Rückversicherer warnen vor zunehmenden Wetterschäden
Zürich, 07. Sep (Reuters) - Die drei großen Rückversicherer Münchener Rück, Swiss Re und Hannover Rück stellen sich auf zunehmende wetterbedingte Naturkatastrophen ein. Überschwemmungen, Dürren, Hagel, Waldbrände oder schwere Gewitter gewännen als Schadenursachen zunehmend an Bedeutung, teilte Hannover Re am Montag anlässlich des traditionellen Branchentreffens "Rendez-Vous de Septembre" in Monte Carlo mit. Sie führten langfristig zu höheren möglichen Schadenbelastungen und einer wachsenden Nachfrage nach Rückversicherungsschutz. In Monaco trifft sich die Branche traditionell im September, um die Vertragsverhandlungen zum Jahreswechsel vorzubereiten.
"Die Auswirkungen des Klimawandels werden immer unmittelbarer spürbar", erklärte die Münchener Rück. Sogenannte Non-Peak Perils – Ereignisse unterhalb der größten Naturkatastrophen wie zum Beispiel Hagelstürme - hätten lange Zeit als Ereignisse mit auch insgesamt vergleichsweise geringen Schäden gegolten. Doch mittlerweile summierten sie sich zu Schadenniveaus, die bislang vor allem mit Großereignissen wie Erdbeben oder Hurrikans assoziiert worden seien. Auch die Hitze als eher schleichendes Risiko werde zunehmend zum Schadentreiber. Hitzewellen forderten in den vergangenen Monaten zunehmend Menschenleben. Darüber hinaus beeinträchtigten die außergewöhnlich hohen Temperaturen ebenso wie Fluten maßgeblich die Infrastruktur und damit auch Lieferketten. Sie verursachten zudem erhebliche Schäden in der Landwirtschaft, im Gesundheitswesen sowie an Gebäuden und technischen Anlagen.
Waldbrände sind gemäß Swiss Re das weltweit am stärksten wachsende Wetterrisiko. In Europa hätten die versicherten Schäden aus Waldbränden in den vergangenen Jahrzehnten jährlich um schätzungsweise acht bis elf Prozent zugenommen. Das Risiko wachse weiter, weil immer mehr Menschen und Vermögenswerte in waldbrandgefährdeten Gebieten angesiedelt seien.
Insgesamt sei das Risiko von Naturkatastrophen ein wichtiger Treiber der Nachfrage nach Rückversicherungen. Die versicherten Schäden aus Naturkatastrophen nähmen weiterhin jährlich um fünf bis sieben Prozent zu. Ausschlaggebend dafür seien zunehmende Risikoexponierungen, steigende Vermögenswerte und sich verändernde Gefahrenmuster. Die Modelle von Swiss Re deuteten darauf hin, dass sich die versicherten Naturkatastrophen-Schäden in einem Extremschadenszenario im Jahr 2026 auf rund 320 Milliarden Dollar belaufen könnten.
(Bericht von Oliver Hirt, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

