Cerberus macht Stimmung gegen Kandidat für Commerzbank-AR-Chef

Reuters

Frankfurt (Reuters) - Der Commerzbank-Großaktionär Cerberus will eine Wahl des ehemaligen LBBW-Chefs Hans-Jörg Vetter zum neuen Commerzbank-Aufsichtsratschef verhindern.

"Wir haben ernsthafte Zweifel, dass Hans-Jörg Vetter die richtige Person für diese Aufgabe ist und über die richtige Erfahrung hierfür verfügt", schrieb der Finanzinvestor in einem Brief an die Commerzbank-Aufsichtsräte. Es gebe Alternativen zu Vetter. "Cerberus hat mindestens zwei Kandidaten identifiziert, die die notwendigen Qualifikationen haben, um die Rolle des Vorsitzenden zu besetzen und die aller Vermutung nach auch das Vertrauen aller wichtigen Interessengruppen genießen würden." Die Namen der Kandidaten nannte Cerberus nicht. Das Kontrollgremium kam an Montag zusammen, um über die Nachfolge des scheidenden Aufsichtsratschefs Stefan Schmittmann zu beraten. Die Commerzbank lehnte eine Stellungnahme ab.

Die Suche nach einem Nachfolger für Schmittmann, der nach der Sitzung aus dem Amt scheidet, lag in der Hand von Jutta Dönges. Die Chefin der Finanzagentur des Bundes ist eine von zwei Aufsichtsräten, die der Staat in das Kontrollgremium der Commerzbank entsandt hat. Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte am Montag, die Personalsuche sei Sache des Unternehmens, konkret des Commerzbank-Aufsichtsrates. Zu einzelnen Kandidaten wollte er sich nicht äußern. Der Bund hatte die Commerzbank in der Finanzkrise vor gut einem Jahrzehnt vor dem Aus gerettet und ist mit 15,6 Prozent weiterhin größter Aktionär der Commerzbank, vor Cerberus mit gut fünf Prozent.

Vetter stand von 2009 bis 2016 an der Spitze der LBBW. Er hatte die Landesbank saniert, nachdem sie in der Finanzkrise 2008 wegen hochriskanter Kreditgeschäfte ins Schlingern geraten war und mit Geldspritzen und Garantien ihrer staatlichen Eigner gerettet werden musste. Davor sanierte er die Bankgesellschaft Berlin. Der 67-Jährige müsste im ersten Wahlgang eine Zweidrittelmehrheit erreichen, um gewählt zu werden.

Cerberus sprach dem Landesbank-Veteranen, der bislang kein börsennotiertes Institut geleitet hat, die nötige Erfahrung ab. "Die schwierige Situation der Commerzbank erfordert einen Aufsichtsrat und insbesondere einen Aufsichtsratsvorsitzenden, der den notwendigen, tiefgreifenden Restrukturierungsprozess der Bank mit initiieren und überzeugend begleiten kann", schrieb Cerberus. Besonders wichtig sei die Fähigkeit, mit allen Interessengruppen konstruktiv zusammenzuarbeiten und eine Strategie umzusetzen, die die Commerzbank wieder zu einem relevanten und profitablen Akteur auf dem deutschen Bankenmarkt mache.

Seit dem Cerberus-Einstieg im Sommer 2017 ist die Commerzbank-Aktie rund 60 Prozent eingebrochen. Im ersten Quartal rutschte das Geldhaus wegen der Corona-Krise in die roten Zahlen. Das Ziel eines Gewinns im laufenden Jahr sei "sehr ambitioniert", erklärte die Bank im Mai. Nun zeichnen sich auch noch Belastungen aus der Wirecard-Pleite ab, einen 200 Millionen Euro schweren Kredit an den Zahlungsanbieter muss das Geldhaus wohl abschreiben. Analysten erwarten sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr einen Verlust.

CERBERUS FORDERT MITSPRACHE

Angesichts der schlechten Kursentwicklung hatte Cerberus im Juni eine öffentliche Kampagne gegen die Commerzbank-Führungsspitze gestartet. Mit seiner Kritik an den wenig ambitionierten Plänen für den Konzernumbau sprach er vielen Investoren und wohl auch dem Bund aus dem Herzen. Die Kampagne führte vor einem Monat zu den überraschenden Rücktritten von Aufsichtsratschef Schmittmann und Vorstandschef Martin Zielke. Seitdem sucht die Bank einen Ausweg aus der Führungskrise. Oberste Aufgabe eines neuen Aufsichtsratschefs und seiner Kollegen wird die Suche nach einem Nachfolger für Vorstandschef Martin Zielke sein, der spätestens Ende des Jahres die Commerzbank verlässt.

Der Finanzinvestor monierte, dass er in die Suche nach einem Nachfolger für Schmittmann nicht eingebunden worden sei. Er sei davon ausgegangen, "dass der Aufsichtsrat die wesentlichen Interessengruppen zumindest in gewissem Umfang in seine Entscheidungen über Neubesetzungen einbeziehen wird. Dies scheint bisher nicht der Fall zu sein."

Selbst wenn Vetter zum neuen Aufsichtsratschef gewählt wird, ist ein nahtloser Übergang nicht möglich, da Vetter dem Kontrollgremium bislang nicht angehört und erst gerichtlich bestellt werden müsste. In der Zwischenzeit würde Betriebsratschef Uwe Tschäge als stellvertretender Aufsichtsratschef das Gremium leiten.

Anleger zeigten sich am Montag angesichts der neuen Turbulenzen gelassen. Die Commerzbank-Aktie notierte 0,7 Prozent im Plus.

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