Aktien Frankfurt: Anleger setzen am Tag der US-Machtübergabe auf Biden

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Am Tag des Machtwechsels in den Vereinigten Staaten setzen die Anleger auf die politischen und wirtschaftlichen Versprechen von Joe Biden. Der Dax stieg am Nachmittag um 0,67 Prozent auf 13 907,14 Punkte. Der MDax folgte ihm um 0,90 Prozent auf 31 573,46 Zähler nach oben, bei ihm reichte es im Tagesverlauf wie beim SDax für einen neuen Rekord. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx gewann 0,56 Prozent.

Auch an den US-Börsen wird am Mittwoch mit einem freundlichen Auftakt gerechnet, bevor Biden nach dem europäischen Handelsschluss als 46. Präsident der USA vereidigt werden soll. Nach dem Sturm auf das Kapitol vor zwei Wochen steht der Akt unter starken Sicherheitsvorkehrungen. Laut Analyst Jeffrey Halley vom Broker Oanda konzentriert sich der Markt auf seine angekündigten billionenschweren Konjunkturhilfen zur Bekämpfung der Pandemie.

"Jetzt muss Biden beweisen, dass die Vorschusslorbeeren, mit denen die Finanzmärkte ihn bedacht haben, auch gerechtfertigt sind", erklärte Esther Reichelt von der Commerzbank. Im Kampf gegen die Pandemie sollte er also schnelle Ergebnisse liefern, um die Anleger bei Laune zu halten. Wie Reichelt ergänzt, lassen sich große Teile seines Pakets aber nur in Zusammenarbeit mit den Republikanern umsetzen.

Die am Vortag beschlossene Verlängerung des Lockdowns in Deutschland war am Markt bereits erwartet worden. Ökonomisch gesehen sei das schlimmste noch einmal vermieden worden, kommentierten die Experten der LBBW. "Die beschlossenen Maßnahmen greifen stärker in das Wirtschaftsgeschehen ein, aber die Träger der konjunkturellen Erholung - insbesondere die Industrie - bleiben weitgehend verschont."

Auf Unternehmensseite wurde BASF mit starken Eckdaten zu einer Stütze für den gesamten Chemiesektor. Die Ludwigshafener haben im Schlussquartal besser abgeschnitten als erwartet, Jefferies-Analyst Laurence Alexander sieht darin einen Vorgeschmack der zyklischen Erholung. Die BASF-Anteile legten 1,7 Prozent zu, Covestro wurden mit plus 3,4 Prozent sogar zum größten Dax-Gewinner.

Ansonsten gab es Gesprächsstoff in der Chip- und Autobranche. Eine optimistische Wachstumsprognose des Branchenausrüsters ASML trieb die Aktien von Infineon um 2,9 Prozent nach oben. Auch die Aktien von Aixtron und Dialog Semiconductor wurden davon gestützt.

Im Autosektor halfen laut Marktbeobachter Andreas Lipkow von der Comdirect positive Äußerungen des VW -Managements zum chinesischen Absatzmarkt. Der VW-Anstieg um 2,6 Prozent wurde aber noch getoppt von Daimler mit einem 3,2-prozentigen Plus. Zum zusätzlichen Treiber für die Stuttgarter wurde eine Kaufempfehlung durch die britische Großbank HSBC.

Im MDax gehörten die gut vier Prozent höheren Aktien von Hugo Boss trotz des verlängerten Lockdowns zu den besten Werten. Eine Anteilserhöhung auf mehr als 15 Prozent durch die britische Fraser Group sorgte hier bei Anlegern für Fantasie.

Ein Minus von 3,2 Prozent mussten im SDax die Aktionäre von Borussia Dortmund einstecken. Wegen einer Niederlage im Top-Duell mit Bayer Leverkusen wackelt der Platz für eine Qualifikation zur lukrativen Champions League. Außerdem gibt der verlängerte Lockdown weiter keine Perspektive für eine Rückkehr der Zuschauer in die Stadien.

Dagegen ritten die Anleger der Global Fashion Group weiter auf ihrer Rekordwelle, die Aktien des Online-Händlers zogen im SDax um 6,7 Prozent an. In der Spitze wurden sie knapp über 13 Euro gehandelt. Neue Kursfantasie brachte hier eine optimistische Erstbewertung durch Goldman Sachs. Analyst Richard Edwards sieht noch Luft nach oben bis 16 Euro.

Der Euro ist nach anfänglichen Gewinnen ins Minus gedreht, zuletzt wurden 1,2105 US-Dollar gezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,2132 Dollar festgesetzt.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,54 Prozent am Vortag auf minus 0,55 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,03 Prozent auf 146,06 Punkte. Der Bund-Future gab zuletzt um 0,05 Prozent auf 177,31 Punkte nach./tih/mis


Von Timo Hausdorf, dpa-AFX

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