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Airbus-Aktie im Höhenflug. 2 Gründe, warum ein Absturz nun wahrscheinlich ist

Fool.de

Kann die Rallye der Aktie von Airbus noch lange so weitergehen? Ich denke nicht. Vielmehr sollten sich Aktionäre anschnallen und die Notausgänge im Blick behalten. Denn nun ist eine rosige Zukunft eingepreist, die so wahrscheinlich nicht eintreten wird.

Airbus-Aktie im Höhenflug. 2 Gründe, warum ein Absturz nun wahrscheinlich ist

So teuer ist Airbus jetzt

Airbus und die Vorgängergesellschaft EADS galten lange als Problemkinder. Immer wieder traten Störungen im weitläufigen Produktionsnetzwerk auf oder die Kosten bei der Entwicklung einzelner Modelle liefen aus dem Ruder. Bei Prestigeobjekten wie dem gigantischen A380 blieben zudem die Verkaufszahlen weit hinter den Erwartungen zurück.

Seit etwa zehn Jahren ist aber scheinbar alles anders. Der Aktienkurs hat sich seither mehr als verzehnfacht und die Marktkapitalisierung erreicht heute (19.07.) beeindruckende 102 Mrd. Euro. Damit ist Airbus der wertvollste Industriekonzern Europas.

Gerechtfertigt wird diese enorme Bewertung durch das gut gefüllte Auftragsbuch und den erwarteten Gewinn in Höhe von bis zu 5 Mrd. Euro für das laufende Geschäftsjahr. Mittelfristig werden sogar noch deutlich höhere Werte angenommen. Aber kann man den aktuellen Trend wirklich auf diese Weise in die Zukunft fortschreiben?

Airbus hat Sonderkonjunktur

Klar, im Moment läuft es ausgezeichnet: Die USA verscherzen es sich mit immer mehr Handelspartnern, Erzrivale Boeing hat mit der 737 Max einen großen Rückschlag erlitten und bei Airbus sind praktisch alle Kapazitäten auf absehbare Zeit ausgebucht. Unter diesen Umständen kann das deutsch-französische Duo sicherlich auch vergleichsweise gute Preise durchsetzen. Steigende Umsätze und erhöhte Margen führen folglich zu stattlichen Gewinnen.

Das aktuelle Produktprogramm trifft zudem den Geschmack der Airline-Verantwortlichen. Der Langstreckenjet A321XLR, der mit Platz für lediglich 220 Passagiere geradezu ein Gegenstück zum A380-Monstrum darstellt, ist beispielsweise auf dem besten Weg, sich zu einem Verkaufsschlager zu entwickeln.

Der Rubel rollt bei Airbus. Die früher recht regelmäßigen Negativmeldungen sind seltener geworden, wenn man mal von den Problemen der Regierungsflieger sowie den Verzögerungen und Kostensteigerungen beim militärischen A400M-Programm absieht.

Aber alles, was heute so rosig aussieht, kann sich jederzeit von einem Tag auf den anderen Tag drehen. Vor wenigen Tagen bekam Airbus beispielsweise von der europäischen Aufsichtsbehörde mitgeteilt, dass die beliebten A321neo-Flugzeuge unter bestimmten Bedingungen ein ähnliches Fehlverhalten wie die abgestürzten Boeing 737 Max aufweisen könnten. Als ersten Schritt müssen kurzfristig die Flughandbücher angepasst und das Bordpersonal aller Kunden entsprechend geschult werden.

In diesem Fall bleibt es wohl bei einer leicht korrigierbaren Sache, aber schon die nächste Störung könnte für Airbus einschneidende Folgen haben. Das Flugzeuggeschäft ist tückisch.

Zu bedenken ist auch, dass Boeing sich schon bald erholen und dann wieder mit voller Macht angreifen wird. Lukrative Aufträge zu ergattern wird dann wieder schwieriger. Zudem motiviert der Handelskrieg die Chinesen, ihre Flugzeugprogramme beschleunigt voranzutreiben. Der Mittelstreckenjet C919 könnte schon nächstes Jahr in die Serienproduktion übergehen und Preisdruck auf die etablierte Konkurrenz ausüben. Ein großes Langstreckenmodell ist für 2030 geplant, wobei ich mir gut vorstellen könnte, dass der Termin vorgezogen wird.

Insgesamt spricht also einiges dagegen, dass die Erfolgssträhne dauerhaft anhält.

Zweifel am langfristigen Marktwachstum

Der Kampf um Marktanteile ist die eine Sache. Eine andere ist, wie sich die langfristige Nachfrage entwickeln wird. Airbus prognostiziert in ihrem Marktreport, dass die weltweite Passagierflotte von 21.450 Anfang 2018 auf 47.990 Maschinen 2037 anwachsen werde. Einschließlich der ersetzten Altflugzeuge würden bis dahin 37.390 neue Maschinen ausgeliefert.

Möglicherweise ist das zu optimistisch. Die historische Erfahrung zeigt zwar, dass sich die Flugnachfrage etwa alle 15 Jahre verdoppelt. Ob das aber wirklich auch in Zukunft erreichbar ist? Immerhin steht das Fliegen aktuell im Mittelpunkt der weltweiten Klimadebatte. Wer nur zum Spaß eine Fernreise unternimmt, muss sich immer häufiger kritische Bemerkungen anhören. Regierungen und Gesetzgeber diskutieren intensiv, wie man das Fliegen am geschicktesten verteuern und damit unattraktiver machen könnte.

Daneben dürfte eine Folge des Handelskriegs sein, dass globale Wertschöpfungsketten neu organisiert werden, woraus kürzere Entfernungen mit weniger Flugbedarf resultieren könnten. Auch immer bessere Technik für Videokonferenzen, wie sie etwa Zoom anbietet, könnte dazu beitragen, den Geschäftsverkehr zu reduzieren.

Zudem würde ich die Tatsache, dass auch die indirekte Konkurrenz aus dem Bereich des Schienenverkehrs volle Auftragsbücher hat, nicht vernachlässigen wollen. Beim führenden Hersteller von Hochgeschwindigkeitszügen Alstom sind es zum 30. Juni stolze 40 Mrd. Euro. Je besser das Angebot der Bahnbetreiber ist, desto häufiger wird das Ticket dort gekauft statt bei einer Airline.

Sicherlich gibt es auch gute Argumente dafür, weiterhin mit einem stabilen Marktwachstum zu rechnen, aber ich halte es für wahrscheinlich, dass die hier genannten Effekte sich aufsummieren und letztlich zu einer geringeren Flugzeugnachfrage als prognostiziert führen werden.

Diese Turboaktie hat nicht mehr viel Kerosin

Auf kurze Sicht sieht fast alles klasse aus bei Airbus. Je weiter wir jedoch in die Zukunft blicken, desto mehr Faktoren lassen sich erkennen, die einer stürmischen Expansion entgegenstehen. Es müsste schon nahezu perfekt laufen, wenn auf diesem hohen Kursniveau weiterhin akzeptable Renditen verdient werden sollen. Ich denke jedoch, dass sich die Lage auf die eine oder andere Weise normalisieren wird - und damit auch der Aktienkurs von Airbus.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Zoom Video Communications.

Motley Fool Deutschland 2019

Bild: Ralf Anders

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