Corona-Krise dämpft Inflation 2020 - Preise ziehen wohl bald wieder an

Reuters

Berlin (Reuters) - Das Leben in Deutschland hat sich wegen der Corona-Krise im vergangenen Jahr so wenig verteuert wie seit 2016 nicht mehr.

Die Inflationsrate lag 2020 vor allem wegen der günstigen Energie im Schnitt nur bei 0,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte und damit eine erste Schätzung von Anfang Januar bestätigte. Im Dezember sanken die Verbraucherpreise sogar um 0,3 Prozent zum Vorjahresmonat, blieben damit zum November-Wert unverändert und zugleich auf dem tiefsten Stand seit Januar 2015. Nach dem Auslaufen der gesenkten Mehrwertsteuer rechnen Ökonomen für Anfang 2021 mit einem deutlichen Anstieg bei der Inflation.

Die Bundesregierung hatte die Mehrwertsteuer von Juli bis Ende 2020 von 19 auf 16 Prozent gesenkt, um Konsum und Wirtschaft in der Corona-Krise anzukurbeln. Wegen der pandemie-bedingten Rezession konnten viele Firmen bei ihren Kunden steigende Preise nur schwer durchsetzen. Die Verbraucher profitierten 2020 auch von der günstigen Energie, die 4,8 Prozent weniger kostete als 2019. So war Tanken im Schnitt fast zehn Prozent billiger, Heizöl kostete knapp 26 Prozent weniger. "Verantwortlich war neben der Senkung der Mehrwertsteuersätze vor allem der Ölpreisverfall auf dem Weltmarkt in den ersten Monaten des Jahres", erklärte das Amt. Dagegen verteuerte sich Strom um drei Prozent. Ohne die Energie hätte die gesamte Inflation im vorigen Jahr bei 1,1 Prozent gelegen.

Preise für Nahrungsmittel stiegen derweil mit 2,4 Prozent überdurchschnittlich. Deutlich teurer waren Obst (+7,1 Prozent) sowie Fleisch und Fleischwaren (+6,1 Prozent). Günstiger hingegen wurden insbesondere Speiseöle und Speisefette (-4,1 Prozent). Waren insgesamt verbilligten sich um 0,4 Prozent, dabei allein Telefone etwa um sechs Prozent sowie Geräte der Informationsverarbeitung um 4,4 Prozent. Preise für Fitness-Geräte stiegen im Gesamtjahr kräftig um 7,9 Prozent und lagen allein im Dezember - und damit im Lockdown und kurz vor Weihnachten - 13,1 Prozent über dem Niveau von Ende 2019. Preise für Dienstleistungen kletterten insgesamt im Jahresdurchschnitt 2020 mit 1,3 Prozent, darunter Nettokaltmieten mit 1,4 Prozent.

Das Ende der gesenkten Mehrwertsteuer und die CO2-Abgabe aus dem Klimapaket dürften die Inflation im Januar deutlich nach oben treiben. Die Commerzbank hatte jüngst einen Wert von rund 1,5 Prozent prognostiziert. Während das gewerkschaftsnahe IMK-Institut für das laufenden Jahr insgesamt nur mit einem Anstieg der Verbraucherpreise von 1,3 Prozent rechnet, erwarten die Kieler IfW-Forscher und Regierungsberater ein Plus von 2,6 Prozent.

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