Aktien Frankfurt: Anleger gehen vor US-Jobdaten auf Nummer sicher

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Vor den mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktdaten bleiben die Anleger am Freitag in der Defensive. Der Dax schwankte erst um die Gewinnschwelle, knüpfte dann aber an seine Vortagsverluste an. Gegen Mittag verlor er 0,37 Prozent auf 12 544,49 Punkte. Der Leitindex blieb damit in seiner Kursspanne der vergangenen Tage. Nach einem Auf und Ab um die 12 600 Punkte steuert er dank des starken Montags auf ein Wochenplus von fast zwei Prozent zu.

Zu Belastung im Dax wurden vor allem die als zyklisch angesehen Industriebranchen wie etwa der Autosektor. Der breiter gefasste Mittelwerte-Index MDax schlug sich derweil etwas besser, indem er es mit 26 813,84 Punkten knapp mit 0,04 Prozent ins Plus schaffte. Der EuroStoxx dagegen verlor ähnlich wie der Dax um 0,4 Prozent nach.

"Die Investoren sind sich derzeit nicht einig, ob eine bereits begonnene Stabilisierung der globalen Konjunktur nach dem Corona-Schock dem erneut aufkeimenden Handelsstreit zwischen China und den USA die Stirn bieten kann", sagte Marktbeobachter Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. US-Präsident Donald Trump hat neuerdings die chinesischen Apps Tiktok und WeChat im Visier, in denen er eine "Bedrohung" der nationalen Sicherheit sieht.

Neben dem Dauerthema Corona-Infektionen blicken die Anleger gespannt in die USA, wo am Nachmittag der offizielle Arbeitsmarktbericht für Juli ansteht. In Corona-Zeiten wird diesem ganz besondere Beachtung geschenkt. Der Bericht des privaten Dienstleisters ADP verschaffte ihm am Mittwoch aber keine gute Grundlage. Laut der Societe Generale ist der Markt eher positioniert für eine Enttäuschung.

Im Blick bleibt auch die Hängepartie in Washington beim Schnüren eines weiteren Hilfspakets. Die Verhandlungen um ein weiteres Corona-Konjunkturpaket sind erneut ins Stocken geraten. US-Präsident Trump erneuerte seine Drohung, Teile des angestrebten Konjunkturpakets einfach über Verfügungen durchzusetzen, falls es im Kongress keine Einigung geben sollte.

Vor diesen Hintergründen setzten die Anleger im Dax eher auf Unternehmen, denen ein defensiver Charakter beigemessen wird. Die wenigen Gewinner kamen mit Deutsche Wohnen, Vonovia und RWE zum Beispiel aus dem Immobilien- und Versorgersektor. Die Papiere der Deutschen Börse legten etwa ein Prozent zu.

Der größte Lichtblick im Dax waren aber die Aktien der Deutschen Telekom , die um 2,5Prozent nach oben getrieben wurden von den Zahlen der US-Tochter T-Mobile US , die am Markt sehr positiv aufgenommen wurden. Die Aktien des US-Ablegers waren in New York nachbörslich auch angezogen.

Ansonsten waren die Kursbewegungen viel Stückwerk. Mit 1,2 Prozent mischten sich noch die Aktien von Siemens unter die Dax-Gewinner. Hier sieht die Commerzbank mit einem neuen Ziel von 148 Euro nun soviel Kurspotenzial wie kaum ein anderes Analysehaus. Experte Ingo-Martin Schachel beurteilte den jüngsten Quartalsbericht in seiner Studie als herausragend.

Insgesamt unter Druck blieb die Autobranche nach gutem Lauf zu Beginn der Woche. Vor allem Zulieferer gingen am Freitag auf Talfahrt: Continental waren im Dax mit 3,7 Prozent Minus unter den größten Verlierern. Im SDax versammelten sich Norma Group , Schaeffler und Leoni mit Abschlägen von bis zu 5,7 Prozent ganz hinten.

Die Berichtssaison der Unternehmen, die dem Markt tags zuvor nicht positiv ihren Stempel aufdrücken konnte, klang zu Wochenschluss vorerst ab. Aus der Dax-Familie legten nur noch die SDax-Mitglieder SNP und Dr. Hönle frische Resultate vor. Verluste von 2,6 Prozent bei SNP wurden mit Gewinnmitnahmen begründet. Die Hönle-Aktien dagegen rückten um 0,6 Prozent vor./tih/fba


Von Timo Hausdorf, dpa-AFX

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