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Bayer: 10 Milliarden Euro Börsenwert vernichtet, was muss jetzt beachtet werden

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Bayer: 10 Milliarden Euro Börsenwert vernichtet, was muss jetzt beachtet werden

Geht es nach der Reaktion der Anleger, dann könnte da noch einiges auf die Leverkusener zukommen. Die Aktie verliert heute zweistellig. In einer Börsenphase, wo die Nerven der Anleger durch die Krise in der Türkei sowieso angespannt sind, kommt die Nachricht natürlich zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Aber auch Bayer dürfte sich das Ganze etwas anders vorgestellt haben. Schließlich legt man ja nicht eben mal 66 Milliarden Dollar für einem US-Konzern auf den Tisch, der anschließend noch Milliarden Dollar für Schadensersatzklagen ausgeben muss. Dieses Geld hatte in Leverkusen wohl eher niemand auf der Rechnung. Allerdings ist auch noch nicht klar, ob Bayer wirklich Milliarden von Dollar an Schadensersatz zahlen muss. Trotzdem dürften in Leverkusen die Alarmglocken schrillen.

Urteil mit Folgewirkung?

Der Agrarchemie-Riese Monsanto muss einem Krebspatienten in den USA wegen verschwiegener Risiken seiner Unkrautvernichter Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe zahlen. Dass hat jedenfalls ein Geschworenengericht in Kalifornien angeordnet. Die Jury habe Monsanto klargemacht, dass die „Jahre der Täuschung“ vorbei seien, sagte Klägeranwalt Brent Wisner nach der Urteilsverkündung.

Die Entscheidung wurde weltweit mit Spannung erwartet. Denn es handelte sich um den ersten Schadenersatz-Prozess, der sich mit der seit Jahren strittigen Frage befasste, ob Produkte von Monsanto Krebs erregen können. Die Jury geht jedenfalls davon aus und hat die neue Bayer-Tocher einstimmig zu einem Schadensersatz in Höhe von umgerechnet 254 Millionen Euro verurteilt.

Was bedeutet das für Monsanto/Bayer?

Alleine in den USA laufen über 4000 weitere ähnliche Klagen gegen Monsanto, für die diese Entscheidung wegweisend sein könnte. Bei der aktuellen Klage handelte es sich zwar nur um einen Einzelfall, doch weil es das erste Urteil überhaupt war, stand das Verfahren stark im Fokus der Öffentlichkeit. Die harte Strafe könnte deshalb besonders große Imageschäden anrichten.

Werden sich andere Gerichte dem Urteil anschließen?

Für die zentrale Streitfrage, ob Glyphosat Krebs erregend ist, hat das Urteil indes nur begrenzte Aussagekraft. Anders als die Jury im aktuellen Fall zeigt sich etwa der US-Bundesrichter Vince Chhabria, bei dem viele Sammelklagen gebündelt sind, skeptisch, ob die Beweislage einen Zusammenhang wirklich eindeutig belegen kann. Letztlich ist das Urteil, so aufsehenerregend es auch gerade ist, nur eines von vielen, die noch folgen werden. Dass es Folgewirkung für weitere Urteile hat, ist daher nicht zwangsläufig gegeben.

Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen

Monsanto und Bayer bleiben konsequent bei ihrer Verteidigungslinie. Sie verweisen auf „mehr als 800 wissenschaftliche Studien, der US-Umweltbehörde EPA, der Nationalen Gesundheitsinstitute und Aufseher weltweit“, die zu dem Schluss gekommen seien, dass Glyphosat sicher sei und keinen Krebs verursache. Dem entgegen steht jedoch insbesondere die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die den Unkrautvernichter 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für Menschen einstufte.

Wird Monsanto die Strafe bezahlen müssen?

Der Saatguthersteller hat bereits angekündigt, Berufung einzulegen und Roundup auch in Zukunft „nachdrücklich verteidigen“ zu wollen. Es ist in den USA nicht ungewöhnlich, dass die Strafzahlungen bei solchen Verfahren später erheblich verringert oder die Urteile in der nächsten Instanz wieder einkassiert werden. Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson beispielsweise, der wegen angeblich krebserregender Pflegeprodukte mit zahlreichen Klagen konfrontiert ist, wurde schon mehrfach zu spektakulär hohen Schadenersatzsummen verurteilt, die in Berufungsverfahren wieder zurückgenommen wurden.

Analysten werden vorsichtiger

Michael Leacock vom Investmenthaus Mainfirst betont, dass es noch viel zu früh sei, um das Problem nach diesem ersten Urteil rational abzuschätzen. Sollte sich Bayer, nach mehr verlorenen Klagen, irgendwann auf eine Einigung einlassen, könnten die Gesamtkosten leicht 10 Milliarden Dollar, umgerechnet 8,8 Milliarden Euro, erreichen.

Für Stephen McGarry von der britischen Bank HSBC ist das Urteil kein Grund in Panik auszubrechen. Allerdings könnte der Monsanto-Kauf im Lichte des Urteils nunmehr weder gut getimed noch sonderlich klug aussehen. Bayer werde sich rechtfertigen müssen, wie genau es die Rechtsrisiken durch die Übernahme unter die Lupe genommen habe. Bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal Anfang September sei nun besonders spannend, wie hoch Bayer das finanzielle Risiko durch die Glyphosat-Klagen einschätzt.

Daniel Wendorff von der Commerzbank ist von dem Urteil etwas überrascht. Die Entscheidung sei eine Belastung für die Aktien von Bayer, zumal Monsanto vermutlich nur Rückstellungen von 250 Millionen Dollar gebildet habe. Die Rücklagen von Bayer für Rechtsstreitigkeiten hätten sich per Ende 2017 auf 393 Millionen Euro belaufen und seien wohl für andere Produkte vorgesehen gewesen.

Übernahme und Aktie in neuen Licht

Auch wenn die Analysten noch nicht zum Verkauf raten, wird das Thema ab sofort weiter auf der Aktie von Bayer lasten. Heute reichte es schon aus, um in wenigen Minuten in der Spitze 10 Milliarden Euro an Börsenwert zu vernichten. Mal schauen, ob bis zur Veröffentlichung der Quartalszahlen noch weitere Milliarden hinzukommen.

Von Markus Weingran

Bild: Lukassek / Shutterstock.com

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