Beyond Meat: Konkurrenz im Nacken und Rechtsstreit mit Ex-Zulieferer – Aktie bleibt unberechenbar – Das sagen die Analysten

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Beyond Meat: Konkurrenz im Nacken und Rechtsstreit mit Ex-Zulieferer – Aktie bleibt unberechenbar – Das sagen die Analysten

Im US-Bundesstaat Kalifornien liefern sich zwei Unternehmen um einen Milliardenmarkt ein Rennen. Die Rede ist von Fleischimitat auf pflanzlicher Basis – also Burger, Würste, Schnitzel und Steaks, für die kein Tier sterben muss. Hersteller solcher Veggie-Produkte gibt es viele. Mit seinem fulminanten Börsenstart zog Beyond Meat 2019 besonders große Aufmerksamkeit auf sich. Doch trotz explodierender Umsätze und erster Gewinne scheinen Anleger zum Teil verunsichert. Ein Grund: Impossible Foods. Dem Rivalen aus dem Norden wird ebenfalls ein baldiger Gang an die Börse nachgesagt. Was das mit Beyond Meat macht, was Analysten denken und wie sich die Aktie entwickelt.

Die Konkurrenz lauert an jeder Ecke - Impossible Foods könnte bald an die Börse folgen

Kurzzeitig war es fast schon ruhig geworden um den Börsenstar des vergangenen Sommers. Einer anfänglichen Anleger-Euphorie folgte schon bald Ernüchterung, die zum einen mit einer Kapitalerhöhung des Fleischersatz-Spezialisten zu tun hatte. Zum anderen setzte sich aber auch die Erkenntnis durch, dass der mit so vielen Idealen verbundene Markt extrem hart umkämpft ist. Große Lebensmittelkonzerne wie Nestlé, Unilever, Sysco oder Tyson Foods wollen ebenfalls vom Veggie-Boom profitieren und nehmen gleichzeitig zum Teil Abstand von echtem Fleisch. Dazu sprießen immer wieder neue Wettbewerber aus dem Boden, die auf ihre jeweils eigene Art Fleischalternativen auf den Markt bringen.

So auch Impossible Foods: Das Unternehmen aus dem kalifornischen Redwood City wurde zwei Jahre nach Beyond Meat gegründet und erlangte unter anderem Bekanntheit durch seine Partnerschaft mit Burger King und dem „Impossible Whopper“. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge könnte Impossible Foods seinem Konkurrenten schon in diesem Jahr an die Börse folgen.

Im August erhielt Impossible Foods von der amerikanischen Lebensmittelaufsicht FDA zunächst die Genehmigung zur Einführung seines Burgers in US-Supermärkten. Dem Nachrichtensender CNBC zufolge soll das Unternehmen für seinen speziellen Inhaltsstoff Soja-Leghämoglobin auch in der EU eine Zulassung beantragt haben. Das eisenhaltige Molekül ist quasi das Aushängeschild von Impossible Foods und soll zu einem besonders fleischigen Erlebnis beitragen. Wie gut das funktioniert, entscheiden die Leute derzeit vor allem im Internet – und ziehen dabei regelmäßig den Vergleich zu Beyond Meat.

Kampf um Partnerschaften

Doch wo es dem verzichtswilligen Fleischliebhaber hauptsächlich auf Aussehen, Textur und Geschmack ankommt, interessiert sich der Markt bei seinem Urteil auch für andere Dinge. Neben den Geschäftszahlen – Beyond Meat hat im dritten Quartal 2019 zum ersten Mal einen Gewinn erzielt – kommt es auch auf die Größe und Anzahl der Partner an und auf die Frage, ob das Unternehmen diese auch zuverlässig beliefern kann. Angesichts der ständig wachsenden Anzahl neuer Konkurrenten zählen Beobachter mögliche Engpässe bei den Zutaten mit zu den größten Risiken in der Branche. Während Impossible Foods bereits mit genau diesem Problem zu kämpfen hatte, traut sich Beyond Meat laut CNBC die Belieferung „jeglicher Fast-Food-Ketten“ zu.

Zu den größten Dickfischen unter den Kunden zählt dabei ganz klar McDonald’s. Seit Oktober vergangenen Jahres testet der Konzern die veganen Beyond-Burger in ausgewählten Filialen in Kanada, der Versuch wurde jüngst von 28 auf 52 Filialen ausgeweitet. Impossible Foods hatte die Gespräche mit McDonald’s aufgrund zu geringer Kapazitäten vorerst aufgegeben. In Deutschland gibt es auch eine fleischfreie Burgervariante: Der Big Vegan TS kommt mit Burgerpatties von Nestlé daher.

Die Nachfrage ist riesengroß

Der Verkaufsstart von Beyond-Burgern bei Lidl endete vergangenes Jahr für Kunden bekanntlich unerfreulich. Die Regale waren extrem schnell leer, viele Interessenten mussten in die Röhre schauen. Später holte sich der Discounter eine eigene Fleischersatz-Marke ins Sortiment.

Wegen des reißenden Absatzes hob das Beyond-Management die Umsatzaussichten für das Gesamtjahr 2019 zuletzt an. Statt mehr als 240 Millionen US-Dollar (218 Mio Euro) sollen es bis zu 275 Millionen Dollar werden.

Rechtsstreit mit ehemaligem Partner

Momentan blickt Beyond Meat zudem einem Rechtsstreit entgegen. Der ehemalige Zulieferer Don Lee Farms greift den Lebensmittelhersteller damit an, einen Exklusivvertrag gebrochen zu haben und Geschäftsgeheimnisse für die Produktion von Beyond-Produkten verwendet zu haben. Wie Bloomberg berichtet, hat Beyond Meat laut eigener Aussage die Geschäfte mit Don Lee Farms beendet, weil sie nicht in der Lage waren, Standards einzuhalten - Die gemachten Vorwürfe hat Beyond Meat entschieden zurückgewiesen.

Das sagen die Analysten

Dass es mit den Erlösen bei Beyond in den kommenden Jahren auch weiter deutlich aufwärts gehen dürfte, ist für die meisten Experten kein Thema. Bis zur Milliarden-Marke dauert es laut manchen Schätzungen maximal noch drei Jahre.

Vieles hänge allerdings vom Erfolg der derzeit laufenden Tests mit den Partnerketten wie McDonald’s oder Subway ab, heißt es. Darüber hinaus ist es vor allem die wachsende Konkurrenz im Markt für Fleischersatz, die den Analysten Kopfschmerzen bereitet.

„Wir erwarten, dass mit der Zeit immer mehr Konkurrenzprodukte in der Gastronomie und im Einzelhandel Fuß fassen werden“ sagte Bloomberg-Intelligence-Analystin Jennifer Bartashus. „Wir werden sehen, wie gut Beyond Meat seinen Pionierstatus aufrechterhalten kann.“

Von den 17 bei Bloomberg erfassten Analysten raten derzeit 11 das Papier zu halten. Zwei Experten würden es kaufen, vier mal lautet das Votum „Verkaufen“. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 95,75 Dollar gut ein Fünftel unterhalb des jüngsten Kurses von rund 120 Dollar.

Das macht die Aktie

Der Verlauf der Beyond-Meat-Aktie zeigt wie groß die Hoffnungen aber auch die Unsicherheiten sind, die mit dem neuen Markt für Fleischersatzprodukte einhergehen. Der anfängliche Hype um den Börsenneuling war im Herbst 2019 fast vollständig verflogen. Wo das Papier innerhalb weniger Monate nach seinem Börsendebüt auf mehr als das Achtfache seines Ausgabepreises von 25 Dollar gestiegen war, verlor es später bis zum Jahresende fast 70 Prozent.

Seitdem hat sich die Aktie wieder berappelt und ist im laufenden Jahr um mehr als 60 Prozent auf gut 120 Dollar geklettert. Geholfen hat etwa ein neuer, mehrjähriger Liefervertrag mit dem französischen Unternehmen Roquette, das pflanzliche Inhaltsstoffe herstellt und Beyond Meat schon seit Längerem mit Erbsenproteinen versorgt. Die Menge soll nun „deutlich erhöht“ werden, hieß es in der entsprechenden Mitteilung.

Anleger beobachten genau was in der Branche vor sich geht und ziehen schnell Konsequenzen. Erst in der Nacht zum Mittwoch teilte die kanadische Schnellrestaurantkette Tim Hortons mit, die Produkte von Beyond Meat nicht weiter zu verkaufen. Die Aktie sackte daraufhin im nachbörslichen Handel um 4 Prozent ab. Das Angebot, das sie seit Juni im Sortiment hatten, sollte von Anfang zunächst zeitlich begrenzt sein, hieß es.

Mit jeder noch so allgemeinen Aussage großer Marktteilnehmer über das Thema steht oder fällt der Kurs von Beyond Meat derzeit. Starbucks teilte etwa vor kurzem nur mit, mehr pflanzliche Alternativen im Menü anbieten zu wollen. Die Aktie legte daraufhin um fast ein Fünftel zu. Nur einen Tag später hieß es laut Bloomberg von der Carrols Restaurant Group – ihres Zeichens größte Betreiberin von Burger-King-Filialen weltweit – dass der Impossible Whopper zuletzt nicht mehr so oft über den Tresen gegangen sei. Der Kurs brach am selben Tag um mehr als 5 Prozent ein.

onvista/dpa-AFX

Titelfoto: Chie Inoue / Shutterstock.com

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