Bitcoin: Charttechnik, Regulierungsangst und positive Analystenstimmen – das letzte Wort zum Bullenmarkt ist noch nicht gesprochen

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Bitcoin: Charttechnik, Regulierungsangst und positive Analystenstimmen – das letzte Wort zum Bullenmarkt ist noch nicht gesprochen

Nachdem durch die jüngsten regulatorischen Schritte der chinesischen Regierung gegen den Mining-Sektor und das Handeln von Kryptowährungen ein wenig Endzeitstimmung am Krypto-Markt geherrscht hatte, konnte sich der Kurs in den letzten 24 Stunden mit einem beeindruckenden Comeback zurückmelden. Mit einem Plus von knapp 13 Prozent notiert Bitcoin derzeit wieder bei über 34.000 Dollar und hat sich somit deutlich von der wichtigen 30.000er Marke nach oben abgesetzt.

Die Stimmung ist derzeit ambivalent. Einerseits bleibt das charttechnische Bild deutlich eingetrübt und die Angst vor weiteren Regulierungen, vor allem am US-Markt, bleibt im Fokus. Andererseits haben sich in den letzten Tagen wieder einige positive Analystenkommentare ergeben, die den langfristigen Aufwärtstrend von Bitcoin keineswegs in Gefahr sehen.

Charttechnisch bleibt die Lage angespannt

Der Bitcoin-Kurs notiert weiterhin unter den wichtigen Trendlinien, die in der Vergangenheit als Indikatoren für einen Bullenmarkt gegolten haben, darunter die 21-Wochen-Trendlinie und die 200-Tage-Trendlinie. Auch wurde das herausgebildete charttechnische Todeskreuz mit Abverkäufen quittiert - jedoch konnte dies durch den jetzigen Anstieg wieder ein wenig ausgeglichen werden.

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Auf langfristigerer Ebene ist der Kurs in seinen Seitwärtskanal zwischen 30.000 - und 40.000 Dollar zurückgekehrt. Allerdings bildet er so auch eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation, die im Allgemeinen einen Trendwechsel hin zu einer negativen Preisentwicklung signalisiert.

Screenshot, Chart oder sonstiges SchmuckbildQuelle: Twitter


Auf der bullischeren Seite wird von einigen Chartanalysten derzeit die sogenannte Wyckoff-Methode herangezogen, ein charttechnisches Muster, welches Kursmuster in verschiedenen Marktphasen, basierend auf generellen Marktindikatoren und Strategien, herausbildet. Während sich im Verlauf von Februar bis Mai 2021 das sogenannte Wyckoff-Distribution-Pattern ausgebildet und zu den derzeitigen Zwischentiefs geführt hat, sehen einige Chartanalysten in der volatilen Seitwärtsbewegung seit Ende Mai die Ausbildung des Wyckoff-Akkumulation-Pattern, einem umgekehrten Kursmuster, welches in einem erneuten Run nach oben für den Kurs münden könnte.

Sorge um weitere Regulierungen

Auf fundamentaler Ebene sind die jüngsten Aktionen Chinas aus Sicht vieler Marktbeobachter ein Beweis dafür, dass Staaten und Zentralbanken ihre Bemühungen gegen Bitcoin und den restlichen Krypto-Sektor noch verschärfen werden, da sie es sich nicht einfach gefallen lassen, ein alternatives Geldsystem heranwachsen zu lassen, dass den Status Quo infrage stellen kann.

Der berühmte Autor, Spieltheoretiker und Investor Nassim Nicholas Taleb hat am Wochenende dazu ein kritisches Papier veröffentlicht, in welchem er skizziert, dass viele Investoren die Bedrohung durch die Regierungsmacht für Kryptowährungen ernsthaft unterschätzen.

„Bitcoin ist von Natur aus für alle sichtbar“, schrieb er und bezog sich dabei auf die pseudonyme und oft irrtümlich als anonym angesehene Natur von Bitcoin. „Der Glaube an die Fähigkeit, sein Vermögen mit einer öffentlichen Blockchain vor der Regierung zu verbergen … welche nicht nur vom FBI gelesen werden kann, sondern von auch von Leuten in ihrem Wohnzimmer, spricht für einen gewissen Mangel an finanzieller Erfahrung und statistischem Verständnis - vielleicht sogar einfachem gesunden Menschenverstand.“

Auch die USA haben in den letzten Monaten deutliche Signale gesendet, die Regulierung gegenüber dem Krypto-Sektor zu verschärfen. So sollen besonders strengere Vorschriften erlassen werden, die Börsen und Wallet-Betreiber dazu zwingen, die Identität ihrer Kunden und deren Gelder-Bewegungen besser kenntlich zu machen.

Der Vorsitzende der Securities and Exchange Commission, Gary Gensler, hat wiederholt die Notwendigkeit einer stärkeren Regulierung von Krypto-Börsen zum Schutz der Anleger diskutiert, während er sagte, dass er viele der Tausenden von bestehenden Kryptowährungen, die an Börsen gehandelt werden, als nicht registrierte Wertpapiere betrachtet, die den Durchsetzungsmaßnahmen der SEC unterliegen.

Die Diskussion, ob Regierungen Bitcoin wirklich den Stecker ziehen können, bleibt dabei trotzdem ein komplett offenes Rennen. Das Bitcoin-Protokoll an sich ist dezentral und durch die Vertreibung der Mining-Industrie aus China wird die Dezentralität langfristig eher gestärkt als geschwächt. Auch der Vorstoß von Ländern wie El Salvador, die auch aus einem Mangel an Alternativen heraus handeln und sich von Bitcoin ein stabileres und unabhängigeres Geldsystem erhoffen, geben dem Krypto-Sektor Rückhalt.

Analysten lassen sich nicht aus der Ruhe bringen

Unter Analystenkreisen aus dem Sektor lässt sich jedoch bisher keine Unruhe erkennen. Zu gut seien die Fundamentaldaten und auch seien die Marktbedingungen im Jahr 2021 ganz andere als im Jahr 2017, als der Bullenmarkt mit einem jähen Crash geendet ist, so einige Analysten gegenüber CNBC.

„Ein Großteil dieser Abwärtsdynamik des Bitcoin-Preises kann auf Chinas jüngste Schritte gegen die Mining-Industrie zurückgeführt werden, die zu einer niedrigeren globalen Hashrate geführt haben“, sagte Jason Deane, Analyst bei Quantum Economics, der sich auf die Forschung und Analyse von Finanzmärkten und Kryptowährungen spezialisiert hat, gegenüber dem Nachrichtendienst.

„Während langfristige Bitcoiner dies als äußerst positive Bewegung für das Netzwerk ansehen, werden kurzfristige Trader von Unsicherheit erschreckt. Märkte werden oft von der Dynamik angetrieben, die manchmal die Fundamentaldaten überfordern kann, und die aktuelle Stimmung scheint widerzuspiegeln, dass dies genau das ist, was wir hier sehen“, so Deane.

Die derzeitige Situation ist aus Sicht von Experten also nicht mit der aus 2017 zu vergleichen. „Wir werden vielleicht nie wieder einen Krypto-Winter erleben“, sagte Mati Greenspan, Portfoliomanager und Gründer von Quantum Economics. „Es gibt viel mehr Nutzen, Akzeptanz und Diversifizierung in der Branche als wir 2014 oder 2018 hatten.“

„Es ist die seit mehr als ein Jahrzehnt anhaltende, makellose Sicherheit der Bitcoin-Blockchain, die Breite des Nutzens von Bitcoin und der Grad der Akzeptanz, die den inneren Wert von Bitcoin ausmachen“, so auch Alyse Killeen, Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin des auf Bitcoin fokussierten Venture-Unternehmens Stillmark, gegenüber CNBC.

Der Markt bleibt stimmungsgetrieben

Angesichts der derzeitigen Ambivalenz im Chartbild und in der Marktstimmung werden es in den nächsten Wochen wohl vor allem weitere Nachrichten bleiben, die maßgeblich die Kursrichtung bestimmen werden. Die Frage ist, ob dies weitere negative Meldungen zu Verboten oder schärferer Regulierung sein werden oder Nachrichten der weiteren Akzeptanz von Bitcoin.

Von Alexander Mayer

Titelfoto: 99Art / shutterstock.com

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