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Bund stellt Commerzbank auf den Prüfstand

Reuters

Frankfurt (Reuters) - Nach der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank prüft der Bund seine Beteiligung an der Commerzbank.

Ein Berater soll nicht nur die Strategie der Commerzbank analysieren, sondern auch Empfehlungen abgeben, wie der Bund künftig mit seiner gut 15-prozentigen Beteiligung an dem Frankfurter Geldhaus umgehen soll. Das geht aus der Ausschreibung hervor, die auf dem "Deutschen Vergabeportal" veröffentlicht wurde. Die Aktie fiel am Freitag um vier Prozent auf 5,1580 Euro und notierte nur noch hauchdünn über dem Rekordtief vom August 2016 von 5,1570 Euro.

Die Commerzbank, die wegen der niedrigen Zinsen und des harten Wettbewerbs seit Jahren mit sinkenden Erträgen kämpft, will im Herbst eine neue Strategie präsentieren. Die Deutsche Finanzagentur, seit Integration der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) Anfang 2018 auch für die Beteiligungen des Bundes im Finanzsektor zuständig, sucht einen externen Berater, der diese Strategie bewerten soll. Er soll das Geschäftsmodell der Commerzbank beurteilen und unter anderem die "Erträge der Kerngeschäftsbereiche, der Kosteneinsparungen, des Beitrags der Digitalisierung (in der von der Commerzbank angestrebten Umsetzung) zum Unternehmenserfolg sowie gegebenenfalls weiterer aufgezeigter Synergien" analysieren.

Zudem gehe es darum, "mögliche Handlungsoptionen" zur Steigerung des Werts der Bank aufzuzeigen. "In diesem Zusammenhang sollen sowohl die Möglichkeiten des organischen als auch des anorganischen Wachstums (z.B. Joint Ventures, Zukäufe der Commerzbank, Kooperationen, Realisierung von Wertpotentialen durch Verkäufe von Teilen) beleuchtet werden", heißt es in der Ausschreibung. Daraus sollten strategische Empfehlungen abgeleitet werden, wie der Bund mit seinem Commerzbank-Anteil umgehen solle.

ANTEILSVERKAUF WÄRE VERLUSTGESCHÄFT FÜR DEN BUND

Der Staat war in der Finanzkrise vor zehn Jahren bei der zweitgrößten deutschen Privatbank eingestiegen. Um sich ohne Verlust von seinem Anteil von 15,6 Prozent zu trennen, müsste der Bund etwa 26 Euro je Aktie erhalten - fünf Mal so viel wie die Aktie momentan wert ist. Ein Kaufinteressent für die gesamte Commerzbank ist im Moment nicht in Sicht. Zwar hatten nach dem Scheitern der Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank Ende April Finanzkreisen zufolge die niederländische ING und die italienische Unicredit mit einer Fusion mit dem Frankfurter Geldhaus geliebäugelt. Doch das Interesse war zuletzt abgekühlt. Commerzbank-Finanzchef Stephan Engels hatte am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalsbilanz gesagt, er sehe im Moment keine Interessenten vor der Tür stehen.

Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums bestätigte die Ausschreibung, wollte sich aber nicht weiter dazu äußern. Die Commerzbank lehnte eine Stellungnahme ab. Die Bewerbungsfrist für das Beratermandat läuft noch bis zum 3. September, der Zuschlag soll voraussichtlich zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember erfolgen, hieß es in der Ausschreibung.

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