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An der Philosophie des Shareholder Value festhalten!

Stefan Riße
An der Philosophie des Shareholder Value festhalten!

In den USA tun sich schier unglaubliche Dinge. Und diesmal ist ausnahmsweise nicht Donald Trump der Initiator. Es geht im Mutterland des Kapitalismus um die Abkehr von der jahrelang gepredigten Philosophie des Shareholder Value. Unter Führung des Chefs von JP Morgen, Jamie Dimon, haben sich 200 Vorstandschefs (CEOs) in den USA dazu bekannt, dass die Führung ihrer Unternehmen zukünftig nicht mehr allein der Steigerung des Shareholder Value dienen soll. Zukünftig sollten alle Stakeholder berücksichtigt werden. Dazu zählen die Arbeitnehmer, aber eben auch die Gesellschaft. Und damit geht es um die gesellschaftliche Verantwortung, die ein Unternehmen wahrnehmen sollte. Dabei geht es vor allem um soziale Aspekte, aber zukünftig auch immer mehr um den Erhalt unserer Ressourcen und einen schonenderen Umgang mit der Umwelt.

Kein Widerspruch zur Philosophie des Shareholder Value

Der Erfinder der Idee des Shareholder Value, der Ökonom Alfred Rappaport, dürfte sich an den Kopf gefasst haben, als er von dieser Initiative erfuhr. Denn so wie er den Begriff „Creation of Shareholder Value“ verstand, beinhaltete dieser schon immer die oben genannten Aspekte, die die CEOs neuerdings als Unternehmensziel verstehen. Denn seine Idee bestand nicht darin, auf Quartalsbasis den Aktienkurs nach oben zu treiben, sondern sehr langfristig über Jahrzehnte hinweg Mehrwert für Aktionäre zu produzieren. Und dieses Ziel steht keineswegs im Widerspruch, sondern im Einklang mit der Wahrnehmung der Verantwortung gegenüber den Arbeitnehmern und der Gesellschaft. Studien belegen sehr eindeutig, dass Firmen, die schon immer in dieser Weise gearbeitet haben, längerfristig erfolgreicher für Ihre Eigentümer wirtschaften.

Manager pervertierten den Begriff des Shareholder Value

Vor allem die Honorierung von Vorständen und Führungskräften mit Aktienoptionen führte dazu, dass diese versuchten, den Aktienkurs der von Ihnen geführten Unternehmen schnell nach oben zu treiben. Sie konnten dann ihre Option ausüben und hatten ihre eigene Vermögensoptimierung gesichert. Kreative Bilanzführung war hierzu ein Mittel, das am häufigsten verwendete wurde und ist bis heute der Rückkauf eigener Aktien. Der ist per se nicht verwerflich, sofern ein Unternehmen über viel Cash verfügt und dieses sich im eigenen Unternehmen gut verzinst. Doch viele Manager kauften und kaufen Aktien auf Kredit. Das steigert den Kurswert, aber eben nicht den Shareholder Value im Sinne von Rappaport. Dieser Unterschied wurde jedoch nicht mehr gesehen. Unter dem Begriff Shareholder Value verstand und versteht man im Allgemeinen die kurzfristige Profitmaximierung ohne Rücksicht auf andere Interessen. Hiervon Abstand zu nehmen, ist natürlich lobenswert.

Gesellschaftliche und soziale Verantwortung könnten irreleiten

Anstatt sich von der ursprünglichen Idee des Shareholder Value zu verabschieden, sollte dieser in seinem ursprünglichen Sinn verstanden werden. Viele Unternehmen wie auch die Investmentholding von Warren Buffett, Berkshire Hathaway, sind Beweise dafür, dass dies auch in der heutigen Zeit möglich ist. Denn wenn Unternehmen es mit der sozialen Verantwortung übertreiben und Mitarbeiter um jeden Preis nicht entlassen wollen, bringen Sie möglicherweise das Ganze in Gefahr. Als gebürtiger Bremer bin ich unweit der ehemaligen Vulkan-Werft groß geworden und habe sehr hautnah mit ansehen dürfen, was passiert, wenn allein auf den Erhalt der Arbeitsplätze geachtet wird.  Jahrelang unterblieben hier dringend nötige Rationalisierungsmaßnahmen und Kündigungen, mit dem Ergebnis, dass am Ende durch die Insolvenz alle Arbeitsplätze verloren gingen, einschließlich die bei den Zulieferbetrieben. Hätte die Führung des Unternehmens ihre Politik auch an den Aktionärsinteressen ausgerichtet und sich wie die Lürssen- oder Meyer-Werft nur noch auf den profitablen Spezial-Schiffbau konzentriert, gäbe es heute sicher keine 5.000, vielleicht aber immerhin noch sichere 1.000 oder 2.000 Arbeitsplätze.

„Soziale Verantwortung und Shareholder Value sind deshalb keineswegs Gegensätze wie oft behauptet, sondern gehen Hand in Hand. „Deswegen wende ich mich auch nicht gegen den Begriff, wie er ursprünglich gedacht war, sondern wie er heute praktiziert wird“, sagte schon Familien-Unternehmer Michael Otto vom Otto-Versand 1999 in einem Interview mit dem Manager Magazin.

Foto: Andrii Yalanskyi / Shutterstock.com

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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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