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Börsianer in Panik: Wie gefährlich wird der Monsanto-Kauf für Bayer?

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Börsianer in Panik: Wie gefährlich wird der Monsanto-Kauf für Bayer?

Bayer-Chef Werner Baumann hat mit der Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto Finanzgeschichte geschrieben, doch die Zweifel an der von Beginn an umstrittenen Fusion steigen weiter. Bislang bereitet die fast 63 Milliarden Dollar teure Tochter nichts als Ärger. Vor rund zwei Jahren, als Baumann den Deal mit dem Monsanto-Chef Hugh Grant besiegelte, versprach er eine „Transaktion, mit der wir erheblichen Wert für die Aktionäre, unsere Kunden, Mitarbeiter und für die Gesellschaft insgesamt schaffen“. Heute ist man schlauer – aber wie riskant kann der der bisher teuerste Auslandszukauf eines deutschen Konzerns noch werden?

Schlechte Nachrichten nehmen kein Ende

Mit Blick auf die rechtlichen Risiken, die Bayer sich mit dem Zukauf aufgehalst hat, scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen wahr zu werden. In den USA wurde Monsanto vor einer Woche wegen angeblich vorsätzlich verschwiegener Risiken seiner Unkrautvernichter verurteilt, 289 Millionen Dollar Schadenersatz an einen Krebspatienten zu zahlen. Wenige Tage später folgte der nächste Schock: Monsantos Antrag, den Glyphosat-Unkrautvernichter Roundup in Kalifornien von einer Liste krebserregender Chemikalien zu nehmen, wurde endgültig abgelehnt.

Die Reaktionen an der Börse folgten auf den Fuß und entsprechend heftig aus. Seit Anfang der Woche büßten Bayer-Aktien rund 18 Prozent ein, was einem Börsenwert von 15,7 Milliarden Euro entspricht. Auch die längerfristige Prognose sieht nicht rosig aus: Vor Ankündigung des Monsanto-Kaufs lag der Aktienkurs von Bayer 2015 zwischenzeitlich bei fast 144 Euro. Gemessen daran hat sich der Wert des Papiers auf zuletzt rund 77 Euro fast halbiert.

15,7 Milliarden Euro führen zu Verkaufspanik

Doch erst die harte Strafe im ersten US-Prozess um Monsantos umstrittene Produkte ließ Anleger so richtig erschaudern – auch wenn sich der Kurs am Freitag etwas erholte. „Die Börse hat mit dem Urteil zum ersten Mal eine Zahl präsentiert bekommen, an der sie die Risiken festmachen kann. Das führte dann offenbar erst mal zu einer Verkaufspanik“, sagt Jürgen Kurz, Sprecher des Anlegerschutzvereins DSW. „Die Börse war darauf nicht vorbereitet und Bayer war möglicherweise ebenfalls überrascht, sonst hätte man im Vorfeld wohl noch intensiver mit den großen Investoren kommuniziert.“

Das war Bayer indes nur bedingt möglich. Denn einen vollständigen Überblick über Monsanto kann sich der Leverkusener Konzern erst seit Donnerstag verschaffen: Damit die Kartellbehörden die Übernahme genehmigten, verpflichteten sie Bayer zum Verkauf großer Teile seines Saatgutgeschäfts an den Konkurrenten BASF. Bis zum Abschluss dieses Verkaufs am Donnerstag mussten Bayer und Monsanto als getrennte Unternehmen geführt werden. Wegen der Auflagen des US-Justizministeriums war Bayer der Zugang zu detaillierten internen Informationen von Monsanto nach eigenen Angaben bisher verwehrt.

Dicamba töt Unkraut und Nutzpflanzen gleichermaßen

Könnte Bayer in den internen Unterlagen nun auf unerwartete Risiken und böse Überraschungen stoßen? „Das ist nicht zu hoffen“, sagt Markus Manns, Fondsmanager bei Union Investment. „Doch es bleibt eine Tatsache, die Sorgen bereitet.“

Das Urteil in der vergangenen Woche war nur der Auftakt – Monsanto steht in den USA vor einer Klagewelle. Dabei geht es nicht nur um Tausende Fälle wegen der Unkrautvernichter mit dem Wirkstoff Glyphosat, der im Verdacht steht, Krebs zu verursachen und seit Jahren bei Umweltschützern verhasst ist. Hinzu kommen zahlreiche Sammelklagen wegen des Herbizids Dicamba, das zwar Unkraut tötet, aber auch Nutzpflanzen – sofern sie nicht aus genetisch modifiziertem Saatgut von Monsanto stammen. Und weiteres Ungemach droht: Am Mittwoch erschien eine neue Studie, laut der auf Haferfeldern gesprühtes Glyphosat in Frühstücksflocken und Müsliriegeln auftaucht.

Bayer nimmt Imageschäden in Kauf

Hat der Traditionskonzern Bayer mit dem Kauf von Monsanto ungeahnte Imageschäden gleich mit übernommen? „Dass Bayer sich mit Monsanto ein Reputationsrisiko ins Haus holen würde, war von vornherein klar“, sagt Olaf Tölke, Pharmaexperte bei der Ratingagentur Scope. Bayer habe das einkalkuliert und für das milliardenschwere Geschäft in Kauf genommen.

Die Analysten glauben dennoch, dass die Börsianer überreagiert haben. Das erstinstanzliche Urteil aus der vergangenen Woche wurde von Laienrichtern gefällt. Der Fall war durch das tragische Schicksal des unheilbar an Krebs erkrankten Klägers, Dewayne Johnson, emotional aufgeladen. Es ist völlig offen, ob die Entscheidung der Geschworenen im Berufungsverfahren besteht und ob Bayer als Eigentümerin von Monsanto die Summe jemals wird zahlen müssen. Tölke steht dem gelassen gegenüber: „Ich erwarte keine überzogenen Milliardenzahlungen, auch nicht kurzfristig“, sagt Tölke. „Bayer hatte vor Jahren mit dem Diabetesmedikament Baycol in den USA einen ähnlichen Fall erlebt und deshalb sogar an einen Ausstieg aus dem Pharmageschäft gedacht. Am Ende war der Schadenersatz weit geringer als befürchtet.“

OnVista/ dpa-AFX

Foto: Peter Braakmann / Shutterstock.com

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