
Der Dax hat zum Auftakt der neuen Woche frühe Gewinne wieder abgegeben. Erneut trübten steigende Ölpreise die Stimmung, sodass der Leitindex des deutschen Aktienmarkts 0,13 Prozent auf 25.374 Punkte verlor. Der MDax der mittelgroßen Werte büßte 0,44 Prozent auf 30.895 Zähler ein.
Noch in der Vorwoche hatte der Dax seine Verlustserie dank sinkender Ölpreise unterbrochen. Experten hatten angemerkt, dass der Konflikt im Nahen Osten sowie die Preise für Rohöl trotzdem weiter Faktoren bleiben dürften, welche die Anleger zu mehr Vorsicht motivieren. Am Montag lehnten die USA einen Vorschlag des Irans zu einem möglichen Abkommen ab, was die Ölpreise wieder hochtrieb.
"In der aktuell eher düsteren Gemengelage haben sich die Anleger in Frankfurt heute weiter an den Strohhalm der Diplomatie geklammert", kommentierte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Deren Fragilität lasse sich derzeit besonders gut an den Öl- und Goldpreisen ablesen, "die derzeit die Seismografen der Diplomatie im Nahen Osten sind".
Zeitgleich gerate das Thema KI als Marktstütze durch die Sorgen um den Hyperscaler Oracle und die Finanzierung der enormen Investitionen in KI-Rechenzentren sowie durch die Trainingspause von OpenAI ins Wanken, so der Experte weiter. Dies zwinge die Anleger dazu, "ihre bisherigen Annahmen über Wachstum und Monetarisierung im KI-Sektor neu zu kalkulieren".
Redcare und Südzucker im SDax stark
Unter den Einzelwerten rückten erneut BASF in den Blick, welche die Verluste bis Handelsschluss aber auf minus 0,3 Prozent eindämmten. Analysten beschäftigten sich mit der strategischen und finanziellen Logik einer möglichen Übernahme von Evonik. Bernstein-Analyst James Hooper etwa senkte sein Kursziel etwas und schrieb: Die reinen Zahlen erschienen attraktiv, die Anlagestory würde allerdings grundsätzlich komplexer.
Sartorius standen mit einem Plus von zwei Prozent auf den vorderen Plätzen im MDax. Hier wies Analyst Charlie Haywood von der Bank of America in einem Ausblick auf die in rund einem Monat erwarteten Quartalszahlen darauf hin, dass der Analystenkonsens den Einfluss von Zollrückerstattungen wohl nicht sauber berücksichtigt habe. Auf bereinigter Basis glaubt er an ein solides Quartal.
Renk dagegen litten mit minus 2,4 Prozent unter einem Kommentar von JPMorgan, der sich ebenfalls mit den anstehenden Quartalszahlen beschäftigte. Analyst David Perry rechnet damit, dass das operative Ergebnis des Spezialgetriebe-Herstellers für die Rüstungsindustrie im dritten Quartal "etwas enttäuschen" könnte.
Im Kleinwerte-Index SDax zogen insbesondere Redcare Pharmacy und Südzucker die Blicke auf sich. So hob die Online-Apotheke, getrieben vom Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten, ihren Umsatzausblick an. Die Aktie sprang daraufhin um 12,7 Prozent hoch.
Auch für das Papier des Zuckerherstellers war es zeitweise deutlich nach oben gegangen mit fast acht Prozent. Letztlich stand dagegen nur noch ein Plus von 2,1 Prozent zu Buche. Zwar waren die vorgelegten Quartalszahlen stark ausgefallen, doch - so sagte ein Händler - könne die nur am unteren Ende angehobene operative Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2026/27 mit dem Umsatz nicht Schritt halten. Zudem wurde moniert, dass es keine neuen Informationen zum Zucker-Segment gegeben habe. Dieses aber sei weiterhin der entscheidende Faktor für die Geschäftsjahreszahlen 2027/28, hieß es.
Gold mit deutlichem Minus
Der Kurs des Euro fiel etwas. Am Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1357 US-Dollar gehandelt und damit etwas tiefer als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1378 (Freitag: 1,1403) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8788 (0,8769) Euro.
Erneut haben gestiegene Inflationserwartungen durch höhere Ölpreise die Spekulation auf weiter steigende Zinsen in den USA verstärkt, was dem Dollar Auftrieb gab und den Euro im Gegenzug unter Druck setzte. Zu Beginn der Woche sind die Ölpreise deutlich gestiegen.
Steil ging es beim zinssensiblen Gold nach unten. Der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) verlor 3,2 Prozent auf 4.123 US-Dollar. Damit setzen sich die jüngsten Verluste beim Edelmetall fort. Gold gilt zwar als klassischer Inflationsschutz. Gerade in Phasen anziehender Teuerung und damit einhergehend steigender Zinsen leidet das zinslose Gold jedoch. Die wieder kletternden Ölpreise befeuern diese Zinsängste nun erneut.
(mit Material von dpa-AFX)



