Zara-Mutterkonzern Inditex nimmt US-Markt stärker ins Visier

Reuters · Uhr

London, 11. Sep (Reuters) - ⁠Der spanische Modekonzern Inditex treibt seine Expansion in den USA voran. Die USA seien ein zentraler Wachstumsmarkt, sagte Konzernchef Oscar Garcia Maceiras in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters in London. "Die USA wecken aufgrund ihrer Bevölkerungszahl und ihrer Bedeutung großes Interesse." Der Konzern, zu dem unter anderem die Modeketten Zara, Bershka und Massimo ‌Dutti gehören, plant neue Filialen in Denver, Phoenix und Pittsburgh. Zudem sollen die höherpreisige Marke Massimo Dutti und das auf die Generation Z ausgerichtete Label Bershka nach einem Start in Miami ⁠nun auch in ⁠New York eingeführt werden. Dabei setze das Unternehmen auf ein selektives Wachstum und wolle sicherstellen, dass jedes Geschäft profitabel sei, sagte der Manager.

Die USA sind nach dem Heimatmarkt Spanien der zweitwichtigste Markt für Inditex. Die Expansion läuft schrittweise: Der Konzern testet die Nachfrage in den jeweiligen Städten zunächst über Online-Bestellungen, bevor er stationäre Geschäfte eröffnet. Bis Ende 2027 sind in den USA 20 Projekte geplant, ‌darunter neue Läden sowie Erweiterungen und Umbauten. Weltweit hat der ‌Konzern seine Strategie seit der Corona-Pandemie angepasst. Zwar sank die Zahl der Filialen im Vergleich zu Januar 2019 um rund 2000 oder 27 Prozent. Da Inditex jedoch auf größere Vorzeigegeschäfte in besten Lagen setzt, ging die ⁠reine Verkaufsfläche nur um sieben Prozent zurück. Renovierte Läden verzeichneten eine deutlich höhere Kaufrate, sagte Garcia Maceiras.

Mit ‌einem Börsenwert von rund 170 Milliarden Euro hat Inditex ⁠zuletzt den französischen Luxusgüterkonzern Hermes überholt. Während die Aktien von Hermes in diesem Jahr um 34 Prozent und die des Luxusriesen LVMH um 37 Prozent nachgaben, notieren die Papiere der Spanier nahe ihres im August erreichten Rekordhochs. Inditex profitiert davon, dass Kunden angesichts gestiegener ‌Preise bei Luxusmarken zunehmend auf günstigere Alternativen wie Zara ⁠oder Massimo Dutti ausweichen. "Viele Kunden kombinieren in ⁠ihren Kleiderschränken verschiedene Arten von Produkten aus unterschiedlichen Marktsegmenten", sagte der Konzernchef. "Der Kleiderschrank gehört nicht mehr einer einzigen Marke."

Auch am unteren Ende des Preisspektrums sieht sich Inditex gut aufgestellt. Mit der günstigen Marke Lefties tritt der Konzern gegen den chinesischen Online-Händler Shein an. Inditex profitiert auch von der Entscheidung der Europäischen Union, die Zollfreigrenze für Pakete aus dem Nicht-EU-Ausland im Juli abzuschaffen. Dies zwang Shein zu Preiserhöhungen. Garcia Maceiras begrüßte die neuen Regeln. Wenn das allen Anbietern gleiche Wettbewerbsbedingungen verschaffe, sei das in Ordnung. Mit einem weltweiten Marktanteil von rund zwei Prozent konzentriere sich Inditex ⁠jedoch in erster Linie auf das eigene Geschäft.

(Bericht von Helen Reid, bearbeitet von Myria MildenbergerRedigiert von Scot W. StevensonBei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)

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