Allianz will sich von Last der Quartalsabschlüsse befreien

dpa-AFX

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Europas größter Versicherer Allianz versucht sich in Gesprächen mit der Deutschen Börse von der Last kompletter Quartalsabschlüsse zu befreien. "Wir befinden uns in Sondierungsgesprächen mit der Deutschen Börse", sagte ein Sprecher des Dax-Konzerns am Donnerstag und bestätigte damit einen Bericht des Magazins "Wirtschaftswoche". Hintergrund sei die Umstellung auf den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 17 im Jahr 2023. Dieser wird die Bilanzen der Versicherungsunternehmen grundsätzlich umkrempeln.

Um die neuen Zahlen mit den alten vergleichen zu können, müsste die Allianz ihre Quartalsabschlüsse für das Jahr 2022 sogar doppelt erstellen, fürchtet man in München. "Daher haben wir die Überlegung, dass wir nur noch Halb- und Ganzjahresabschlüsse vorlegen wie etwa in Frankreich." Zwar sähen die Regeln der Deutschen Börse für Dax-Konzerne bisher eine quartalsweise Berichterstattung vor. Dies könne der Börsenrat aber ändern.

Bei der Allianz könnte man sich vorstellen, wie der französische Versicherer Axa zum ersten und dritten Quartal nur noch Eckdaten etwa zum Umsatz und zum Neugeschäft zu veröffentlichen.

Andere börsennotierte Versicherer springen dem Konzern jedoch nicht bei. "Die Quartalsmitteilungen sind für unsere Investoren hilfreich", sagt der Finanzchef des im SDax gelisteten Talanx-Konzerns (HDI, Neue Leben), Immo Querner. Es gelte abzuwägen zwischen guter Information für den Kapitalmarkt und unternehmerischer Effizienz. Ein Talanx-Sprecher sagte, der Konzern habe seine Quartalsberichterstattung zum ersten und dritten Quartal bereits deutlich abgespeckt. Gespräche mit der Deutschen Börse führe man nicht.

Dies sieht man bei der im MDax notierten Talanx-Tochter Hannover Rück ähnlich. Es gebe dazu auch keine Gespräche mit der Deutschen Börse, erklärte ein Sprecher. Im Dialog mit anderen Versicherern und kapitalmarktorientierten Unternehmen habe man den Eindruck gewonnen, dass die Konzentration auf das Wesentliche bei den Verantwortlichen immer wichtiger werde. Ein Sprecher des im Dax gelisteten Rückversicherers Munich Re wollte sich zu dem Thema auf Nachfrage nicht äußern.

Der Autobauer Porsche hatte im Jahr 2001, als er noch eigenständig börsennotiert war, seinen Platz im MDax verloren, weil der damalige Chef Wendelin Wiedeking Quartalsberichte verweigerte. Die Allianz zieht ihre Mitgliedschaft im Dax allerdings nicht in Frage. Und bei Talanx weiß man selbst die Zugehörigkeit zum Kleinwerte-Index zu schätzen: Ein Verzicht auf einen Platz im SDax sei für den Konzern kein Thema, stellte ein Sprecher klar./stw/nas/jha/

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