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Commerzbank kämpft trotz Gewinnsprung mit Gegenwind

Reuters

- von Hans Seidenstuecker

Frankfurt (Reuters) - Die Commerzbank hat auch nach einem Gewinnsprung und der ersten Dividende seit drei Jahren einen steinigen Weg vor sich.

"Die Richtung stimmt. Aber das Umfeld mit Negativzinsen und Preisdruck setzt der Profitabilität von Banken in Deutschland enge Grenzen", sagte Commerzbank-Chef Martin Zielke am Donnerstag. Daher seien die aktuellen Spekulationen über eine Fusion mit der Deutschen Bank "verständlich". Sämtliche Fragen zu dem Thema blockte er aber ab. Zielke betont immer wieder, dass man den niedrigen Zinsen nur mit Wachstum begegnen könne und sieht hier auch Fortschritte. Dennoch kippte die Bank am Donnerstag ihr Gewinnziel.

2018 versiebenfachte die Commerzbank den Nettogewinn auf 865 (Vorjahr: 128) Millionen Euro - mehr als ds Doppelte der Deutschen Bank. Im Vorjahr hatten Kosten für den Abbau tausender Stellen die Commerzbank belastet. "Wir wachsen bei Kunden, im Kreditvolumen und bei bereinigten Erträgen", sagte Zielke. "Unsere Strategie funktioniert." Die Aktionäre sollen eine Dividende von 20 Cent je Aktie erhalten - erst die zweite Ausschüttung seit der Rettung der Bank durch den Staat in der Finanzkrise, der noch immer 15,6 Prozent an der Bank hält. Den leidgeprüften Aktionären versprach Zielke für 2019 eine Dividende in ähnlicher Höhe. An der Börse konnte er damit punkten: Die Commerzbank-Aktie legte um fünf Prozent zu.

Auch die Aufgabe des Gewinnziels für 2020 konnte die Anleger nicht schocken, viele Analysten hatten das bereits erwartet. "Es ist ziemlich offensichtlich, dass wir das Ziel einer Eigenkapitalrendite (ROTE) von sechs Prozent nicht erreichen werden, da wir das Ertragsziel reduzieren mussten und das Kostenziel beibehalten haben", sagte Finanzchef Stephan Engels. 2020 werde die Rendite zwischen fünf und sechs Prozent liegen, nach 3,4 Prozent im vergangenen Jahr. Eine Gewinnprognose für 2019 wollte Konzernchef Zielke nicht wagen.

Bereits im November hatte die Commerzbank das Ertragsziel gekippt und stellt nun für 2020 Einnahmen von 9,2 Milliarden in Aussicht. Das entspricht einem durchschnittlichen Wachstum von drei Prozent. 2018 legten die bereinigten Erträge um fünf Prozent auf 8,6 Milliarden Euro zu. Die Hoffnung auf seine Erhöhung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) habe man aufgegeben, sagte Engels.

GEGENWIND IM FIRMENKUNDENGESCHÄFT

Mit Gegenwind kämpft die Commerzbank vor allem in ihrem Firmenkundengeschäft, die Erträge gingen hier um 2,5 Prozent auf 3,5 Milliarden zurück. Im Privatkundengeschäft gewann die Bank seit Ausrufung der neuen Strategie im Herbst 2016 insgesamt eine Million Kunden und hat damit die Hälfte ihres Ziels erreicht. 2020 will sie auf 14 Millionen Kunden in Deutschland kommen. Trotz der niedrigen Zinsen konnte die Bank daher 2018 ihren Zinsüberschuss um 10,5 Prozent steigern. Die bereinigten Erträge der Privatkundensparte stiegen um fünf Prozent auf 4,85 Milliarden Euro.

Für 2020 rechnet die Bank weiter mit Kosten von 6,5 Milliarden Euro - obwohl sie bei der Digitalisierung ihrer Prozesse dem Plan hinterherhinkt und mehr Mitarbeiter haben wird als ursprünglich geplant. "2020 werden wir mehr als 38.000 Vollzeitstellen haben", sagte Engels. Das sind gut 2000 mehr als ursprünglich geplant. Das Institut hat seine ausgelagerte IT wieder ins Haus geholt, zudem hat es unter anderem seine Abteilung zur Überwachung der Regeln (Compliance) ausgebaut. "IT muss die klare Kernkompetenz einer Bank sein", sagte Zielke. Zudem könne man hohe Beraterkosten sparen. Ende 2018 zählte die Commerzbank rund 41.500 Vollzeitstellen.

Wegen des wachsenden Geschäftsvolumen und neuer Kapitalvorschriften schrumpft die Kapitaldecke, die Kernkapitalquote verringerte sich Ende 2018 auf 12,9 (Ende 2017: 14,1) Prozent. Das Kapitalpolster reiche aus, den Wachstumskurs müsse man nicht einschränken. "Es steht keine Kapitalerhöhung an", sagte Zielke. Ende 2019 soll die Kernkapitalquote bei 12,75 Prozent liegen, auch wenn sie zwischendurch darunter fallen wird. Auch hier schneiden viele andere Geldhäuser besser ab: Selbst die Deutsche Bank mit ihrem großen Investmentbanking kam zuletzt auf eine Kernkapitalquote von 13,6 Prozent und will sie über 13 Prozent halten.

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