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Bafin nimmt Aurelius-Kurs unter die Lupe - Konzern kontert Vorwürfe

dpa-AFX
Bafin nimmt Aurelius-Kurs unter die Lupe - Konzern kontert Vorwürfe

GRÜNWALD/BONN (dpa-AFX) - Die Vorwürfe des Finanzspekulanten Gotham gegen die Beteiligungsgesellschaft Aurelius und der Kurssturz an der Börse rufen die Finanzaufsicht auf den Plan. "Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) untersucht derzeit, ob im Zusammenhang mit den Handlungen von Gotham ein Fall von Marktmanipulation vorliegt", teilte Aurelius am Sonntagabend mit. Gothams Vorwürfe seien "in ihrer Substanz falsch". Der Spekulant habe sich günstig mit Aktien eindecken wollen. Eine Bafin-Sprecherin betonte, dass ihre Behörde noch keinen Verdacht habe. Zunächst gehe es nur um eine "routinemäßige Analyse des Kursverlaufs".

Für die gebeutelte Aurelius-Aktie ging es am Montag wieder aufwärts. Bis zum Nachmittag gewann das Papier rund 3 Prozent an Wert auf 41,85 Euro. Der Kurs war nach der Attacke von Gotham vergangene Woche von gut 65 Euro um fast die Hälfte eingebrochen. Bis jetzt hat er sich erst zu einem kleinen Teil erholt.

Aurelius holt nun zum Gegenschlag gegen Gotham aus. Die Beteiligungsgesellschaft will die Bafin unterstützen und prüft selbst juristische Schritte - bis hin zu strafrechtlicher Verfolgung. Die behördliche Prüfung kostet aber zunächst Zeit. "Sollten wir im Rahmen der Analyse feststellen, dass es konkretere Hinweise auf eine mögliche Marktmanipulation gibt, würden wir eine Untersuchung einleiten", sagte die Bafin-Sprecherin. Sollte diese Untersuchung einen entsprechenden Verdacht ergeben, gehe der Fall an die Staatsanwaltschaft.

Aurelius hält dem Finanzspekulanten vor, dieser habe ein Interesse daran gehabt, den Kurs nach unten zu drücken, um sich günstig mit Aktien des Konzerns eindecken zu können. Gotham hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts eine signifikante sogenannte Short-Position, bei der man von fallenden Kursen profitiert. Es habe Gotham daher genutzt, Aurelius einen Reputationsschaden zuzufügen, hieß es vom Unternehmen.

Aurelius zufolge konnte der Spekulant dabei einen "beträchtlichen Spekulationsgewinn" einfahren. "In der Tat hat Gotham mittlerweile einen Großteil seiner Short-Position geschlossen und Gewinne realisiert." Ähnliche Angriffe wie die jetzt von Gotham auf Aurelius hatte es im vergangenen Jahr auf den im TecDax notierten Zahlungsabwickler Wirecard und den im MDax gelisteten Außenwerbespezialisten Ströer gegeben.

Aurelius tritt den Vorwürfen des Finanzspekulanten klar entgegen und wirft Gotham "fundamentale intellektuelle Fehler" in seinem Bericht vor. "Es vergleicht Äpfel mit Birnen, verwechselt Zeitangaben und verwendet unvollständige Analysen", schreibt Aurelius. "Damit kommt es zu Schlussfolgerungen, die ausnahmslos falsch sind."

Dem Unternehmen zufolge sind von Gotham bemängelte Unterschiede zwischen dem Konzernergebnis und den Jahresabschlüssen der Töchter durch die Unterschiede zwischen internationaler Rechnungslegung (IFRS) und lokalen Berichtsstandards zu erklären. Zudem zähle Gotham bestimmte Verpflichtungen von Aurelius doppelt. Auch eine Berechnung zu Insolvenzen von erworbenen Töchtern sei "nicht nachvollziehbar".

Dass 4 von 77 durch Aurelius übernommene Unternehmen als Teil des Konzerns in die Insolvenz gegangen sind, betrachtet der Konzern als "geringe Anzahl". Schließlich gehöre es zur Strategie von Aurelius, notleidende Unternehmen zu kaufen. Auch der verwendete Nettovermögenswert (Net Asset Value) sei im normalen Bereich.

Zwar räumt der Konzern ein, noch nie einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erhalten zu haben. Das liege aber daran, dass er keine individuellen Kaufpreise veröffentliche. "Gothams Anschuldigung zeigt, dass es unsere Branche schlicht nicht versteht", heißt es in der Stellungnahme. Auch sei das Unternehmen nicht an mehr Zivilprozessen beteiligt als andere Unternehmen seiner Größe auch.

In der Summe betont das Management, dass die "Jahresabschlüsse von Aurelius stimmen". Die Führungsstrukturen und -prinzipien des Konzerns seien solide. Das Eigenkapital liege bei gut 486,5 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote bei 27 Prozent, die flüssigen Mittel bei 416 Millionen Euro. In den vergangenen fünf Jahren habe das Unternehmen über Dividenden und Aktienrückkäufe 256 Millionen Euro an seine Aktionäre ausbezahlt.

OnVista/dpa-AFX

Foto: g0d4ather /shutterstock.com

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