Mit diesen Prämien wollen Broker dich jetzt locken
Ab dem 1. Januar sollst du mit ETFs staatlich gefördert fürs Alter vorsorgen können. Der Wettbewerb um Kunden hat bereits begonnen. Wir zeigen, womit sie dich locken.
Emre Cakmak

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Am 1. Januar soll in Deutschland Revolutionäres passieren. Im Land der Sparbuch-Liebhaber und Tagesgeld-Anleger wird es dann mit dem “Altersvorsorge-Depot” staatlich gefördertes Investieren an der Börse geben. Bis zu 540 Euro Förderung pro Person und Jahr will Vater Staat springen lassen. Wer Kinder hat, soll noch üppiger gefördert werden.
Diese Konditionen dürften viele Kundinnen und Kunden anlocken. Kein Wunder also, dass die Depotanbieter schon jetzt – knapp vier Monate vor dem offiziellen Start – intensiv um sie werben. Neobroker Trade Republic verspricht beispielsweise vergünstigte Fußballtrikots, Onlinebroker comdirect ein bisschen Bares und die ING zumindest einen kostenlosen Newsletter mit Infos rund ums Thema Vorsorgedepot.
Wir haben uns daher die wichtigsten Broker angeschaut und zeigen dir, was sie zu bieten haben.
Prämie für Frühanmelder
comdirect, der Online-Broker der Commerzbank, setzt beim Werben um Kunden auf finanzielle Anreize. Wer sich als comdirect-Kunde bis Ende des Jahres registriert und spätestens zum 31. März 2027 ein Altersvorsorge-Depot abgeschlossen hat, erhält eine sogenannte “Early-Bird-Prämie” in Höhe von 50 Euro.
Was ein solches Depot bei der comdirect am Ende kosten wird, dazu hält sie sich auf Anfrage von onvista bedeckt. Nur so viel: Beim Standard-Depot werde man den gesetzlichen Kostendeckel „deutlich unterschreiten“. Der liegt bei einem Prozent der Anlagesumme pro Jahr. Mehr darf also ein Standarddepot nicht kosten.
Scalable beginnt den Preiskampf
Der erste Anbieter, der mit einem konkreten Preis in die Offensive geht, ist Scalable Capital. Der Neobroker wirbt mit einem gebührenfreien Altersvorsorge-Depot. Zusätzlich sollen auch Käufe und Verkäufe gebührenfrei sein. Im ersten Jahr sollen dazu noch die im Depot enthaltenen ETFs nahezu kostenfrei sein. Scalable will die "Total Expense Ratio", kurz: TER, erlassen. Ab dem zweiten Jahr sollen die Kosten dann bei maximal 0,15 Prozent der Anlagesumme liegen.
Das klingt erstmal sehr großzügig. Wer es aber einmal mit echten Eurowerten nachrechnet, wird womöglich enttäuscht sein. Ein junger Mensch unter 25 Jahren erhält für die Eröffnung eines Depots 200 Euro staatliche "Frühstarter-Prämie".
Wenn er die investiert und zusätzlich jeden Monat 150 Euro (bis zu diesem Satz gibt es Förderung) in einen ETF mit sechs Prozent jährlicher Rendite einzahlt, hat er am Ende des Jahres 2.063 Euro. Durchschnittlich investiert sind aber nur 1.025 Euro. Und darauf eine Ersparnis von 0,15 Prozent sind bescheidene 1,55 Euro. Das reicht nicht mal für eine Tasse Kaffee.
Trikots für Altersvorsorge
Statt auf Geldprämien oder Sparmöglichkeiten setzt Konkurrent Trade Republic auf Sachprämien. In Zusammenarbeit mit einem Online-Händler für Fußballartikel hat das Unternehmen eine Marketingaktion ins Leben gerufen. Dabei können Mannschaften vergünstigt – für 200 Euro – ganze Trikotsätze kaufen.
Der Clou für Trade Republic: Auf den Shirts ist das Logo des Brokers und ein großer Schriftzug “Altersvorsorgedepot” zu sehen. Hier musst du dich also für eine Prämie nicht an den Anbieter binden, sondern als menschliche Litfaßsäule dienen.
Das solltest du als Verbraucher beachten
Solche Angebote dienen natürlich dazu, den Brokern Kunden zuzuführen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW) rät, keine vorschnellen Entscheidungen zu treffen. Bei versprochenen Vorteilen solltest du immer schauen, wie sehr sie sich wirklich rentieren. Es kann sein, dass sich mit der Zeit versteckte Hürden zeigen, die die Vorteile, die man zu Beginn hatte, durch höhere Kosten obsolet machen.
Ein Incentive allein dürfe niemals das entscheidende Kaufkriterium sein. Besonders bei Verträgen, die über Jahrzehnte laufen – wie eben das Altersvorsorge-Depot – und die im Zweifel schwer zu wechseln sind, sei dies besonders wichtig.
Auch Stiftung Warentest empfiehlt in Sachen Altersvorsorge-Depot, sich nicht unter Zeitdruck bringen zu lassen. Manche Werbung suggeriert zwar, es herrsche großer Zeitdruck und man können die Förderung sonst verpassen.
Das stimmt jedoch nicht. Auf Anfrage erklärt das Bundes-Finanzministerium: Wer die Zulage für ein Jahr erhalten möchte, muss bis zum 31. Dezember dieses Jahres ein Altersvorsorge-Depot eröffnet und eingezahlt haben. Es reicht also theoretisch, wenn du bis zum 31. Dezember 2027 ein Vorsorgedepot eröffnest.
Innerhalb des Jahres spielt der Zeitpunkt der Eröffnung für die Höhe der Zulage keine Rolle. Es bleibt also reichlich Zeit.
Fazit: Incentives sind ein hübscher Bonus, mehr nicht
Vor dem Start des Altersvorsorge-Depots werben die Broker schon intensiv um Kunden, um Anleger zu einer schnellen Entscheidung zu bewegen.
Doch du hast noch Zeit zu entscheiden und solltest dir die auch nehmen. Das Altersvorsorge-Depot soll für dich schließlich auch dann noch ein gutes Produkt sein, wenn heutige Fußball-Trikots längst verschlissen oder 50 Euro ausgegeben sind.
Und wenn dann am Ende die Entscheidung für einen Broker steht, kann eine mögliche Prämie doch zumindest ein schöner kleiner Bonus sein.
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