der Modelle wird zusammengestrichen und das Beteiligungsportfolio verschlankt. Die Papiere von BMW, Continental und Mercedes-Benz legten im Dax zwischen 1,8 und 1,2 Prozent zu. Im MDax notierten die Aktien der Porsche SE, des größten Einzelaktionärs von VW, in der Spitze 6,4 Prozent im Plus. Der europäische Autoindex kletterte um 1,4 Prozent in die Höhe.
ERHÖHT DIE FED DIE ZINSEN?
Neue Hinweise auf das weitere Vorgehen der US-Notenbank Fed erhofften sich die Investoren von dem US-Beschäftigungsreport am Nachmittag. Zuletzt hatten die Spekulationen auf bald steigende Zinsen nach Äußerungen von Fed-Gouverneur Christopher Waller wieder nachgelassen. Sollten weitere Fortschritte in Richtung des Zwei-Prozent-Inflationsziels erkennbar sein, sei er für eine weitere Zinspause, hatte Waller am Donnerstag bei einer Reuters-Veranstaltung gesagt. Jochen Stanzl von der Consorsbank warnte jedoch, ein "heißer" Arbeitsmarkt mit zu vielen neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft könnte die Zinssorgen des Marktes blitzartig zurückbringen. Der heutige Arbeitsmarktbericht werde daher vor allem zeigen, wie belastbar die jüngste Entspannung bei den Zinserwartungen tatsächlich sei.
Für August erwarteten Ökonomen einen Stellenaufbau in den USA von 56.000, nachdem im Juli unter dem Strich überraschend 23.000 Jobs weggefallen waren. Der Dollar-Index gewann nach seinen jüngsten Verlusten 0,2 Prozent auf 99,12 Punkte. Der Euro lag kaum verändert bei 1,1617 Dollar. Auch an den Anleihemärkten, die zuletzt stark unter Druck geraten waren, zeigten sich die Anleger im Abwarte-Modus.
ÖLPREISE STABILISIEREN SICH AUF HOHEM NIVEAU
Am Ölmarkt stabilisierten sich die Preise nach dem jüngsten Schlagabtausch zwischen den USA und Iran auf einem hohen Niveau. Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI notierten wenig verändert bei 95,46 beziehungsweise 91,43 Dollar je Fass. Auf Wochensicht legten die Preise für Brent fast sieben Prozent zu, die für WTI um knapp zehn Prozent. Die USA planen nach eigenen Angaben keine Gespräche mit dem Iran, solange Teheran seine Angriffe auf die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus nicht einstellt. Die jüngste militärische Eskalation in Nahost war die heftigste seit Juli in dem seit sieben Monaten andauernden Krieg. Die Analysten der Citi hoben ihre durchschnittliche Prognose für den Brent-Rohölpreis im dritten Quartal von 80 auf 86 Dollar pro Barrel an, weil die Wiedereröffnung der Straße länger dauere als zuvor erwartet.
Auf der Unternehmensseite sorgte in den USA die erneute Prognosesenkung bei Lululemon für Aufsehen. Die Aktien des kanadischen Sportbekleidungsherstellers rutschten im vorbörslichen Handel um fast 18 Prozent ab. Die Titel von Adidas und Puma fielen im Dax beziehungsweise MDax jeweils um 0,8 Prozent.
(Bericht von: Daniela Pegna, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

