Insider: UniCredit will Führungsspitze der Commerzbank loswerden
Frankfurt/Mailand/Berlin, 15. Sep (Reuters) - Die italienische UniCredit dringt nach der Übernahme der Frankfurter Commerzbank auf einen personellen Neuanfang. Drei Insider sagten der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag, UniCredit-Chef Andrea Orcel wolle die Ablösung von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp. Auch Aufsichtsratschef Jens Weidmann solle gehen. Orcel spreche sich auch gegen Forderungen der Bundesregierung aus, zwei Sitze im Aufsichtsrat der Commerzbank zu behalten. Die Commerzbank wies die Einmischung zurück. Damit werden nur einen Tag nach dem Treffen von Orcel mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil klare Differenzen deutlich.
Die Commerzbank teilte auf Anfrage mit, der Vorstand habe laufende Verträge, der Aufsichtsrat werde von der Hauptversammlung gewählt. Und zur Strategie herrsche völlige Einigkeit innerhalb der Commerzbank.
Klingbeil und Orcel hatten am Montag von einem konstruktiven Treffen gesprochen. Unklar ist, ob die Führungsfragen dabei diskutiert wurden. Klingbeil sagte am Dienstag in Berlin, er wolle keine Details öffentlich machen. "Ich bin kein Verhandlungspartner." Die Banken reden derzeit über Details eines Zusammenschlusses. Klingbeil sagte, er habe die Interessen des Bundes, der gut 13 Prozent an der Commerzbank hält, deutlich gemacht. Dazu gehöre, dass die Mittelstandsfinanzierung und das internationale Netzwerk der Commerzbank erhalten blieben. Die Entscheidungen der Commerzbank müssten auch künftig in Frankfurt und nicht in Mailand getroffen werden. Außerdem müssten die Interessen der Beschäftigten berücksichtigt werden. Der Bund habe den Anspruch, in den Gremien der UniCredit vertreten zu sein.
Die Bundesregierung hatte sich lange gegen ein Treffen mit Orcel gestemmt, weil sie das Vorgehen der italienischen Großbank als aggressiv und feindlich empfand. Mittlerweile kontrollieren die Mailänder aber rund 50 Prozent der Commerzbank-Anteile, so dass eine Übernahme nicht mehr aufzuhalten ist.
ORCEL WOLLTE SCHON KEINE GESPRÄCHE MIT ORLOPP UND WEIDMANN
Orlopp und Weidmann hatten sich in der Vergangenheit für die Eigenständigkeit der Commerzbank eingesetzt und Kritik am Vorgehen der UniCredit geübt. Zuletzt hatte Orlopp zu ihrer eigenen Rolle gesagt, ihr Vertrag laufe bis 2029. Eine Zusammenarbeit sei jedoch an ein Vertrauensverhältnis und eine gemeinsame Strategie mit dem Aufsichtsrat geknüpft. Sollte es hierbei zu keiner Einigung kommen, müssten Konsequenzen gezogen werden.
Orcel hatte immer wieder auf Gespräche mit der Bundesregierung, dem Land Hessen und Arbeitnehmervertretern gepocht, nicht mit Orlopp und Weidmann. Die staatliche Beteiligung an der Commerzbank ist ein Überbleibsel aus der Rettung während der globalen Finanzkrise vor fast 20 Jahren.
Die Gewerkschaften fürchten einen Kahlschlag - ähnlich wie einst beim Vorgehen der UniCredit bei der Münchner HypoVereinsbank. Deswegen will die Bundesregierung betriebsbedingte Kündigungen verhindern. Die Commerzbank soll nach dem Willen Klingbeils zudem eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleiben.
Der Chef der Eurogruppe, Griechenlands Finanzminister Kyriakos Pierrakakis, sagte Journalisten nach einem Treffen mit Klingbeil, grundsätzlich brauche es in Europa größere Banken. Die Konsolidierung müsse deswegen vorangehen. Er könne aber nichts zu konkreten Fällen sagen.
(Bericht von Tom Sims, Valentina Za und Christian Krämer. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)