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ANALYSE: HSBC senkt nach Gewinnwarnung den Daumen über der Deutschen Post

dpa-AFX

LONDON (dpa-AFX) - Die Investmentbank HSBC zweifelt nach der jüngsten Gewinnwarnung der Deutschen Post erst recht an den Mittelfrist-Plänen des Dax-Konzerns. Nachdem der Dax-Konzern sein Gewinnziel für 2018 wegen Problemen im Geschäft mit Briefen und Paketen um fast eine Milliarde Euro gekappt hat, zeigt sich HSBC-Analyst Edward Stanford noch pessimistischer. Auch die optimistischen Erwartungen des Vorstands für 2020 teilt er nicht.

Für die Post-Aktie sieht der Experte deshalb in diesem Jahr kaum noch Luft nach oben. Seine Empfehlung für die Aktie senkte er von "Buy" auf "Hold". Das Kursziel strich er in einer Studie vom Montag gleich um ein Viertel von 40,50 auf 30,50 Euro zusammen. Damit liegt es noch unter dem Schlusskurs vom Freitag, als die Aktie nach der Gewinnwarnung 4,65 Prozent auf 31,17 Euro verloren hatte. Zeitweise war ihr Kurs sogar auf unter 30 Euro eingebrochen - den tiefsten Stand seit Ende 2016.

Hintergrund ist die desolate Gewinnentwicklung in der PeP-Sparte, in der die Post das heimische Brief- und Paketgeschäft sowie die wachsende Paketzustellung an Endkunden in anderen europäischen Ländern gebündelt hat. Die Post will nun verbeamtete Mitarbeiter in den Ruhestand schicken und kräftig in die Digitalisierung, eine verbesserte Routenplanung und eine billigere Zustellung investieren.

All das kostet 2018 voraussichtlich eine halbe Milliarde Euro und zehrt deutlich am Gewinn. Das operative Ergebnis (Ebit) des Konzerns soll statt der zuvor angepeilten 4,15 Milliarden nur noch 3,2 Milliarden Euro erreichen. Analyst Stanford ist pessimistischer und erwartet nun 3,06 Milliarden Euro für 2018. Für das Jahr 2020 geht Post-Chef Frank Appel weiterhin von einer Steigerung auf über 5 Milliarden Euro aus. Stanford hält 4,8 Milliarden Euro für realistischer.

Zudem muss die Post aus seiner Sicht nun erst einmal das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen. "Es wird Zeit brauchen, bis sich die Erfolge aus dem Sanierungsprogramm zeigen", schreibt der Experte. Die Aktie dürfte daher Probleme haben, schnell wieder an Wert zuzulegen. Langfristig hält er den Sanierungsplan für glaubwürdig und machbar. Wenn alles laufe wie geplant, könne der Aktenkurs 2019 stark zulegen.

Stanford erinnert dabei an einen ähnlichen Fall vor wenigen Jahren. So hatte die Post ihr Gewinnziel 2015 kassieren müssen, nachdem eine Umstellung der IT-Systeme in der DHL-Frachtsparte krachend gescheitert war. Im folgenden Jahr sei es für die Aktie aber deutlich aufwärts gegangen.

Jetzt liegen die Probleme im Kernbereich der Deutschen Post AG. Die PeP-Sparte habe dem Management zufolge zu stark auf Marktanteile im Paketgeschäft gesetzt und zu wenig auf die Produktivität geachtet. Der bisherige Spartenchef Jürgen Gerdes hatte nebenbei noch Innovationsprojekte wie den Elektro-Lieferwagen Streetscooter geleitet. Inzwischen konzentriert er sich auf einem neuen Posten nur noch auf Mobilitätslösungen, digitale Plattformen und Automatisierung.

In seinem alten Bereich PeP, den Vorstandschef Appel derzeit mitbetreut, will die Post nun jährlich 100 bis 150 Millionen Euro investieren. Allein durch die Schritte aus dem laufenden Jahr verspricht sich die Post Einsparungen von mindestens 200 Millionen Euro bis zum Jahr 2020. Im laufenden Jahr werde man von diesen Maßnahmen aber frühestens im vierten Quartal etwas merken, schätzt Stanford. Mit ihren angedachten Preiserhöhungen im Brief- und Paketgeschäft könnte die Post seiner Ansicht nach auch Kunden vertreiben. Dies könne die erhoffte Steigerung der Rentabilität unterlaufen, warnt er.

Die hohen Belastungen dürften auch die Aussichten für Dividende und Aktienrückkäufe trüben. Der freie Barmittelzufluss dürfte 2018 mit geschätzt einer halben Milliarde Euro nicht ausreichen, um eine unveränderte Dividende abzudecken, die 1,4 Milliarden Euro ausmache. Damit sinke die Wahrscheinlichkeit, dass die Post Sonderdividenden zahle oder Geld in den Rückkauf eigener Aktien stecke. Denkbar sei Letzteres aber trotzdem. So könne es sein, dass die Post bei einem weiteren Kursverfall mit einem Aktienrückkauf reagiere./stw/jkr/fba

Analysierendes Institut HSBC.

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