Corona-Ausbruch befeuert Angst vor Wirtschaftskrise - Finanzmärkte unter Druck

dpa-AFX
Corona-Ausbruch befeuert Angst vor Wirtschaftskrise - Finanzmärkte unter Druck

FRANKFURT (dpa-AFX) - Wie so oft kommt die Panik ganz plötzlich: Zuletzt herrschte trotz Coronavirus fast noch eitel Sonnenschein an den Finanzmärkten. Ein wenig Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen von Fabrikschließungen in China, stockender Lieferketten und wegbleibender Touristen ging zwar um, doch schienen sich viele Investoren zu sagen, dass es insgesamt wohl nicht so schlimm kommen werde. "Der eine Markt, der immer noch denkt, er könne ungeachtet der Makro-Fundamentaldaten über Wasser laufen, ist der Aktienmarkt, insbesondere der in den USA", hatte der Chefvolkswirt der italienischen Unicredit Bank, Erik Nielsen, noch am Wochenende gewarnt.

Eine rasante Ausbreitung von Covid-19 in Südkorea und Italien über das Wochenende holte die Anleger nun auf den Boden der Tatsachen zurück. Aktienkurse brachen zum Wochenbeginn ein und Ölpreise fielen. Als sicherer Hafen geltende Anlagen wie Gold, Staatsanleihen oder die Krisenwährung US-Dollar waren hingegen gefragt.

"Klar ist, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epidemie erheblich sein werden", erklärt Analyst Michael Bissinger von der DZ Bank. "Das gilt selbst dann, wenn sich die Krankheit nun tatsächlich auf dem Rückzug befindet und noch im ersten Quartal weitgehende Entwarnung gegeben werden kann." Die wirtschaftlichen Schäden durch Produktionsausfälle, gestörte Lieferketten, eingeschränkte Konsummöglichkeiten und die Ausfälle im Reiseverkehr seien vor allem für China und die asiatischen Anrainerstaaten schon jetzt beträchtlich. "Sollte die Weltwirtschaft in eine Rezession rutschen, sind Kursrückgänge von 30 Prozent und mehr nicht auszuschließen", warnt der Analyst.

Unicredit-Chefvolkswirt Nielsen rechnet denn auch mit einem deutlichen Konjunkturknick in China. Die Wirtschaft des Landes dürfte im ersten Quartal nur noch um 3 Prozent wachsen, nach rund 6 Prozent Ende 2019, glaubt der Experte. Angesichts der in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft werde das entsprechende Auswirkungen auf die globale Konjunktur haben.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte bereits wegen der Auswirkungen der Lungenkrankheit die Wachstumsprognose für China. Mit Blick auf Deutschland gehen Volkswirte führender deutscher Finanzinstitute mittlerweile davon aus, dass die Folgen der Epidemie eine Konjunkturerholung verzögern könnten. So ist China ein immens wichtiger Handelspartner Deutschlands. Für die Autobauer BMW , Daimler und Volkswagen ist China der wichtigste Einzelmarkt.

Unternehmen verkaufen nicht nur Waren nach China, sondern beziehen auch Vorprodukte aus dem Land. Stockt die Produktion in chinesischen Fabriken länger, weil sie wegen des Virus geschlossen bleiben, geraten auch deren Kunden in Bedrängnis. Der vielleicht prominenteste Fall: Apple kassierte wegen des Coronavirus-Ausbruchs in China erst jüngst eine nur wenige Wochen alte Umsatzprognose für das laufende Quartal wegen Lieferengpässen bei iPhones.

Die ersten wirtschaftlichen Folgen würden mittlerweile durch Angebotsengpässe in einigen Industrien sichtbar, konstatiert Unicredit-Experte Nielsen denn auch. Dieser Angebotsschock treffe eine Weltwirtschaft, die sich bereits gegen Ende 2019 etwas träger gezeigt habe.

Ein Problem bei der aktuellen Entwicklung sieht Nielsen in der begrenzten Möglichkeit von Notenbanken, gerade auf solche Angebotsschocks reagieren zu können. So können die Geldhüter bei einer träge Nachfrage versuchen etwa mit Billiggeld die Kauflaune von Unternehmen und Konsumenten anzukurbeln. Gibt es aber schlicht wenig oder nichts zu kaufen, nutzt alles Billiggeld nichts.

Wird weniger produziert, muss auch weniger transportiert werden. Das bekommen als erstes Logistikkonzerne und Fluggesellschaften zu spüren. Ihre Aktien zählten zum Wochenstart zu den größten Verlierern neben den Papieren deutscher Autobauer. Für den deutschen Leitindex Dax ging es am Vormittag um dreieinhalb Prozent abwärts. Im Rest Europas sah es nicht besser aus, nachdem zuvor bereits die Börsen Asiens - hier vor allem die Südkoreas - gefallen waren.

Die Konjunkturängste drückten auch auf die Ölpreise. Denn wenn mehr und mehr Länder und Kontinente von dem Virus betroffen sind, dürfte dies erhebliche Bremsspuren bei der Wirtschaftsaktivität und der Reisetätigkeit hinterlassen, erklärte Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank. Das ohnehin schon bestehende Überangebot am Ölmarkt falle dann noch größer aus.

Geragt waren hingegen die als sichere Häfen geltenden Anlagen. Staatsanleihen legten kräftig zu, ihre Renditen fielen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen etwa sank auf minus 0,49 Prozent.

Der Goldpreis setzte seinen jüngsten Höhenflug mit dem Sprung auf ein Siebenjahreshoch fort und näherte sich der Marke von 1700 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). In Euro umgerechnet erreicht der Preis für das Edelmetall sogar einen Rekord von 1561 Euro.

Am Devisenmarkt war der Dollar als Weltreservewährung stark gefragt. Er legte gegenüber zahlreichen anderen Währungen zu. Zuletzt kostete ein Euro 1,0817 Dollar.

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