EZB erhöht Leitzins wie erwartet - Dax moderat schwächer

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die Leitzinsen im Euroraum erhöht. Der maßgebliche Einlagenzins stieg so von 2,25 Prozent auf 2,5 Prozent.
Ökonomen und Anleger hatten fest mit diesem Schritt gerechnet. Die Erhöhung um 25 Basispunkte ist die zweite Zinsanhebung in diesem Jahr. Zuvor hatte die EZB die Zinsen zuletzt im September 2023 angehoben, und anschließend ab Juni 2024 wieder schrittweise gesenkt. Im jüngsten Tief lag der Einlagenzins bei 2,0 Prozent.
Diesen Zins erhalten Banken, die überschüssige Liquidität bei der EZB parken. Daher orientieren sich auch die Einlagenzinsen von Bankkunden weitestgehend an diesem Zinsniveau, wie auch Kredite.
Der Dax reagierte nur moderat auf die erwartete Anhebung. Zuletzt verlor der Leitindex 0,26 Prozent auf 25.509 Zähler. An den vorigen Tagen hatte der Dax bereits herbe Verluste angesichts weiter steigender Ölpreise und neuen Zinssorgen erlitten. Der Euro lag nach dem Zinsentscheid ebenfalls leicht zum Dollar im Minus.
Steigende Zinsen belasten Aktien tendenziell
Generell gelten steigende Zinsen als negativ für die Aktienmärkte. Anleihen und weitere festverzinsliche Anlagen werden dadurch relativ zu Aktien attraktiver. Außerdem verteuern steigende Zinsen die Finanzierung von Unternehmen, wenn diese Kredite benötigen oder selbst Anleihen emittieren.
Einige Branchen, wie beispielsweise Banken und Versicherer, profitieren aber mittel- bis langfristig auch von einem höheren Zinsniveau.
Am Anleihemarkt stiegen die Umlaufrenditen zuletzt ohnehin an und nahmen ein steigendes Leitzinsniveau damit vorweg. Die kletternden Bondrenditen sind auch Ausdruck einer Skepsis gegenüber den wachsenden Staatsschulden, beispielsweise in den USA. Außerdem konkurrieren Staaten zunehmend mit den Bondsemissionen von Konzernen in der KI-Rally und müssen deswegen höhere Zinsen bieten.
EZB reagiert auf höhere Teuerung
Die EZB wiederum reagiert mit den Leitzinsanhebungen auf die wieder schnellere Teuerung im Euroraum. Vorläufige Daten signalisieren eine Jahresinflationsrate im Euroraum von 3,3 Prozent im August, deutlich über dem Zielwert der EZB von rund 2,0 Prozent.
"Die EZB wird die Leitzinsen bei dieser Ratssitzung um 25 Basispunkte anheben, da sich seit der Zinspause im Juli der Inflationsausblick nicht spürbar verbessert hat", schrieben die Experten der Dekabank vor dem Zinsentscheid. "Dies dürften auch die nur geringen Veränderungen in den neuen makroökonomischen Projektionen belegen."
Experten uneins über weitere Anhebungen
Treiber der Teuerung bleiben vor allem die Preise von Energieträgern. Durch den Krieg im Iran hatte sich Brent-Öl im Jahresverlauf bis auf 126 US-Dollar je Barrel (159 Liter) verteuert. Zwischenzeitlich kamen die Preise zwar zurück, die wieder aufgeflammten Kämpfe aber haben die Kurse gerade erst wieder zurück an die 100-Dollar-Marke getrieben.
Manche Experten zweifeln genau deshalb am Vorgehen der EZB. Felix Schmidt, leitender Volkswirt bei Berenberg, schrieb hierzu: "Die Inflation wird aber weiterhin fast ausschließlich durch die gestiegenen Energiepreise getrieben, und diesen Angebotsschock kann die EZB nicht durch eine striktere Geldpolitik kurieren", schreibt er in einem Kommentar. "Die EZB läuft daher Gefahr, ohne Not die Konjunktur der Eurozone mit höheren Zinsen abzuwürgen."
Schmidt hoffe daher, dass die EZB es bei lediglich einer weiteren Leitzinsanhebung belasse. Jim Reid, Makrostratege bei der Deutschen Bank, merkte indes am Donnerstagmorgen an, dass der Markt den Zinsanhebungszyklus noch nicht am Ende sehe und bis Juni 2027 weitere Erhöhungen um 86 Basispunkte (0,86 Prozentpunkte) eingepreist habe.
Noch mehr onvista? Abonniere jetzt unseren Youtube-Kanal und verpass kein neues Börsen-Video mehr.
(mit Material von dpa-AFX)



