Blatt - Ankläger beziffern Schaden im Audi-Dieselskandal

Reuters

Hamburg (Reuters) - Die Staatsanwaltschaft macht den früheren Audi-Chef Rupert Stadler und drei im Dieselskandal mitangeklagte Ex-Mitarbeiter einem Bericht zufolge für einen Milliardenschaden verantwortlich.

Den mit bis zu 3,3 Milliarden Euro größten Teil davon legt die Anklagebehörde dem Ex-Leiter der Audi-Motorenentwicklung, Wolfgang Hatz, und den beiden weiteren führenden Ex-Mitarbeitern zur Last, wie das "Handelsblatt" am Montag unter Berufung auf die Anklageschrift berichtete. Die kleinere Summe von 27,5 Millionen Euro entfalle auf Stadler. Die Staatsanwaltschaft lehnte einen Kommentar ab.

Audi bekräftigte sein Interesse an einer Aufarbeitung des Dieselskandals, auch wenn sich das Verfahren nicht gegen die Audi AG, sondern gegen Einzelpersonen richte. "Die juristische Aufklärung ist eine Voraussetzung für einen Neustart unserer Marke und unseres Unternehmens."

Laut der im Kern seit Juli bekannten Anklage werfen die Strafermittler Stadler vor, spätestens ab Ende September 2015 von den Manipulationen von Diesel-Abgaswerten gewusst und trotzdem den Verkauf entsprechender Autos nicht gestoppt zu haben. Die Staatsanwaltschaft rechnet der Zeitung zufolge nun vor, dass 120.398 Audis noch verkauft worden seien, nachdem Stadler gewusst habe, dass dies nicht hätte geschehen dürfen. Audi musste die Fahrzeuge später in die Werkstätten rufen und ein Softwareupdate aufspielen. Die Kosten dafür beziffere die Ermittlungsbehörde auf 228,82 Euro je Wagen, insgesamt also die 27,5 Millionen Euro.

Allen vier Angeschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft Betrug, mittelbare Falschbeurkundung und strafbare Werbung vor. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest. Stadler und Hatz haben die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Die Anwälte der beiden anderen Angeschuldigten wollten sich auf Anfrage der Zeitung nicht äußern. Stadler saß wie Hatz und einer der beiden Ingenieure zeitweise in Untersuchungshaft.

Der Volkswagen-Dieselskandal, in dem Audi eine wesentliche Rolle spielte, war im September 2015 in den USA aufgeflogen. Damals gab Volkswagen auf Druck der dortigen Umweltbehörden zu, Dieselabgase durch eine Software manipuliert zu haben. Diese erkannte, ob sich ein Fahrzeug auf einem Prüfstand befand und hielt auch nur dann die Stickoxidwerte ein. Auf der Straße waren die Abgaswerte um ein Vielfaches höher. Die Wiedergutmachung des Dieselskandals hat Volkswagen bislang mehr als 30 Milliarden Euro gekosten.

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