Corona – in finanzieller Hinsicht ein Segen für fast alle Amerikaner

Stefan Riße

Hätten Sie gedacht, dass die persönlichen Einkommen der US-Bürger im Corona-Jahr 2020 nicht etwa gefallen sind - wie man wegen der massenhaften Arbeitslosigkeit ja hätte annehmen können - sondern, dass sie so stark gestiegen sind wie noch nie zuvor? Es ist kaum zu glauben, aber so ist es. Der US-Staat hat aus Angst vor der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Wirtschaftskrise stärker gegengehalten als dies eigentlich nötig gewesen wäre. Und der Akt ist auch noch nicht vorüber, kurz vor Weihnachten haben sich Demokraten und Republikaner auf ein nächstes Konjunkturpaket geeinigt.

Eine Billion mehr Einkommen

Nicht kleckern, sondern klotzen war das Motto der US-Regierung in der Corona-Krise. So hat sie von März bis November 2020 durch Helikoptergeld in Form von Schecks, die den Leuten nach Hause geschickt wurden, zusätzlicher Arbeitslosenunterstützung und diverser anderer kleinerer Programme den Amerikanern 1,046 Billionen US-Dollar an Unterstützung zukommen lassen. Die gesamte Lohnsumme ist dagegen nur um insgesamt gerade einmal 43 Milliarden US-Dollar eingebrochen, was eine fast zu vernachlässigende Zahl ist. Wie lässt sich das vor dem Hintergrund Millionen neuer Arbeitslose erklären? Ganz einfach, es hat nicht die gut bezahlten Jobs erwischt, sondern die unteren Lohngruppen, die in Restaurants, im Einzelhandel oder am Check-In am Flughafen arbeiten. Teilweise handelte es sich auch nur um Teilzeitjobs. Parallel dazu bekamen Arbeitnehmer in Berufsgruppen, die im Home-Office weiterarbeiten konnten, teilweise Bonus-Zahlungen ihrer Arbeitgeber als Anerkennung für ihre „tapferen“ Dienste in der Corona-Zeit. Auch in Deutschland konnten Arbeitgeber ja 1.500 Euro an Mitarbeiter als steuerfreie Corona-Prämie auszahlen, wovon auch viele Gebrauch machten. Im Ergebnis hatten die Amerikaner also eine Einkommenssteigerung von 1,03 Billionen US-Dollar.

Auch die Ausgabenseite ist spannend

Schaut man nun auf die andere Seite, nämlich die persönlichen Ausgaben der US-Bürger, dann wurden für die Einrichtung wie beispielsweise Fitnessgeräten etwas mehr ausgegeben, aber insgesamt doch deutlich weniger aufgrund all der Dinge, die man nicht tun konnte wie Restaurantbesuche oder Reisen nach Las Vegas oder Miami. Kurz gesagt, die Amerikaner gaben 535 Milliarden US-Dollar weniger aus als im Jahr 2019 von März bis November. Beides zusammen genommen kamen die US-Bürger also auf zusätzliche liquide Mittel von 1,56 Billionen Dollar.

Profiteur der Konjunkturpakete war der Aktienmarkt

Inmitten der schwersten Rezession haussieren die Aktienmärkte, und vor allem unter Privatanlegern ist eine echte Spekulationswut ausgebrochen, wie man sie seit der Internet-Blase im Jahr 2000 nicht mehr gesehen hat. Auf Internet Plattformen - die populärste ist Robinhood in den USA - zocken Anleger vor allem in Technologie-Aktien. Die oben genannten Zahlen liefern die Begründung dafür, dass gerade inmitten der Krise ein solcher Boom entstanden ist. 1,5 Billionen US-Dollar, das ist das Volumen der rekordhohen Aktienrückkäufe aus dem Jahr 2018 und es ist mehr als das Dreifache aller Neuemissionen und Kapitalerhöhungen in den USA im vergangenen Jahr. Und was mache ich, wenn ich plötzlich mehr Geld zur Verfügung habe als je zuvor, es aber nicht ausgeben kann? Dann investiere ich es doch mal am Aktienmarkt. Der Aktienaufschwung in den USA vor allem bei den Technologiewerten lässt sich insofern zu einem großen Teil durch private Anleger erklären. Darauf deutet ein weiteres Indiz hin. Normalerweise haben diese eine schlechtere Performance als der Markt, diesmal ist es umgekehrt. Die beliebtesten ihrer Aktien, die Robinhood auf der eigenen Plattform veröffentlicht, hatten eine deutlich bessere Performance im vergangenen Jahr als der Gesamtmarkt.

Das im Dezember verabschiedete Konjunkturpaket sieht nun wiederum Hilfen in ähnlicher Größenordnung vor und daher könnte es trotz schon der sehr euphorischen Stimmung an den Börsen womöglich noch weiter nach oben gehen, bis eine echte Korrektur kommt. Diese tritt vielleicht genau dann ein, wenn aller Lockdown beendet ist, weil große Teile der Gesellschaft geimpft sind und die Wirtschaft deutlich zu wachsen beginnt. Es wäre nicht ungewöhnlich, wenn die Börse dies dann schon vorweggenommen hätte und auf die guten Nachrichten hin dann nach unten dreht. Außerdem werden ab diesem Punkt die US-Bürger keine Schecks mehr vom Staat erhalten und das gehortete Geld wieder für Reisen und Essen und andere Dinge ausgeben. Der Nachholbedarf, der sich aufgestaut hat, ist riesig.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
Das könnte Sie auch interessieren
Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

rißes blog

Kurs zu Dow Jones Index

  • 30.424,09 Pkt.
  • -1,65%
27.01.2021, 20:45, außerbörslich

Weitere Werte aus dem Artikel

DAX 13.620,46 Pkt.-1,80%
Alle Kolumnen von Stefan Rißealle Artikel anzeigen

Zugehörige Derivate auf Dow Jones (26.751)

Derivate-Wissen

Sie glauben, der Kurs des "Dow Jones" steigt?

Mit Bonus-Zertifikaten können Sie an steigenden Index-Kursen teilhaben.

Erfahren Sie mehr zu Bonus-Zertifikaten