Aktien Europa: Börsen virusbedingt wieder im Rückwärtsgang

dpa-AFX

PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Wegen der nicht abebbenden Viruskrise haben die europäischen Aktienmärkte am Donnerstag ihre jüngste Erholungsbewegung wieder unterbrochen. Der EuroStoxx 50 gab nach zuletzt drei Gewinntagen zur Mittagszeit um 1,6 Prozent auf 3365,77 Punkte nach. Dabei hatte es anfangs mit einem positiven Start noch so ausgesehen, als könne der Leitindex der Eurozone seine Erholung fortsetzen.

In Paris verlor der Cac 40 1,6 Prozent auf 5380,10 Zähler. In London sank der FTSE 100 um 1,7 Prozent auf 6700,17 Punkte. Auch in Italien ging es für den FTSE MIB um 1,5 Prozent bergab. Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus sollen dort nun bis zum 15. März alle Schulen und Hochschulen geschlossen bleiben. In der Schweiz ist erstmals eine infizierte Patientin gestorben.

Anleger werteten all dies als neues Indiz dafür, dass der Ausbruch des Virus in Europa noch nicht unter Kontrolle ist. "Solange die medizinische Eindämmung ausbleibt und ein Gegenmittel noch nicht gefunden ist, bleibt der Markt tendenziell eher verunsichert", schrieben am Morgen die Experten des Bankhauses Metzler. Auch in den USA deutet es sich am Donnerstag an, dass die Börsen nach ihren starken Vortagsgewinnen wieder zurückrudern werden.

Zuletzt notierten denn auch alle Sektorindizes im marktbreiten Stoxx Europe 600 Index im Minus. Noch am stabilsten ging es in defensiven Sektoren wie etwa Konsum- und Haushaltsgüter sowie Gesundheit zu, deren Teilindizes mit Abschlägen nahe 0,8 Prozent die kleinsten Verluste erlitten.

Schwerer setzte die Abwärtsbewegung vor allem den Minenwerten zu, deren Branchenindex 3,5 verlor. In London versammelten sich denn auch die dort stark vertretenen Rohstoffwerte unter den größten Verlierern. Für Rio Tinto und BHP Billiton ging es aber nur optisch besonders kräftig bergab. Beide Unternehmen schütteten am Donnerstag ihre Dividenden aus.

Auch der Autosektor fiel europaweit negativ auf mit einem 2,8-prozentigen Abschlag beim Branchenindex. Hier erschreckte der Zulieferkonzern Continental mit der Warnung vor einem schwachen Jahr die Anleger. Allgemein wurden Zulieferer in Mitleidenschaft gezogen, wie ein Kursrutsch von 4 Prozent bei Valeo zeigte.

Trübe zu ging es außerdem bei Finanzwerten, allen voran spanische und französische Banken. Banco Santander waren im EuroStoxx mit minus 4,1 Prozent das Schlusslicht, gefolgt von BBVA und Societe Generale mit Abschlägen von ebenfalls mehr als 3 Prozent. Anleger sorgten sich hier am Donnerstag verstärkt vor potenziellen Kreditausfällen wegen des Virus.

In London sorgten noch einige Unternehmen mit Geschäftszahlen für Gesprächsstoff. Papiere des Medienkonzerns ITV sackten als zweitgrößter FTSE-Verlierer wegen düsterer Werbeerlöse um 10 Prozent ab, während sich die Papiere von Aviva mit 0,1 Prozent über Wasser hielten und so zu den wenigen Gewinnern zählten. Die Versicherungsgesellschaft übertraf 2019 die Erwartungen./tih/stk

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