Airbus und MTU quälen sich aus der Corona-Krise

Reuters

- von Alexander Hübner und Christina Amann

München (Reuters) - Die Flugzeugindustrie kommt nur langsam aus der Corona-Krise.

Der Branchenriese Airbus macht sich nach dem Absatzeinbruch um mehr als ein Drittel 2020 auf stagnierende Auslieferungen gefasst, weil Fluggesellschaften weltweit voraussichtlich noch Jahre mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen haben. "Wir wollten ein bisschen Visibilität geben", auch wenn sich die Aussichten kurzfristig wieder eher eingetrübt hätten, begründete Airbus-Chef Guillaume Faury am Donnerstag die vorsichtige Prognose. Der Münchner Triebwerks-Lieferant MTU Aero Engines rechnet nur im besten Fall damit, dass er beim Umsatz an das Niveau des Jahres 2019 anknüpfen kann - allerdings bei deutlich geringeren Renditen. MTU-Chef Reiner Winkler sprach von 2021 als einem "Übergangsjahr" und einer "leichten Aufwärtsbewegung".

Börsianern geht die Erholung zu langsam: Die Airbus-Aktien fielen in Paris um 3,7 Prozent auf 90,46 Euro, MTU gaben sogar um 4,6 Prozent auf 189,10 Euro nach. Jefferies-Analyst Sandy Morris ist skeptisch: Die Frage sei, ob die Fluggesellschaften die Löcher in der Bilanz so schnell flicken könnten, dass die Flugzeugbauer wieder eine stärkere Nachfrage erlebten. Airbus hat sein Auftragsbuch um fast 100 Milliarden Euro oder 20 Prozent abgewertet, auch weil Finanzchef Dominik Asam daran zweifelt, ob alle Orders Bestand haben werden. 100 fabrikneue Maschinen stehen bei Airbus noch herum, weil sie keine Abnehmer finden. Vorstandschef Faury räumte ein, dass die erst im Januar revidierten Produktionspläne über den "mindestens" 566 Maschinen liegen, die Airbus in diesem Jahr ausliefern will.

Dabei haben Airbus und MTU das Corona-Jahr 2020 finanziell glimpflich überstanden. Beim weltgrößten Flugzeugbauer Airbus, der den US-Erzrivalen Boeing wegen dessen Problemen mit dem Verkaufsschlager 737MAX klar abgehängt hat, standen dank der stabilen Ergebnisse im Rüstungs- und im Hubschrauber-Geschäft operativ schwarze Zahlen zu Buche. "Die 2020er Zahlen zeigen die Widerstandsfähigkeit von Airbus in der herausforderndsten Krise, die die Luft- und Raumfahrt je getroffen hat", sagte Faury.

Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit), an dem der französisch-deutsche Konzern seinen Erfolg misst, brach aber um drei Viertel auf 1,71 (2019: 6,95) Milliarden Euro ein. Darin sind Corona-bedingte Sonderbelastungen von 1,1 Milliarden Euro enthalten. Airbus hatte im Frühjahr seine international verflochtene Produktion nur mit großer Mühe aufrechterhalten. Für 2021 sagt Faury ein bereinigtes Ebit von zwei Milliarden Euro voraus. Der Umsatz schrumpfte 2020 um 29 Prozent auf 49,9 Milliarden Euro.

MTU WILL WIEDER DIVIDENDE ZAHLEN

Bei MTU lag der Umsatz mit 3,98 Milliarden Euro 14 Prozent unter Vorjahr und knapp unter dem selbst gesteckten Ziel von 4,0 bis 4,2 Milliarden. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) brach wie erwartet um 45 Prozent auf 416 Millionen Euro ein. Während das Geschäft mit neuen Airbus- und Boeing-Triebwerken um ein Drittel schrumpfte, ging es in der Instandhaltung - sie steuert fast zwei Drittel zum Umsatz bei - nur leicht bergab. Sie ist auch der Hoffnungsträger für 2021, wenn der Umsatz auf 4,2 bis 4,6 Milliarden Euro steigen soll. Dabei dürfte die Rendite mit 9,5 bis 10,5 Prozent aber noch weit unter den 16,4 Prozent von 2019 liegen.

Unter dem Strich sprang bei MTU 2020 ein Gewinn von 147 (2019: 488) Millionen Euro heraus. Finanzchef Peter Kameritsch will deshalb eine Dividende von 1,25 Euro ausschütten. Im vergangenen Jahr war sie gestrichen worden - ebenso wie bei Airbus, wo Finanzchef Asam auch für 2020 darauf verzichten will. Der Flugzeugbauer schrieb netto mit 1,13 (2019: minus 1,36) Milliarden Euro erneut rote Zahlen.

Dafür verantwortlich sind das beschlossene Aus für das Großraumflugzeug A380, aber vor allem Rückstellungen für den geplanten Abbau von 15.000 Stellen im Flugzeug- und von 2500 Arbeitsplätzen im Rüstungs- und Raumfahrtgeschäft. Zwei Drittel der betroffenen Mitarbeiter müssten tatsächlich gehen, sagte Faury. Der Rest lasse sich über langfristige Kurzarbeit und Vorruhestands-Regelungen bewerkstelligen. 2020 schrumpfte die Mitarbeiterzahl um mehr als 3500 auf gut 131.000.

Bei MTU fallen 1000 bis 1200 Stellen weg. Gut drei Viertel davon seien schon fest vereinbart, sagte Winkler. Ende 2020 beschäftigte MTU noch 10.300 Mitarbeiter.

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