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Aktiv schlägt passiv

Stefan Riße

In den 90er Jahren veranstaltete das Wall Street Journal einen lustigen Wettbewerb. Es ließ einen Schimpansen Dartpfeile auf den Kurszettel werfen. Die Werte, die getroffen wurden, bildeten das Portfolio des Affen. Es ist zu erahnen, wie es ausging. Der Schimpanse schlug nicht nur den Markt, sondern auch das Gros der Fondsmanager. Immer wieder zeigte sich Jahr für Jahr, dass es statistisch besser war, einfach in einen Aktienindex anzulegen, als den Versuch zu unternehmen, die Unternehmen zu finden, die den Markt outperformen werden. Natürlich gab es auch immer wieder aktive Investoren, die es schafften, besser abzuschneiden als der Markt. Der bekannteste unter Ihnen ist Warren Buffett, Vorbild für viele andere Investoren auf der Welt. Auch Fondsmanager gelang dies und gelingt dies immer wieder. Doch sie sind in der Minderheit. Und da es für den unbedarften Anleger nicht möglich ist, zu wissen, welcher Fondsmanager in Zukunft besser abschneiden wird als der Markt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er eher einen unter- als einen überdurchschnittlichen Geldverwalter erwischt.

Massentrend Exchange Traded Fund (ETF)

Je stärker sich die Erkenntnis durchsetzte, dass es schlauer ist, einfach die Aktien eines Index zu erwerben, desto größer wurde das Angebot an Produkten, mit denen dies für Anleger sehr leicht möglich ist. Es entstanden die sogenannten ETFs, was für Exchange Traded Fund steht. Also ein an der Börse gehandelter Investmentfonds, der einfach den Index abbildet. Unterschieden wird seitdem zwischen aktivem und passivem Investieren. Wobei hier nicht nur zwei Investmentansätze, sondern mittlerweile wahre Philosophien aufeinandertreffen. Teilweise hat der Streit schon etwas Religiöses. Da sich beim passiven Ansatz kein Fondsmanager Gedanken über das Portfolio und die richtigen Werte machen und aufwendige Analysen anstellen muss, sind die Produkte günstiger in der Gebührenstruktur. Das gibt ihnen schon einen gewissen Startvorteil, den der aktive Fondsmanager zunächst aufholen muss. Alles in allem lässt sich sagen, dass die passiven Produkte  in den vergangen zehn Jahren massiv an Popularität und das Rennen gegen die aktive Produkte nicht nur in der Performance, sondern auch in der Anlegergunst – gemessen an den  Mittelzuflüssen – gewonnen haben.

Wettbewerb ist verzerrt

Über fünf Billionen US-Dollar werden mittlerweile in ETFs verwaltet. Eine gigantische Summe. Dass die passiven Ansätze die aktiven schlagen, liegt allerdings auch daran, dass viele Aktienfonds, die an sich aktiv gemanagt sind, doch versuchen, ziemlich genau den Index nachzubilden. Diese Fondsmanager haben den Kampf aufgegeben und wollen nicht durch einen echten aktiven Ansatz Gefahr laufen, deutlich schlechter abzuschneiden als der Markt. Durch die Tatsache, dass ihre Produkte teurer sind, schaufeln sie sich hier langfristig aber das eigene Grab. Kurzfristig ist es aber natürlich weniger gefährlich, eine Underperformance von einem Prozent zu erzielen, als durch die falsche Aktienauswahl zehn Prozent unter dem Vergleichsindex zu liegen. In diesem Fall ziehen die Anleger das Geld schnell ab. Würde man nur die wirklich aktiven Manager mit den passiven Ansätzen vergleichen, sähe das Bild schon besser aus, es ist nur ganz schwer, hier eine echte Trennlinie zu ziehen.

Die Masse liegt an der Börse immer falsch

Eines hat die Erfahrung gezeigt. Das, worauf die Masse an der Börse setzt, ist meistens nicht die beste Anlage. Mittlerweile dominiert der passive Ansatz den aktiven in der Anlegergunst. Und so wundert es nicht, dass in diesem Jahr plötzlich die aktiven Fonds entgegen aller Theorie und empirischer Auswertungen die passiven schlagen. Es liegt schlicht daran, dass viele aktive Manager auf die FAANG-Aktien Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google gesetzt haben, die allein dafür verantwortlich sind, dass die US-Börse der beste Aktienmarkt unter den großen Märkten ist. Die Erfolgsgeschichte dieser Unternehmen macht aber vor allem auch eines deutlich, nämlich wie rasend schnell sich die Geschäftsmodelle wandeln oder auflösen. Ich schrieb in meinem „Wochenkehraus“ vom 28.06.2018 bereits darüber. Das wird in Zukunft durch die Themen Robotik, künstliche Intelligenz und Big Data noch schneller gehen. Und so ist es wahrscheinlich, dass in Zukunft aktive Vermögensverwalter, die diese Trends aufspüren, trotz der höheren Gebühren die passiven schlagen. Bei Acatis Investment befassen wir uns jeden Tag mit den Trends und Geschäftsmodellen der Zukunft und transferieren so das Value Investing ins 21. Jahrhundert.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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