
Belastet von steigenden Ölpreisen und neuen KI-Bedenken ist der deutsche Aktienmarkt zum Wochenstart teils deutlich unter Druck geraten. Der Dax war am Montag zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit Ende Juli abgesackt und schloss letztlich 0,50 Prozent im Minus bei 25.440 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen war auf ein Tief seit Mitte Mai gerutscht und verlor am Ende 1,92 Prozent auf 31.057 Zähler.
"Der Dax bleibt im Spannungsfeld eines Unsicherheitscocktails aus geopolitischen Risiken, geldpolitischen Fragezeichen und KI-Bedenken gefangen", sagte Marktanalyst Timo Emden vom Handelshaus CapTrader. "Mit jedem weiteren Ölpreisschub wächst die Sorge, dass die Inflation befeuert und die Notenbanken unter Zugzwang gesetzt werden könnten."
Die Ölpreise legten wegen der von Saudi-Arabien abgeschalteten Ölpipeline und der weiter ungeklärten Lage rund um die Straße von Hormus zu. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg erstmals seit 2023 wieder über die viel beachtete Marke von fünf Prozent.
Zu Wochenbeginn äußerten sich insbesondere prominente Vertreter der KI-Branche skeptisch zu ihrer eigenen Technologie. Nach dem Schock eigenständiger Hacking-Attacken durch Künstliche Intelligenz sei er besorgt, dass in sechs bis zwölf Monaten ein KI-Schwarm in der Lage sein könnte, das gesamte Internet zu übernehmen und potenziell Hunderte Milliarden Dollar Schaden zu verursachen, fürchtet etwa Dario Amodei, Chef des KI-Unternehmens Anthropic. Er rief die Branche dazu auf, die Entwicklung ihrer leistungsfähigsten Modelle zu verlangsamen.
KI-Profiteure sacken ab, SAP gefragt
Dies bremste deutsche Aktien mit eingepreister Fantasie bei diesem Trendthema merklich ein. So gehörten die Titel der KI-Profiteure Siemens Energy, Infineon und Hochtief mit Verlusten von bis zu 9,4 Prozent zu den schwächsten Dax-Werten. Am breiteren Markt erwischte es die Papiere von Chip-Branchenausrüstern wie Aixtron, Suss Microtec, Siltronic und Jenoptik mit Abgaben von bis zu 11 Prozent noch deutlicher.
Was die KI-Werte belastete, wurde am Montag zu einer Entlastung für Software-Werte, die in der ersten Jahreshälfte 2026 stark unter der Sorge gelitten hatten, dass KI ihre Geschäftspotenziale gefährden könnte. SAP-Anteilsscheine waren mit einem Anstieg von 5,1 Prozent der Spitzenreiter im Dax, genauso wie Nemetschek und Teamviewer in der zweiten und dritten deutschen Börsenliga.
Für die Papiere von Bayer ging es um 2,4 Prozent nach oben. Im Anlegerfokus steht dabei eine Anhörung vor einem Gericht im US-Bundesstaat Missouri mit Blick auf die finale Genehmigung eines Sammelvergleichs zu den Rechtsstreitigkeiten um den Unkrautvernichter "Roundup". Die Anhörung startet am Montag. Die Entscheidung des Gerichts wird den Angaben des Unternehmens zufolge erst zu einem späteren Zeitpunkt erwartet.
Dollar wieder stärker, Gold rutscht merklich ab
Der Euro gab merklich nach. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Nachmittag 1,1532 US-Dollar. In der Nacht hatte sie noch über 1,16 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1551 (Freitag: 1,1592) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8757 (0,8626) Euro.
Der Dollar wurde durch die verschärfte Lage im Nahen Osten und die erneut deutlich gestiegenen Rohölpreise gestützt. Die immer weiter steigenden Energiepreise erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Leitzinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed. Die Notenbank gibt an diesem Mittwoch ihre Zinsentscheidung bekannt.
Gold verbuchte ebenfalls deutliche Verluste. Der Preis rutschte um 1,33 Prozent ab, eine Feinunze kostete damit 4.275 US-Dollar. Damit bröckeln die Erholungsgewinne des Edelmetalls seit Anfang August immer weiter ab. Neben den steigenden Zinsen, tendenziell immer ein Belastungsfaktor für das zinslose Gold, dürfte zum Wochenauftakt auch der stärkere Dollar Druck auf den Kurs ausgeübt haben.
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(mit Material von dpa-AFX)


