Arbeitnehmer hoffen bei Airbus auf Vier-Tage-Woche

Reuters

- von Alexander Hübner und Julie Decorse

Augsburg/Toulouse (Reuters) - Die Arbeitnehmer setzen im Kampf um den Erhalt von rund 15.000 Arbeitsplätzen beim Flugzeugbauer Airbus auf eine Verlängerung der Kurzarbeit und kürzere Arbeitszeiten.

An mehreren Standorten in Deutschland und Frankreich protestierten Mitarbeiter am Mittwoch gegen die Stellenabbau-Pläne, mit denen Airbus den Nachfrage-Einbruch nach der Coronakrise auffangen will. "Die IG Metall hat kein Verständnis für die kurzsichtigen Drohungen mit Kündigungen Tausender Arbeitsplätze von Airbus", sagte Hauptkassierer Jürgen Kerner, der bei der Gewerkschaft für die Luft- und Raumfahrtbranche zuständig ist, der Nachrichtenagentur Reuters. Dabei habe die Bundesregierung bereits klare Signale gesandt, dass sie Airbus und anderen Unternehmen entgegenkommen wolle.

"Wir sind zuversichtlich, dass es im Herbst gelingt, die Kurzarbeit in Deutschland auf 24 Monate zu verlängern – womöglich verknüpft mit Qualifizierungsprogrammen", sagte Kerner. Die Bundesregierung will nach der Sommerpause über eine Verlängerung der Bezugsdauer des Kurzarbeitergelds ab 2021 entscheiden. Airbus-Chef Guillaume Faury hatte gesagt, das könne helfen, 1500 der 5100 in Deutschland gefährdeten Stellen zu retten. Der Konzern hatte auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. "Die Angst wächst wirklich von Tag zu Tag", sagte der Betriebsratschef der Augsburger Airbus-Tochter Premium Aerotec, Sebastian Kunzendorf. Ohne die Drohung mit Kündigungen "wäre ein gemeinsamer Weg schon leichter". In Augsburg allein sollen 1000 von 3500 Arbeitsplätzen wegfallen. Das gefährdet laut IG Metall den ganzen Standort.

Kerner hält aber eine Verlängerung der Kurzarbeit für nicht ausreichend, um das Nachfrage-Tal bei Airbus zu überbrücken. Der Flugzeugbauer rechnet nicht vor 2025 mit einer Rückkehr auf das Niveau vor der Krise. Zuletzt war die Produktion um 40 Prozent gedrosselt worden. "Wir sind bereit, über eine kollektive Arbeitszeitverkürzung zu sprechen", sagte Kerner. Vorbild könne die Vier-Tage-Woche bei Volkswagen sein, mit der der Autobauer in den 90er Jahren einen Stellenabbau vermieden hatte.

ZWEITAUSEND LEERE STÜHLE

In Hamburg-Finkenwerder hatten die Gewerkschafter 2000 leere Stühle vor dem Airbus-Werkstor aufgebaut, die die Dimension des dort geplanten Abbaus symbolisieren sollen. Der Bezirksleiter der IG Metall, Daniel Friedrich, warf dem Konzern vor, längst geplanten Maßnahmen einen "Corona-Stempel" aufzudrücken, um sie leichter durchzusetzen. "Airbus muss hier bleiben." Sonst laufe man Gefahr, dass Airbus in Europa Stellen streiche, die später anderswo wieder aufgebaut würden.

Auch in Toulouse protestierten Airbus-Mitarbeiter. Die Gewerkschaften riefen dort 8000 Beschäftigte zu einem eineinhalbstündigen Warnstreik auf. Sie formierten sich zu einem Marsch entlang des Flugplatzes Blagnac, der direkt gegenüber der Firmenzentrale liegt. Allein dort, wo Langstreckenflugzeuge und der Kassenschlager Airbus A320 gebaut werden, sollen nahezu 3400 Arbeitsplätze wegfallen. Der Abbau sei "völlig übertrieben", das Unternehmen gebe damit ein "fürchterliches Vorbild" für seine Zulieferer ab, sagte Jean-Francois Knepper von der Gewerkschaft Forve Ouvriere. Streiks waren bei Airbus stets eine Seltenheit. 2008 hatten Proteste der Belegschaft dazu geführt, dass der Konzern Kündigungsdrohungen wieder zurücknahm.

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