Commerzbank kehrt überraschend in schwarze Zahlen zurück

Reuters

- von Patricia Uhlig und Tom Sims

Frankfurt (Reuters) - Die Commerzbank ist mitten in ihrem Radikalumbau und der Corona-Pandemie in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt.

Vorstandschef Manfred Knof versprühte bei der Präsentation der Quartalszahlen am Mittwoch Zuversicht und hob die Jahresziele an. "Wir kommen mit unserer neuen Strategie planmäßig voran und wir liefern, was wir versprechen", sagte der seit Jahresanfang amtierende Bankchef. Die Aktien legten um rund acht Prozent zu und waren mit Abstand größter Gewinne im MDax.

Unter dem Strich erwirtschaftete die Commerzbank im ersten Quartal einen Gewinn von 133 Millionen Euro nach einem Verlust von 291 Millionen Euro vor Jahresfrist. Analysten hatten mit einem erneuten Verlust gerechnet. "Das erste Quartal zeigt: Wir sind nicht nur gut im operativen Geschäft gut unterwegs, sondern auch mit unserer strategischen Transformation gut gestartet und voll auf Kurs", sagte Knof.

Der ehemalige Deutsche-Bank- und Allianz-Manager gilt als harter Sanierer und hat der Commerzbank eine strikte Sanierung verpasst: Weltweit fallen 10.000 Jobs weg, hunderte Filialen werden dichtgemacht, das Kapitalmarktgeschäft und die Präsenz im Ausland schrumpft. Der Umbau kostet mehr als zwei Milliarden Euro. 2020 hatten die Frankfurter wegen der Corona-Krise und der Restrukturierung einen Verlust von 2,9 Milliarden Euro eingefahren. Dieses Jahr soll zumindest das Betriebsergebnis wieder deutlich positiv sein.

KUNDEN HANDELN MEHR MIT AKTIEN

Im ersten Quartal legten die Erträge dank eines höheren Provisionsüberschusses und positiver Bewertungseffekte bei Absicherungsgeschäften um 35 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zu. Die Risikovorsorge für faule Kredite reduzierte sich auf 149 von 326 Millionen Euro. "Der dritte Lockdown hatte kaum Auswirkungen im ersten Quartal", sagte Finanzchefin Bettina Orlopp. Auch andere Banken hatten ihre Risikovorsorge zuletzt verringert, weil die Kreditausfälle nicht so schlimm waren wie zu Beginn der Corona-Krise befürchtet.

Knof stellte für das Gesamtjahr nun leicht höhere Einnahmen als 2020 und eine Kernkapitalquote (CET1) von mehr als 12,5 Prozent in Aussicht. Bisher waren niedrigere Erträge und eine Kapitalquote von über zwölf Prozent angekündigt. Die Chancen auf einen Nettogewinn seien gestiegen, sagte Orlopp. Der Rückenwind durch positive Bewertungseffekte werde aber nachlassen.

Analysten der US-Bank Citi bezeichneten die Ergebnisse als stark. Nicht nur der Gewinn sei überraschend, auch die Stärke auf der Kapitalseite, erklärte Citi-Analyst Nicholas Herman. Aktienexperte Konstantin Oldenburger vom Broker CMC Markets sagte, bei den leidgeplagten Anlegern keime Hoffnung auf. "Der geplante Weg zu einer Digital-Bank wird kein leichter sein. Aber sollte er gelingen, könnte sich die zuletzt entfachte Euphorie in der Aktie auch langfristig für Investoren auszahlen."

Die Commerzbank-Aktien legten seit Mitte April um rund ein Drittel zu. Titel der Deutschen Bank stiegen in dem Zeitraum um rund 17 Prozent, der MDax gab ein Prozent nach.

GEBÜHREN FÜR GIROKONTEN SOLLEN KOMMEN

Wegen der dauerniedrigen Zinsen im Euro-Raum sind Banken ständig auf der Suche nach neuen Ertragsquellen. Die Commerzbank erhofft sich aus höheren Gebühren für Girokonten Einnahmen von jährlich rund 100 Millionen Euro, wie Orlopp sagte. Ob sie darauf auch tatsächlich bauen kann, ist aber nicht sicher. Der Bundesgerichtshof (BGH) urteilte Ende April, dass Banken nicht mehr ohne Weiteres ihre Geschäftsbedingungen ändern können. An den ursprünglichen Plänen, die Preise ab Anfang Juli anzuheben, halte die Bank fest. Von jedem Kunde müsse aber nun ein aktives Ja eingeholt werden, sagte Orlopp. Man arbeite deshalb an passenden Prozessen.

Die Commerzbank war jahrelang mit ihrem kostenlosen Girokonto und Neukundenprämien auf Kundenfang gegangen. Knof hat sich von dieser Strategie aber verabschiedet. Wachstum um jeden Preis solle der Vergangenheit angehören.

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