Teures Öl brockt Dax größten Tagesverlust seit Anfang Juli ein

Der weiter steigende Ölpreis hat zur Wochenmitte die Kurse im deutschen Aktienhandel stark belastet. Der Leitindex Dax fiel am Mittwoch bei hohen Umsätzen um 1,66 Prozent auf 25.576 Punkte und rutschte damit auf das Niveau von Ende Juli. Außerdem verbuchte der Dax so das größte Tagesminus seit Anfang Juli. Für den MDax der mittelgroßen Börsentitel ging es um 1,43 Prozent auf 32.078 Zähler nach unten.
Der Preis für ein Fass der Referenzsorte Brent aus der Nordsee ließ am Mittwoch die Marke von 100 US-Dollar hinter sich. Raffinierte Produkte wie Diesel legten noch stärker zu, da sich der Konflikt im Nahen Osten bis ins Rote Meer nahe Saudi-Arabien ausgeweitet hat. Die europäischen Erdgaspreise stiegen den vierten Handelstag in Folge.
Die Investoren fürchteten weitere Störungen der Ölproduktion und -transporte und preisten folglich höhere Energiepreise für längere Zeit ein, schrieb Stratege Jim Reid von der Deutschen Bank. "Die Skepsis nimmt zu, dass die Ölpreise in den kommenden Monaten deutlich zurückgehen".
Die Marktteilnehmer dürften sich aber auch mit Blick auf die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag mit Aktienkäufen zurückgehalten haben. Erwartet wird die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr. Höhere Zinsen lassen Aktien gegenüber festverzinslichen Anleihen weniger attraktiv erscheinen.
Deutsche Börse rutscht nach Anleihenemission ab
Mit Blick auf Einzelwerte war die Nachrichtenlage dünn. Die Deutsche Börse will eine Wandelanleihe über 600 Millionen Euro ausgeben. Damit sollen allgemeine Unternehmenszwecke und Verbindlichkeiten finanziert werden. Die Aktien des Börsenbetreibers verloren 2,3 Prozent. Eine Abstufung der Beiersdorf-Aktien von "Halten" auf "Verkaufen" durch die Deutsche Bank ließ diese um ebenfalls 2,3 Prozent nachgeben.
Die Papiere von SAP gewannen 0,6 Prozent. Sie waren am Vortag unter Druck geraten. Auslöser waren neu aufgekommene Sorgen an der Wall Street über die Konkurrenz von Künstlicher Intelligenz für die Software-Branche. Nicht gefragt waren hingegen Aktien der Rüstungsbranche nach der jüngsten Erholung. Die Anteilscheine von Rheinmetall, Renk, Hensoldt und OHB verloren zwischen 2,4 und 3,8 Prozent.
Gold steigt, Euro legt zum Dollar zu
Der Euro verteuerte sich zur Wochenmitte. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag bei 1,1647 US-Dollar gehandelt. Sie notierte damit etwas höher als im frühen Handel. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1652 (Dienstag: 1,1614) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8582 (0,8610) Euro.
In Europa und in den Vereinigten Staaten standen im Tagesverlauf keine wichtigen Konjunkturdaten im Kalender. Spannender dürfte es im weiteren Wochenverlauf werden. Am Donnerstag steht die EZB-Zinsentscheidung an. Angesichts des Inflationsdrucks wird am Markt überwiegend mit einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte gerechnet.
Der Goldpreis stieg unterdessen im schwächeren Börsenumfeld. Bis zum Handelsschluss in Frankfurt legte der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) um rund ein Prozent auf 4.392 US-Dollar zu. Steigende Ölpreise befeuern zwar die Inflation und damit die Tendenz zu steigenden Zinsen, was belastend für das zinslose Gold wäre. Allerdings fragen Investoren das Edelmetall gerade in turbulenteren Börsenphasen verstärkt als "sicheren Hafen" für ihr Kapital nach.
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(mit Material von dpa-AFX)


