3 wenig bekannte Aktien für eine bessere Welt

Bernd Schmid

„Make your portfolio reflect your best vision for the future“ ‒ David Gardner

3 wenig bekannte Aktien für eine bessere Welt

Beide Mitbegründer von The Motley Fool haben mein Leben maßgeblich beeinflusst, sowohl Tom als auch David Gardner. Als Investor bin ich eher der Typ Tom. Trotzdem reflektiert das oben stehende Motto perfekt meine innere Ausrichtung als Anleger, obwohl es von David kommt. Ich investiere am liebsten in Unternehmen, von deren Erfolg die Gesellschaft umso mehr profitiert, umso mehr es davon gibt.

Im Moment befinden sich drei Unternehmen in meinem Portfolio, auf die das meiner Einschätzung nach ganz besonders zutrifft. Sie sind nicht meine größten Positionen. Aber zusammen machen diese drei im Moment mehr als ein Viertel meines Portfolios aus. Entsprechend voreingenommen bin ich wahrscheinlich auch. Aber diese drei machen mir in der Tat ganz besonders viel Hoffnung auf eine nachhaltigere, lebenswertere, transparentere und ehrlichere Welt für sehr viele Menschen.

Lenzing ‒ für eine nachhaltigere Welt

Lenzing produziert holzbasierte Cellulosefasern hauptsächlich für die Verwendung in Bekleidung, Heimtextilien (wie Bettwäsche) und Hygieneprodukten. Das Unternehmen hat sich ganz besonders das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben.

Dies geht schon los bei der Beschaffung des Rohstoffs. Bei diesem achtet man besonders darauf, dass das Holz nur durch Zertifizierungen nachhaltig beschafft und anschließend in den Bioraffinerien sehr effizient verarbeitet wird. Und es endet nicht damit, dass die Fasern biologisch abbaubar sind.

Im Jahr 2016 zum Beispiel entwickelte das Unternehmen die Refibra-Faser. Diese neue Fasergeneration basiert auf den Resten aus der Produktion von Baumwollstoffen und ist laut Lenzing „die erste Cellulosefaser, die neben Holz als Rohstoff in der Zellstoffproduktion Recycling-Materialien verwendet“. Lenzing macht damit die Kreislaufwirtschaft bei Heimtextilien real.

Man findet bei Lenzing noch viele weitere Beispiele dafür, dass das Unternehmen überdurchschnittlich nachhaltig ist. Nur ein weiteres Beispiel: Man sticht auch beim Wasserverbrauch im Vergleich heraus. TENCEL aus Österreich schlägt Baumwolle aus China und den USA um fast den Faktor 22.

Clinuvel Pharmaceuticals ‒ für eine lebenswertere Welt

Clinuvel ist ein Biopharma-Unternehmen, das Medikamente für die Behandlung einer Reihe schwerer Hautkrankheiten entwickelt. Unter anderem haben mich meine australischen Kollegen auf dieses Unternehmen aufmerksam gemacht.

Das Hauptmedikament, SCENESSE, wird zur Behandlung von erythropoetischer Protoporphyrie (EPP) eingesetzt. EPP ist eine seltene, lebenslange genetische Krankheit, die durch eine schwere Lichtunverträglichkeit der Haut gekennzeichnet ist und zu unerträglichen Schmerzen, Schwellungen und Narbenbildung führt. Menschen, die mit EPP leben, müssen Sonnenlicht vermeiden und sich oft in geschlossenen Räumen aufhalten. Nach Angaben des Unternehmens sind weltweit etwa 10.000 Menschen von EPP betroffen.

SCENESSE wird auch zur Therapie von Vitiligo eingesetzt, einer häufigen Hauterkrankung, bei der die pigmentproduzierenden Zellen der Haut fehlen. Das Unternehmen schätzt, dass zwischen 0,1 und 2 % der Weltbevölkerung (7,6 bis 152 Mio. Menschen) von Vitiligo betroffen sind.

Clinuvel besitzt im Moment praktisch ein Monopol. SCENESSE ist das einzige Medikament, das zur Behandlung von EPP zugelassen ist. Das Medikament ist derzeit in der EU und seit Oktober letzten Jahres auch in den USA zugelassen.

Das Unternehmen reinvestiert seine (mittlerweile sehr hohen) Gewinne auch weiterhin in neue Medikamente und das Erforschen weiterer Anwendungsfelder seiner aktuellen Wirkstoffe. Clinuvel könnte damit noch weiteren Menschen mit anderen teilweise schlimmen und heute schwer heilbaren Krankheiten helfen.

Overstock ‒ für eine transparentere und ehrlichere Welt

Overstock ist ein ganz besonderes Unternehmen für die Finanzindustrie. Schon bei dessen Börsengang wurde das einigen klar. Denn bei diesem verteilte man seine Aktien nicht auf die traditionelle Art und Weise, sondern über eine sogenannte Holländische Auktion. Dadurch fühlten sich einige Investmentbanken offenbar auf den Schlips getreten, da sie sich selbst oder bestimmte Leute nicht bevorzugen konnten.

Dieses Auktionsmodell ist nicht weit verbreitet. Overstock war laut Patrick Byrne, Gründer des Unternehmens, das erste Unternehmen, das so an die Börse ging. Das zweite Unternehmen war laut Byrne …. Google.

Es sollten aber nicht die letzten Reibungen gewesen sein, die Byrne in der Finanzindustrie hinterließ. Ganz besonders erkannte er im „naked shorting“ (dem Leerverkauf von Aktien, ohne diese vorher geliehen zu haben) in Kombination mit dem wirklich veralteten Settlement-Prozess, bei dem der Verkäufer einer Aktie diese erst wenige Tage nach dem eigentlichen Verkauf auch liefern muss.

Auf das Thema hier näher einzugehen würde den Rahmen sprengen (ich kann aber Byrnes Blog www.deepcapture.com empfehlen). Auf jeden Fall machte sich Byrne einige sehr mächtige Feinde an der Wall Street, als er betrügerische Machenschaften einiger Mächtiger an der Wall Street aufdeckte.

Dabei blieb es allerdings nicht, denn in den letzten zehn Jahren kam eine Technologie um die Ecke, mit der man dieses Problem beseitigen könnte ‒ die Blockchain. Und Byrne stellte sich an, diese zu nutzen. Er gründete mit Overstock die Tochtergesellschaft Medici Ventures. Diese hat nichts weniger zum Ziel, als die Blockchaintechnologie zu nutzen, um die Welt zum Positiven zu verändern. Dafür gründet oder investiert Medici Ventures Start-ups, die genau das in bestimmten Bereichen machen wollen.

Die Vorzeigefirma unter den Medici-Unternehmen ist tZero, mit dessen Lösung man einen Kapitalmarkt auf der Blockchain ermöglicht, dadurch mehr Transparenz schafft und genau diese von Byrne erkannten eigentlich kriminellen Geschäfte verhindern kann.

Medici hat aber auch in andere Bereichen investiert, die am Ende das Leben von Milliarden von Menschen zum Positiven verändern könnten. Mit Medici Land Governance zum Beispiel werden Bodennutzungsrechte auf einer Blockchain verwaltet. Das ist besonders in weniger entwickelten Ländern sehr hilfreich, wo Menschen durch Korruption ihre eigenen Grundstücke verlieren können.

Werden diese Unternehmen deswegen erfolgreiche Investitionen?

Der Erfolg dieser Unternehmen ist trotz ihres meiner Meinung nach sehr positiven Einflusses auf die Welt nicht garantiert. Besonders Overstock hat sehr zu kämpfen. Das Sichanlegen mit mächtigen Personen bleibt eben nicht ohne Konsequenzen.

Lenzing zum Beispiel ist abhängig von Rohstoffpreisen und hat zumindest bei den sogenannten Standardfasern (die noch immer rund die Hälfte des Umsatzes ausmachen) große Konkurrenz zum Beispiel aus China. Und Clinuvels Medikament gegen EPP ist eigentlich so etwas wie ein Implantat, das man sich einsetzen lassen muss. Sollte einmal eine Pille zum Einnehmen gegen EPP auf den Markt kommen (ein solches Medikament scheint bereits in einer klinischen Studie zu sein), braucht Clinuvel noch andere erfolgreiche Anwendungsmöglichkeiten für seine Wirkstoffe.

Aber es gibt eben keine risikolose Investition, erst recht nicht an der Börse. Ich persönlich fühle mich mit solchen Unternehmen in meinem Portfolio trotzdem besonders wohl. Denn der Erfolg dieser Unternehmen wäre eine positive Sache für die Welt, weswegen es außer uns Aktionären noch andere Menschen geben dürfte, die ihn sich wünschen. Das dürfte im Wettbewerb mit anderen Unternehmen kein Nachteil sein.

Offenlegung: Bernd besitzt Aktien von Clinuvel, Lenzing und Overstock. The Motley Fool empfiehlt Aktien von Lenzing.

Foto: solarseven / Shutterstock.com

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Expertenprofil
Bernd Schmid Bernd Schmid

Herr Schmid ist Chefanalyst von The Motley Fool Deutschland und leitet den Newsletter Stock Advisor Deutschland mit dem Ziel, langfristig orientierten Anlegern zu helfen überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften und bessere Anleger zu werden.

Bevor er im Jahr 2014 beim Deutschlandstart Teil des Teams von The Motley Fool wurde, begann er damit, als selbständiger Berater mittelständische Unternehmen rund um das Thema Finanzen, mit dem Fokus auf die Bilanzanalyse und Bilanzplanung, zu beraten. Vorher war Herr Schmid anderthalb Jahre als Manager für den innovativen Zahlungsdienstleister SumUp und für zweieinhalb Jahre bei der Detecon als Technologie- und Strategieberater für Telekommunikationsunternehmen weltweit tätig.

Herr Schmid ist CFA Charterholder, besitzt einen Master of Business Administration und einen Master of Science im Bereich Elektrotechnik von der Technischen Universität Hamburg-Harburg und ein Diplom (FH) von der Hochschule Ravensburg Weingarten. Während seiner akademischen Zeit forschte Herr Schmid in den Bereichen Robotik und Nanophotonik.

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