Gasspeicher-Füllstände historisch niedrig - Verband warnt vor kaltem Winter
Berlin/Oslo/Düsseldorf, 08. Sep (Reuters) - Der Gasspeicher-Verband Ines warnt angesichts historisch niedriger Füllstände vor Engpässen bei der Erdgasversorgung im kommenden Winter. Die deutschen Speicher seien Anfang September nur zu rund 53 Prozent gefüllt, teilte die Initiative Energien Speichern (Ines) am Dienstag in Berlin mit. Dies sei der niedrigste Stand zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren. Vor einem Jahr habe der Füllstand rund 71 Prozent betragen.
Den Szenarien des Verbandes zufolge kann technisch bis zum 1. November noch ein Füllstand von rund 77 Prozent erreicht werden. Dafür müsste sich das Befüllungstempo jedoch erheblich erhöhen. In den verbleibenden zwei Monaten müsste mehr Gas eingespeichert werden als in den vergangenen drei Monaten zusammen. Ein Füllstand von 77 Prozent wäre laut dem Verband bei normalen Wintertemperaturen ausreichend, um die Versorgung zu gewährleisten. "Bei extrem kalten Temperaturen reicht ein Füllstand von rund 77 Prozent hingegen nicht aus", sagte Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann. Dann könne es im Januar zu Unterdeckungen kommen.
Ines ist der Interessenverband der deutschen Erdgas- und Wasserstoffspeicherbetreiber. Seine 17 Mitglieder repräsentieren nach eigenen Angaben über 90 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten und haben ein wirtschaftliches Interesse an einer hohen Auslastung der Anlagen.
VERBAND: PREISENTWICKLUNG MACHT EINSPEICHERUNG UNATTRAKTIV
Die im Vergleich zu den Vorjahren geringe Befüllung der Gasspeicher ist seit Monaten ein Thema. Als Grund für die schleppende Einspeicherung nennt der Verband die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, auf die sich der Iran-Krieg auswirkt. Nach der Sperrung der Meerenge von Hormus gestiegene Gaspreise und ein teilweise negativer sogenannter Sommer-Winter-Spread machten die Einspeicherung für Marktakteure unattraktiv. Erdgas für den kommenden Winter ist damit günstiger als solches, das jetzt gekauft und eingelagert werden müsste. Ines fordert daher ein Maßnahmenpaket, das unter anderem eine Senkung von Speicherkosten vorsieht." Die Kosten der Speicherung zehren eigentlich das sowieso relativ geringe Marktpotenzial komplett auf", sagte Heinermann.
Das Bundeswirtschaftsministerium sieht indes bislang keinen Anlass, an der Versorgungssicherheit zu zweifeln. Das Ministerium verweist auf neue Terminals für Flüssigerdgas (LNG) und Pipeline-Lieferungen aus Norwegen und lehnt staatliche Eingriffe ab. Einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge hat die Bundesregierung mit den verstaatlichten Gasriesen Uniper und Sefe über eine mögliche Unterstützung für eine Füllung der Gasspeicher gesprochen. Von den Konzernen war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Auf die Frage, ob der Bund Einfluss auf Uniper und Sefe nehme, damit mehr eingespeichert werde, gab es zunächst vom Bundeswirtschaftsministerium ebenfalls keinen Kommentar.
(Bericht von Holger Hansen, Nora Buli, Mitarbeit Tom Käckenhoff, redigiert von Christian Götz. Redigiert von Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


