Aufseher schlagen Alarm – Unerkannte Liquiditätsrisiken in Investmentfonds?

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EU-weite Kontrollen

Die nationalen Finanzaufsichtsbehörden sollen auf Veranlassung der ESMA kontrollieren, wie die Fondsmanager die Vorschriften umsetzen und ob die Umsetzung auch tragfähig ist. Die EU-weite Untersuchung wird einheitlich nach einer von der ESMA vorgelegten Methodik umgesetzt. Die Diskussion über die tatsächliche Liquidität von Fondsportfolios hat schon seit einiger Zeit durch spektakuläre Fälle Auftrieb bekommen. So hatte der Starmanager der Schweizer Fondsgesellschaft GAM, Tim Haywood, der für die Absolute-Return-Bond-Strategie des Hauses zuständig war, im großen Stil illiquide Anleihen für die von ihm verantworteten Fonds gekauft. Die Folge: Die Fonds mussten durch den Abzug von Kundengeldern geschlossen und abgewickelt werden, Haywood wurde von seinem Arbeitgeber vor die Tür gesetzt.

Ein weiterer prominenter Fall war Neil Woodford, einer der bekanntesten Fondsmanager Großbritanniens, in dessen Equity Income Fund zahlreiche Kleinanleger investiert waren. Woodford hatte in seinem Fonds zu stark auf wenig liquide Nebenwerte gesetzt. Als der Fonds Verluste machte, zogen immer mehr Anleger ihre Gelder ab. Schließlich musste auch der Woodford-Fonds geschlossen und abgewickelt werden. Ein Problemfall, der auch politische Dimensionen hatte, da es sich um einen Fonds handelte, der auch zur Altersvorsorge genutzt wurden und nicht um ein Spezialitäten-Produkt, das nur als Beimischung gedacht war.

Vorreiter Luxemburg

Die Luxemburger Finanzaufsichtsbehörde CSSF hat mit ihrer Untersuchung bereits begonnen. Eine repräsentative Auswahl von Fonds-Anbietern, die im Großherzogtum beheimatet sind, haben Fragebögen zum Thema Liquidität erhalten. Luxemburg ist das Land, in dem am meisten UCITS-Fonds beheimatet sind. Mit Stand vom September 2019 waren 37 Prozent der in der EU zugelassenen UCITS-Fonds mit einem Volumen von rund 3,4 Billionen Euro in Luxemburg domiziliert. Noch unklar sind die möglichen Folgen der Untersuchung. Die CSSF hält sich aktuell bedeckt, ob sie neue Regelungen zur Liquiditätssteuerung für notwendig hält.

Gesetzliche Neuregelungen müssten in jedem Fall EU-weit erfolgen. Allerdings könnten im Großherzogtum innerhalb der bestehenden rechtlichen Regelungen strengere Vorgaben erlassen werden. Institutionen, die die Finanzmarktstabilität im Auge haben, weisen schon seit längerer Zeit auf Liquiditätsrisiken hin. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat bereits im vergangenen Jahr thematisiert, dass gerade in Rentenfonds häufig unterkannte Risiken schlummern. Der Grund: Aufgrund der aktuellen Niedrig- und Negativzinsumfeldes investieren die Fondslenker zunehmend in Papiere mit immer geringerer Bonität und Liquidität. Auch die BaFin hat die Problematik von Liquiditätsrisiken bei Investmentfonds schon seit längerer Zeit im Fokus.

Liquiditätskategorien

Eine mögliche Lösung wäre die Einteilung von Investmentfonds in Liquiditätskategorien. Die Einstufung würde dann davon abhängen, wie schnell die Assets, die im Fonds gehalten werden, am Kapitalmarkt verkauft werden könnten. Zudem könnten Schwellenwerte bei den Liquiditätsanforderungen definiert werden, die von den jeweiligen Fonds eingehalten werden müssten. Die Vorgehensweise wäre nicht neu.

Einige europäische Fondsgesellschaften nutzen diese Einstufung in unterschiedliche Kategorien bereits. Allerdings ist diese Vorgehensweise aktuell freiwillig. Es gibt weder einheitliche Regularien noch entsprechende Sanktionen, falls die Schwellenwerte überschritten werden. Die Ausweitung des Investmentfonds-Spektrums beispielswiese in Richtung immer ausgefeilterer Multi-Asset-Strategien, die auch nicht börsennotierte Assets umfassen, machen strengere regulatorische Vorgaben bei der Liquiditätssteuerung in der Zukunft wahrscheinlich.

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