
Der Dax hat sich nach seinem jüngsten Kursrutsch am Freitag stabilisiert. Die mit Spannung erwarteten US-Verbraucherpreise gaben dem deutschen Leitindex keine Impulse. Als Kursstütze erwiesen sich die Ölpreise, die zuletzt einen Teil ihrer vorherigen, deutlichen Gewinne wieder abgaben.
Der deutsche Leitindex gewann 0,82 Prozent auf 25.568 Punkte. Damit blieb der Dax klar über der für den mittel- bis langfristigen Trend wichtigen 100-Tage-Durchschnittslinie. Auf Wochensicht ergab sich ein Rückgang von 1,83 Prozent. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen legte am Freitag um 0,21 Prozent auf 31.663 Punkte zu.
Stützend erwiesen sich zum Wochenausklang sinkende Ölpreise, die an den Vortagen einen Höhenflug hingelegt hatten. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im November beträgt 104,74 US-Dollar. Das waren 2,70 Prozent weniger als am Vortag. In der Nacht war der Preis noch bis auf 109,58 US-Dollar gestiegen. Zum Wochenstart hatte ein Barrel noch rund 96 Dollar gekostet.
Nach der jüngsten Zuspitzung der Lage im Nahen Osten gab es am Freitag leichte Entspannungszeichen. Der Iran und Staaten am Persischen Golf wollen an diesem Montag über die umkämpfte Straße von Hormus sprechen. Ausgerichtet wird das Treffen im Oman, wie das iranische Außenministerium bestätigte. Teilnehmen sollen nach Informationen des Nachrichtenportals "Iran Nuances" die Außenminister aus dem Iran, Irak, Oman, Kuwait, Bahrain, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Kurz nach Kriegsbeginn Ende Februar blockierte der Iran dort mit Drohungen und Angriffen auf Schiffe weitestgehend den weltweit wichtigen Seetransport von Öl, Erdgas und Dünger.
Infineon stark, SAP nach Zahlen von Wettbewerbern unverändert
In den USA fragten die Anleger wieder verstärkt KI-nahe Aktien aus dem Chipbereich nach. Davon profitierten Infineon-Anteile, die sich am Freitag um 4,6 Prozent verteuerten. Die Aktien von Dax-Schwergewicht SAP schlossen indes nach Verlusten im Handelsverlauf praktisch unverändert. Durchwachsene Branchennachrichten aus den USA belasteten die Walldorfer somit nur zeitweilig.
Der Software- und Rechenzentrenriese Oracle profitierte im vergangenen Geschäftsquartal kräftig von der Nachfrage nach KI-Infrastruktur - er konnte die Umsätze mit Cloud-Infrastruktur mehr als verdoppeln und übertraf damit die Erwartungen. Auch das bereinigte Ergebnis je Aktie überraschte positiv. Dagegen gab Branchenkollege Adobe einen vorsichtigen Umsatzausblick auf das laufende Quartal.
Ansonsten sorgten Unternehmenspersonalien für Kursverluste. Die Titel des Online-Brokers Flatexdegiro büßten angesichts einiger abrupter Veränderungen im Aufsichtsrat 7,9 Prozent ein - zeitweise markierten sie ein Tief seit Mai. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Hermann Lotter legte sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder und scheidet spätestens am 10. Oktober aus dem Gremium aus. Zum selben Zeitpunkt folgt ihm auch Martina Pfeifer. Für Börsianer wirft dies einige Fragen auf.
Beim Sportwarenhersteller Puma fiel das Kursminus mit 2,8 Prozent etwas geringer aus. Der angekündigte Weggang des Vertriebsvorstands Matthias Bäumer erschwere die "Rettungsmission" für Konzernchef Arthur Höld, zumal einem Bericht zufolge der Wunschkandidat für die Leitung des Europageschäfts doch nicht komme, hieß es aus dem Markt.
Goldpreis zieht nach schwachen Tagen wieder an
Der Euro tendierte am Freitagnachmittag zum US-Dollar seitwärts. Ein Euro war 1,160 Dollar wert. Am Nachmittag veröffentlichte US-Inflationsdaten belasteten die Gemeinschaftswährung nur kurz. Eine Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed wird in der kommenden Woche aufgrund der weiter hohen Teuerung nun mit großer Mehrheit am Markt erwartet.
Nach Verlusten im Wochenverlauf profitierte auch Gold von den fallenden Ölpreisen. Bis zum Handelsschluss in Frankfurt legte der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) um 1,15 Prozent auf 4.364 US-Dollar zu. Wie die Börsen auch litt Gold zuletzt wieder unter neuen Inflations- und Zinsängsten, angefacht durch den steigenden Ölpreis.
(mit Material von dpa-AFX)


