Dax rutscht nach Zinserhöhung ab - Anleiherenditen steigen

Der Dax hat am Donnerstag erneut spürbar nachgegeben. Dabei belasteten mehrere Faktoren: So stiegen die Ölpreise nach erneuten Kampfhandlungen in der Straße von Hormus klar über 100 US-Dollar je Barrel. Zudem erhöhte die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen, während sich der Anstieg der Renditen am Bondmarkt fortsetzte. Deutsche Bundesanleihen mit Laufzeiten von zehn Jahren rentierten mit 3,5 Prozent so viel wie seit der großen Finanzkrise nicht mehr.
In diesem Gemengelage verlor der Dax 0,84 Prozent auf 25.361 Punkte. Der MDax der mittelgroßen Werte fiel um 1,50 Prozent auf 31.596,42 Punkte.
Die Europäische Zentralbank stemmt sich mit der Zinserhöhung gegen die infolge des Iran-Kriegs gestiegene Inflation. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins steigt von 2,25 auf 2,5 Prozent, wie die Notenbank nach einer auswärtigen Sitzung in Berlin mitteilte. Zudem erhöhte die EZB ihre Inflationsprognosen für die kommenden beiden Jahre.
"Die Leitzinsen müssen steigen, weil sich die Inflation als hartnäckiger erweist als erwartet", schrieb Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Vor dem Hintergrund des andauernden Konflikts am Persischen Golf blieben die Energiepreise hoch. "Die EZB ist dabei in einer undankbaren Lage, denn höhere Zinsen belasten eine ohnehin nicht gerade kräftige Konjunktur." Die Abwehr von Inflationsgefahren wiege jedoch stärker.
Anleger ziehen sich erneut aus Software-Aktien zurück
Für Kursbewegungen bei Einzelwerten sorgten Kommentare von Analysten. So fielen die Papiere des Getriebeherstellers Renk um gut ein Prozent, nachdem das Investmenthaus Exane BNP sie auf "Neutral" abgestuft hatte. Rheinmetall wiederum fielen kurzzeitig unter die Marke von 1.000 Euro, erholten sich aber wieder und beendeten den Handel mit einem kleinen Plus.
Die Papiere von Bilfinger büßten 7,5 Prozent ein. Analyst Andreas Wolf von der Berenberg Bank erklärte, dass Bilfinger sich im zweiten Halbjahr bei der Profitabilität merklich strecken müsse, um die Jahresziele noch zu erreichen.
Weiter hinten im Dax waren Adidas-Aktien mit einem Abschlag von 2,6 Prozent. Hier verschärfte sich der Abwärtstrend der vergangenen Wochen, die Papiere fielen auf das tiefste Niveau seit Mitte Mai. Nicht gefragt waren ebenso Aktien der Software-Branche. Anleger zeigten sich reserviert vor den Quartalsbilanzen der beiden IT- und Software-Riesen Oracle und Adobe nach Börsenschluss in den USA. SAP verloren 2,8 Prozent, Nemetschek 3,6 Prozent und Teamviewer 0,7 Prozent.
Gold dreht nach Zinsentscheid ins Minus
Der Kurs des Euro gab etwas nach. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag bei 1,1628 US-Dollar gehandelt. Das war etwas weniger am Morgen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1616 (Mittwoch: 1,1652) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8608 (0,8582) Euro.
Die EZB hat zum zweiten Mal in diesem Jahr die Leitzinsen angehoben. "Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben", erklärte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Der Ausblick sei "nach wie vor mit hoher Unsicherheit behaftet".
Das Edelmetall Gold kam nach dem Zinsentscheid der EZB unter Druck und drehte ins Minus. Zuletzt sank der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) um 0,7 Prozent auf 4.363 US-Dollar ab. In Euro gerechnet fiel das Minus ähnlich aus. Gold genießt zwar einen Ruf als Inflationsschutz, reagiert üblicherweise aber empfindlich auf Zinsanhebungen, weil es selbst keinen Zins abwirft.
(mit Material von dpa-AFX)


